Mo, 10. Dezember 2018

Gewollte Schikanen

05.03.2018 13:12

Verkehrsplaner: „Wien erzeugt bewusst Stau“

Was geplagte Wiener längst geahnt haben, gibt nun Verkehrsplaner Hermann Knoflacher (77) in einem Interview offenherzig zu. „Wir haben die Autofahrer genervt. Wir haben Straßen verengt und systematisch Stau erzeugt“, so der emeritierte Professor der Technischen Universität im deutschen Magazin „Spiegel“.

Wie das funktioniert, erklärt der Öffi-Fan („Der Autofahrer ist kein Mensch“) freimütig.

„An den Straßenbahnhaltestellen wurden Gehsteige bis zum Ausstieg vorgezogen, sodass die Autofahrer nicht nur halten mussten, bis das Ein- und Aussteigen beendet war und die Tram weiterfuhr, sondern auch noch um diese Verkehrshalbinseln herumkurven mussten.“ Maßnahmen, die in Wien nicht der Vergangenheit angehören, sondern heute genauso gemacht werden.

Der entscheidende Punkt ist für den Autokritiker ein anderer: Parkraum sei – weil subventioniert – viel zu günstig. Statt ein paar Euro am Tag solle Parken „400 bis 500 Euro“ im Monat kosten, so der „Liebling“ der rot-grünen Planer im Wiener Rathaus.

Für Knoflacher steht fest: „Ein Autofahrer sollte in der Stadt höchstens so viel Platz verbrauchen dürfen wie die anderen Verkehrsteilnehmer auch. Genauso viel wie ein Straßenbahngast, ein Fußgänger, ein Radfahrer. Tatsächlich verbraucht er immer noch ein Vielfaches an Platz.“

„Wenn es ums Auto geht, reagieren wir dumpfer als Steinzeitmenschen“
Für Knoflacher habe der Pkw den Menschen mit einer Art Virus infiziert, der ihn für rationale Argumente unzugänglich mache. „Wenn es ums Auto geht, reagieren wir dumpfer als Steinzeitmenschen, stammesgeschichtlich weit vor der Evolution höherer Lebewesen.“ Ob das Rettungsfahrer genauso sehen würden, wenn sie Verletzte zu Fuß ins Krankenhaus schieben müssten, sei dahingestellt. Auch dass die Feuerwehr per Fahrrad anrücken muss, ist eher eine Horror-Vorstellung.

Der frühere Verkehrsplaner beschreibt das Autofahren in dem Interview als „Lustgewinn, der direkt in Hirnarealen wirkt, die evolutionsbiologisch älter sind und früher immer für das Leben erfolgreich waren. Da können Sie das Großhirn noch so lange mit rationalen Argumenten traktieren.“ Knoflacher geht aber noch weiter und sagt: „Der Autofahrer hat mit einem Menschen, der zu Fuß geht, weniger gemeinsam als ein Mensch mit einem Insekt. Kein Insekt würde den Lebensraum seiner Nachkommen selbst systematisch vergiften. Der Autofahrer tut das.“ Demnach werde der Autofahrer erst wieder zum Menschen, „wenn er aus dem Auto steigt“.

Eine Zukunft mit autonom fahrenden Autos sieht der Experte übrigens als bloßes Modell der Industrie. „Die hätten das gern so. Die Konzerne denken das Auto immer als Teil der Lösung und nicht als Problem.“ Knoflacher sieht jedenfalls auch für das autonom fahrende Auto keinen Platz in einem „menschengemäß“ gestalteten öffentlichen Raum.

Wiens ÖVP-Klubobmann Manfred Juraczka veurteilt die Interview-Aussagen Knoflachers heftig. Juraczka: „So ticken die Grünen.“

Alex Schönherr, Kronen Zeitung/krone.at

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