"Wahnsinn! 2:22,9 braucht man für das Finale", meinte Jukic zum ungemein schnellen Semifinalfeld. "Da kann jede von uns eine Medaille machen." Der OSV-Star vermutete, dass die Schwedin Joline Hostman und die Serbin Nadja Higl eine Jagd auf ihren Europarekord gemacht hatten, sie haben ihn als Viert- sowie Fünftplatzierte aber um 14 bzw. 18/100 verpasst. Auch weiter kamen Martha McCabe (CAN), Nanaka Tamura und Rie Kaneto (beide JPN).
Vorneweg schnappte sich im Lauf der Österreicherin Annamay Pierse nach dem Kurzbahn-Weltrekord über diese Distanz auch jenen auf der 50-m-Bahn. In 2:20,12 Minuten verfehlte die Kanadierin die erste Zeit unter 2:20 zwar noch knapp, blieb aber um eine Zehntel unter der bisherigen, bei Olympia 2008 in Peking von Rebecca Soni fixierten bisherigen Weltbestmarke. Die US-Olympiasiegerin wurde in 2:20,93 Semifinal-Zweite.
Jukic hat noch Reserven
"Die Zwei können Medaillen schaffen", erklärte Jukic Pierse und Soni zu den Favoritinnen. "Aber das heißt nicht, dass sie unbedingt Gold und Silber gewinnen." Österreichs "Sportlerin des Jahres" 2002 und 2008 hat auf alle Fälle noch Reserven, schon wegen ihres Ganzkörperanzugs. Denn war Jukic im Semifinale mit einem Arena X-Glide geschwommen, wird sie im Endlauf wie bei Vorlaufrang drei wieder in einem Jaked 01 vom Startsockel springen.
"Ich wollte heute beide Anzüge probieren", erklärte die Europameisterin. "Aber der Arena ist mir hinten bei den Knien zu hart. Er dehnt sich da zu wenig, ich spüre meine Beine nicht mehr so und werde schneller müde." Im Jaked hat Jukic heuer schon vier Europarekorde fixiert - drei über 200 m Brust und einen über 100 m Brust. Mit ihm auf dem Körper sollte sie für die Medaillenjagd gerüstet sein.
Für die Titelentscheidung will sich die Studentin keine Taktik zurecht legen, sondern sich nur auf sich konzentrieren. "Ich darf mich von den anderen nicht irritieren lassen, sondern muss ruhigbleiben und meiner Technik treubleiben." Die Brustlagen-Technik der WM-Siebenten über 100 m Brust vom Dienstag wird in der Fachwelt allgemein als eine der besten angesehen.
Stoss verbessert eigene Bestzeit
Auch Stoss hat sich technisch sehr viel weiterentwickelt. Mit der Verbesserung seiner aus dem Eindhoven-EM-Finale vom März 2008 stammenden Bestzeit um 1,3 Sekunden auf 1:57,97 Minuten hatte er am Vormittag als 16. gerade noch den Einzug in das Semifinale geschafft, in dem er sich um weitere 82/100 steigerte. "Ich wäre gerne noch um zwei Zehntel schneller geschwommen", sagte Stoss. "Aber ich bin auf einem super Weg."
Vor dem Semifinale hatte ihm noch der in seinem Lauf schwimmende US-Star Aaron Peirsol zum Aufstieg gratuliert, danach absolvierte Stoss ein couragiertes Rennen. Die erste Länge war er schneller als im Vorlauf angegangen, schwamm die nächsten 100 m im Tempo vom Vormittag, ehe er auf der letzten Länge noch einmal zulegte. Auf das Semifinale fehlten dem Wiener zwar noch 1,37 Sekunden, doch er kommt den Besten näher und näher.
Peirsol war mit dem WM-Rekord von 1:54,06 Minuten Semifinal-Schnellster. Nach seinem unerwarteten Semifinal-Ausscheiden über 100 m Rücken will der seit einer Woche 26-Jährige nun auf der doppelten Distanz zuschlagen. Stoss: "Ich glaube aber nicht, dass er mit Wut im Bauch schwimmen wird. Aaron ist so ein lockerer Typ." Der Russe Arkadij Wjatschanin drückte übrigens in 1:54,90 seinen Europarekord von Olympiarang drei um 3/100.
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