Mi, 19. Dezember 2018

Derzeitige „zu kurz“?

29.03.2018 13:12

Wirbel um neuen Entwurf für tschechische Hymne

In Tschechien sorgt ein neuer Entwurf der Nationalhymne für Wirbel. Der Vorschlag für die Änderung kommt vom tschechischen Olympia-Komitee, das sich eine Bearbeitung der Hymne wünscht. Die derzeitige sei „wenig selbstbewusst und wenig patriotisch“ und vor allem „zu kurz“, meint der Vorsitzende des Komitees. Der Plan stößt - zumindest bei einigen Politikern und Musikern - auf wenig Gegenliebe.

Die tschechische Hymne sei wohl „die kürzeste in Europa“, nachdem mit dem Zerfall der Tschechoslowakei am 31. Dezember 1992 der slowakische Teil der tschechoslowakischen Hymne einfach weggefallen sei, erklärte Komitee-Chef und Ex-Ruderer Jiri Kejval laut Medienberichten vom Donnerstag. Die bei zeremoniellen Anlässen gespielte Variante dauere demnach nur 45 Sekunden.

Komitee: Zumindest 80 Sekunden sollten drin sein
Laut den Sportfunktionären solle die Variante für Siegerehrungen auf zumindest 80 Sekunden verlängert werden, zumal die meisten anderen Hymnen die Marke von einer Minute übersteigen. Das sei man schon den Sportlern und Fans schuldig. Man stoße bewusst jetzt eine Debatte darüber an, weil sich im Oktober dieses Jahres die Gründung der Tschechoslowakei zum 100. Mal jährt. Damit gebe es einen passenden Anlass für solche Diskussionen.

Komponist: Neue Version hat „reichere Harmonie“
Mit der neuen Melodie wurde vom Olympia-Komitee nun der Komponist Milos Bok, der vor allem auf Kirchenmusik, aber auch auf Filmmusik spezialisiert ist, beauftragt. Die Neuerung einer Nationalhymne sei ein natürlicher Prozess, „was ich mit absoluter Pietät respektiert habe“, so Bok. Die neue Version habe eine „reichere Harmonie“ und sei „majestätisch“.

Kritiker: „Keine gute Idee“, „verschwommen“
Kein Verständnis dafür zeigten allerdings etliche Politiker und Musiker. „Keine gute Idee. Wir haben eine schöne Hymne und es gibt keinen Grund, sie zu ändern“, sagte etwa Ministerpräsident Andrej Babis. Der Vorsitzende der außerparlamentarischen Bürgermeisterpartei, Petr Gazdik, ist nach eigenen Angaben auf die bisherige Fassung der Hymne „stolz“ und singe sie gerne. „Tschechien hat andere Probleme zu lösen“, meinte er.

„Jemand wollte zeigen, was er alles kann. Überflüssig übertrieben“, kommentierte Michal Dvorak, Sänger der populären tschechischen Rockband Lucie, die Änderungspläne. Der Gitarrist der Gruppe Monkey Business, Olda Krejcoves, bezeichnete das neue Arrangement als „verschwommen“ und als „Selfie“ des Komponisten.

Kulturminister: Fachgremium soll entscheiden
In dem Streit um eine längere Nationalhymne soll nun laut dem deutschen TV-Sender MDR das Kulturministerium eingeschaltet werden. Ressortchef Ilja Smid erklärte, angesichts der Meinungsverschiedenheiten wolle er ein etwa zehnköpfiges Fachgremium aus Komponisten, Musikwissenschaftlern und Historikern einberufen, das die neue Variante der Hymne unter musikalischen Gesichtspunkten bewerten solle.

Die tschechische Nationalhymne ist der tschechische Teil der ehemaligen tschechoslowakischen Hymne. Es handelt sich um das Lied „Kde domov muj“ (Wo ist meine Heimat) aus dem Theaterstück „Fidlovacka“ (Schusterfest) von Josef Kajetan Tyl, das 1834 in Prag uraufgeführt wurde. Die Melodie wurde von Frantisek Skroup komponiert.

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