Mi, 20. Juni 2018

Neuer Austria-Coach

27.02.2018 14:37

Letsch: „Ich bin nicht irgendwer von Red Bull“

Thomas Letsch soll bei der schwer strauchelnden Austria die Wende schaffen. Der einige Jahre erfolgreich im Nachwuchs von Red Bull Salzburg tätige Schwabe unterschrieb am Dienstag einen Vertrag bis Saisonende bei den Wienern. In den verbleibenden zwölf Runden der Bundesliga will Letsch "das Maximale herausholen". Über die Saison hinaus blickt der 49-Jährige nicht.

Im Speisesaal des Trainingszentrums von Steinbrunn (Burgenland) präsentierte sich Letsch zum ersten Mal als Austria-Coach. "Für mich ist es eine Ehre, ich freue mich auf die Chance, diese spannende Aufgabe in Angriff zu nehmen", lautete sein erstes Statement. Zuvor hatte der Deutsche erstmals Bekanntschaft mit seinem neuen Team gemacht. Seine Botschaft war klar.

"Das Wichtigste ist mir - und das habe ich auch der Mannschaft gesagt -, dass wir eine hohe Intensität hineinbringen. Im Spiel und auch im Training. Das Tempo soll hoch sein. Ich will in dieser Woche sehen, dass jeder bereit ist, alles zu geben", erklärte Letsch. Der unter Vorgänger Thorsten Fink gepflegte, eher auf langsamen Spielaufbau setzende Stil dürfte ad acta gelegt werden. "Grundsätzlich haben wir verschiedene Ansätze, aber es geht nicht darum, alles umzukrempeln", sagte Letsch dazu.

Gegenpressing und schnelles Umschaltspiel soll die Austria unter ihm auszeichnen. "Die Qualität der Spieler ist absolut vorhanden." Dass er selbst in Österreich vornehmlich als der Philosophie von Red Bull Salzburg verschriebener Trainer bekannt ist, sei so nicht richtig. "Ich bin Thomas Letsch, nicht irgendwer von Red Bull. Ich stehe nicht für Red-Bull-Fußball, sondern für meinen Fußball, und den wollen wir jetzt in Wien sehen."

Am Samstag wartet als erster Aufgabe ein Heimspiel gegen den WAC. Den heuer noch sieglosen Favoritnern fehlen nach zuletzt drei Niederlagen in Serie zwölf Punkte auf Tabellenplatz vier, den Rapid innehat. Neun sind es auf den fünfplatzierten LASK. "Ich gehe mit Freude in diese zwölf Spiele, das ist ein Drittel der Saison. Wir wollen das Maximale herausholen", sagte Letsch zu seiner Herangehensweise an das Meisterschaftsfinish.

Darüber hinaus interessiere es ihn im Moment nicht, was nach Saisonende passiere. "Es war klar: Es geht um diese zwölf Spiele." Um das vom Verein ausgegebene Ziel, den Startplatz für die kommende Europa League zu erreichen, würden auch Faktoren hineinspielen, die die Austria nicht mehr beeinflussen könne. "Wir sollten nur auf uns schauen. Wenn wir versuchen, jedes Spiel zu gewinnen, können wir zumindest eine Basis schaffen."

In den Trainerstab aufrücken wird Roman Stary, den Letsch während seiner Tätigkeit als sportlicher Leiter der Salzburg-Akademie kennengelernt hat. Neben Fink hat auch dessen Assistenztrainer Sebastian Hahn den Klub verlassen. Als Co-Trainer blieb Egbert Zimmermann. Letsch appellierte an alle im Verein: "Jeder Wechsel ist immer auch eine Chance, frischen Wind rein zu bekommen und anzupacken."

In die Kaderplanung für kommende Saison wird Letsch laut Franz Wohlfahrt eingebunden. Den seit fünf Jahren in Salzburg wohnenden Deutschen bezeichnete der Austria-Sportdirektor als "ideale Lösung. Er erfüllt alles, was wir uns vorgestellt haben. Er kennt den österreichischen Fußball und er kennt die Austria." Zur Trennung von Fink meinte Wohlfahrt: "Leider ist es im Fußball ein schmutziges Geschäft. Die Ziele, die wir uns für das Frühjahr gesetzt haben, wurden nicht erreicht. Die Leistungen waren dementsprechend."

Wohlfahrt wiederholte außerdem seine geäußerte Kritik an der Einstellung der Spieler. "Es geht darum, dass vor allem die Spieler sich verändern. Sonst wird es nicht besser werden", betonte der Ex-Teamtorhüter, der zuletzt den "Lifestyle" einiger Profis hinterfragt hatte. Letsch erklärte dazu knapp: "Dinge, die in der Vergangenheit waren, nehme ich zur Kenntnis, das will ich nicht werten. Wenn die Disziplin aber nicht vorhanden ist, kann ich sie auch am Spielfeld nicht erwarten."

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