Einschüchterung?

Grüne kritisieren Gespräche nach Krankenständen

Wien
22.10.2009 14:55
Der Umgang mit Krankenstandsdaten in der Stadt Wien sorgt weiterhin für Aufregung: Knapp eine Woche nachdem die FPÖ fragwürdige Praktiken bei der Wiener Rettung aufgedeckt hatte (siehe Infobox), zogen am Donnerstag die Grünen mit heftiger Kritik an den "Rückkehrgesprächen" bei der Magistratsabteilung 48 nach. Mitarbeiter würden darin nach Daten bis hin zur Diagnose befragt. Es werde dabei der Eindruck erweckt, dass den Betroffenen nichts anderes übrig bleibe, als diese bekanntzugeben.

Diese Gespräche würden von den Betroffenen nur als Einschüchterung gesehen – und nicht als Unterstützung, zeigte sich Grün-Gemeinderat Martin Margulies überzeugt. Er forderte die sofortige Beendigung dieser Praxis. "Im Zusammenhang mit dem Umgang mit Krankenstandsdaten in der Stadt Wien ist ein Vergleich mit den ÖBB zulässig", befand hingegen Grün-Politiker Margulies. Bei der Bahn hatte die illegale Aufzeichnung derartiger Daten zuletzt für Aufregung gesorgt. Auch in der Hierarchie des Magistrats steige der Druck auf die unterste Ebene ständig, beklagen nun die Grünen.

Grünen-Vorwurf: Kündigung wurde angedroht
Als weiteres Beispiel wurde die Telefonvermittlung des Rathauses genannt. Mitarbeiter würden dort etwa nach Operationen sofort wieder Dienst tun, um eine Streichung der Leistungszulage zu vermeiden. In anderen Bereichen, etwa bei den Reinigungsdiensten, werde im Krankenstand zudem mit Kündigung gedroht.

Die Grünen kündigten wegen dieser Umstände eine Anfragenserie im Gemeinderat an, um Aufklärung bezüglich des Umgangs mit Krankenstandsdaten in den jeweiligen Magistratsabteilungen, im Krankenanstaltenverbund, bei Wiener Wohnen und Wienkanal sowie bei den Wiener Stadtwerken zu verlangen. Zudem wollen die Grünen einen "Kummerkasten" für Magistratsbeschäftigte einrichten. So könne jede Person anonym von negativen Erfahrungen, zum Beispiel mit Mobbing durch Vorgesetzte, berichten.

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