Matschiner gesteht

“Athleten mit bestem Gewissen versorgt”

Sport
13.08.2009 16:08
Die 12. Leichtathletik-WM in Berlin könnten eine große Bühne für Betrüger werden. In dem ARD-Film "Geheimsache Doping", der am Mittwoch ausgestrahlt wurde, berichten hochkarätige Insider vor der Kamera, was sich hinter der schillernden Fassade der olympischen Kernsportart und in der vermeintlich effektiven Dopingbekämpfung wirklich abspielt. Ausführlich schilderte auch der österreichische Sportmanager Stefan Matschiner, zu dessen Schützlingen auch Bernhard Kohl zählte, seine Doping-Aktivitäten. "Ich habe meine Athleten mit bestem Wissen und Gewissen versorgt, dass sie zur rechten Zeit das Richtige hatten und nicht positiv wurden", sagte Matschiner, der neben Radfahrern und Triathleten auch Leichtathleten managte.

"Ich hatte auch einen deutschen Leichtathleten, einen Topläufer, den ich nie getroffen habe, aber über einen Mittelsmann mit einer Designerdroge versorgte", berichtete der Oberösterreicher weiter. Nach ARD-Recherchen soll dieser Läufer in diesem Jahr deutscher Meister geworden sein. "Ich finde so etwas nicht produktiv, sondern auch dem Athleten gegenüber unfair", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Wenn man so einen Verdacht äußert, sollte man auch Ross und Reiter nennen."

Urinproben in Doping-Labors illegal getestet
Matschiner will seine Athleten aber nicht nur mit Doping-Mitteln beliefert haben, sondern will auch Urinproben von seinen Sportlern durch von ihm bezahlte Mitarbeiter in von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditierten Doping-Analyselabors illegal testen haben lassen. "Die Mitarbeiter haben 150 oder 300 Euro bekommen. So konnten Athleten perfekt eingestellt werden", sagte Matschiner. "Es hat einige Jahre funktioniert und es funktioniert immer noch." Die WADA reagierte empört. "Wenn das stimmt, wäre das skandalös und eine der schlimmsten Regelverletzungen", sagte WADA-Generalsekretär David Howman.

"Werden wir saubere Siege sehen?"
Aber auch andere Akteure berichteten, wie sie Athleten bis zur Perfektion dopen, Dopingkontrolleure austricksen, kriminelle Netzwerke spinnen, das große Geld machen - und dabei jahrelang nicht erwischt werden. "Es gibt saubere Athleten - werden wir aber auch saubere Siege sehen?", sagte etwa Angel Heredia, einst einer der größten Doping-Dealer im Weltsport, der als Kronzeuge vor der US-Justiz auspackte. "Ich hatte 45 Athleten, von denen 32 zur Weltklasse zählten", berichtete der Mexikaner den ARD-Reportern Hajo Seppelt und Rolf Kempe. 

Österreichischer Athletenmanager beschuldigt
Er lieferte seinen Kunden nicht nur verbotene Mittel von Anabolika bis zum Wachstumshormon, sondern auch detaillierte Wochenpläne für Anwendung und Medikation - mit dem Ziel, dass sie stärker wurden und nicht positiv getestet werden konnten. "Es ist ein Kinderspiel", sagte Heredia, der vor laufender Kamera Doping-Mittel mixte. Heredia belastet dabei auch den österreichischen Athletenmanager Robert Wagner, der den Kontakt zu dem Mittelamerikaner in den Jahren 2004/05 gesucht haben soll. "Wir haben über nichts anderes als Doping geredet", sagte Heredia. Wagner habe Doping-Mittel bei ihm gekauft und bezahlt: "Ja, in bar."

Wagner meinte zu diesen Anschuldigungen: "Ich hatte mit Angel Heredia nie etwas zu tun. Ich habe nie mit diesem Menschen geredet, weder telefonisch, noch persönlich. Und ihn nie persönlich getroffen - auch nicht über Mittelsmänner." Weiters meinte der Athletenmanager, dass der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) ihm angeraten habe, keine Kommentare zu der Sache abzugeben. Wagner, der u.a. Manager der rot-weiß-roten Topathleten Stephanie Graf und Elmar Lichtenegger war, wird immer wieder mit Doping in Zusammenhang gebracht. In einem Interview im April 2009 sagte Wagner: "Ich stehe auf der anderen Seite der Geschichte. Wenn ich in einem Netzwerk drinnen wäre, würde mich die IAAF keine Meetings mehr veranstalten lassen. Ich arbeite seit Jahren eng mit der Anti-Doping-Abteilung der IAAF zusammen, ich gebe Informationen."

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