Doping-Causa

Walter Mayer aus Untersuchungshaft entlassen

Sport
30.04.2009 18:25
Ex-ÖSV-Langlauf- und Biathlontrainer Walter Mayer ist am 30. April nach über einem Monat in Untersuchungshaft aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt entlassen worden. Mayer, der verdächtigt worden war, gegen das Anti-Doping-Gesetz verstoßen zu haben, war am 22. März verhaftet worden. Die über den 52-jährigen Salzburger am 25. März verhängte Untersuchungshaft war am 8. April um vier Wochen verlängert worden.

Für Christian Pilz, den Rechtsanwalt Mayers, kam die Entlassung zwar "überraschend", sei aber ein Zeichen, dass "unsere Bemühungen erfolgreich waren". Pilz ist weiter von der Schuldlosigkeit seines Mandaten überzeugt: "Ich rechne nicht, dass eine Anklageschrift gegen ihn verfasst wird."

"Es gab offenbar einen Beschluss über Mayers Entlassung aus der U-Haft, den wir aber nicht kennen. Unseren Einsprüchen wird wohl stattgegeben worden sein", vermutete Pilz, der in den vergangenen Wochen Rechtsmittel gegen die U-Haft eingelegt hatte. "Das kam ziemlich überraschend, die Mühlen der Justiz mahlen eben langsam."

Am Nachmittag aus Gefängnis entlassen
"Mayer wurde heute (Donnerstag, Anm.) am frühen Nachmittag über seine Entlassung informiert und musste seine Zelle innerhalb von zehn Minuten räumen", erklärte der Rechtsanwalt. Mayer habe sich von der Justizanstalt Wien-Josefstadt unverzüglich in Pilz' Kanzlei begeben, am Abend verköstigte man sich dann in einem Wiener Innenstadtlokal. 

Vorerst wollte Mayer keine Pressekonferenz geben. Pilz: "Seine Eindrücke sind noch zu frisch. Er wird sich jetzt ein paar Tage erholen und sportlichen Betätigungen nachgehen."

Mayer: "Ein sehr angenehmes Gefühl"
Seine ersten Stunden in Freiheit hat Mayer am Nachmittag in der Wiener Innenstadt genossen. "Ein sehr angenehmes Gefühl. Ich war mehr als überrascht, als mir gesagt worden ist, dass ich gehen kann", erzählte der frühere Langlauf- und Biathlon-Trainer nach seiner Entlassung aus der U-Haft.

In den kommenden Tagen will der Salzburger zunächst einmal ausspannen. "Wie es dann weitergeht, weiß ich nicht. Vieles wird noch zu klären sein", sagte Mayer. Mit einem Strafantrag wegen Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz rechnet der 52-Jährige nicht, dafür wollte er rechtliche Schritte gegen die Republik Österreich nicht ausschließen. "Das Schlittenfahren mit mir ist vorbei."

Jegliche Doping-Verwicklungen abgestritten
Einmal mehr betonte der ehemalige Coach, nichts mit verbotenen Praktiken zu tun gehabt zu haben. "Ich habe nie mit Dopingmitteln gedealt und nie Dopingmittel verabreicht. Von diesem Netzwerk, mit dem ich in Verbindung gebracht werde, kenne ich nur Stefan Matschiner", betonte Mayer, der mit seinem Freund Matschiner im Gefängnis nach eigenen Angaben täglich Kontakt hatte. "Er wollte sogar, dass wir ins gleiche Zimmer kommen." Matschiner werde wohl noch länger in Haft bleiben, vermutete Mayer. "Wenn er eine Doping-Maschine gehabt hat, wird er sie wahrscheinlich nicht zum Eismachen verwendet haben."

Über die Folgen der Doping-Razzia während der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin ist Mayer nach wie vor verärgert. "Von der Langlauf-Staffel in Turin hat keiner gedopt, da gibt es noch einiges aufzuarbeiten. Das ist ein innenpolitischer Sportskandal", schimpfte der Lebensgefährte der steirischen Langstreckenläuferin Eva Maria Gradwohl.

Dass er die im Zusammenhang mit den Vorfällen in Turin stehende Klage gegen IOC-Boss Jacques Rogge zurückgezogen hatte, bezeichnete Mayer als "einen meiner größten Fehler". Er habe dies auf Bestreben des Verteidigungsministeriums getan, das mittlerweile ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Bundesheer-Bediensteten eingeleitet hat.

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