08.01.2004 16:59 |

Lost in Translation

Bill Murray in Lost in Translation

Tokio, hektisch-hyperaktiver Neonmoloch. Menschen im Hotel: ein alternder Schauspieler (großartig: Bill Murray), der einen lukrativen Whisky-Werbespot dreht, eine junge, vernachlässigte Ehefrau, deren Mann, ein Fotograf (Giovanni Ribisi), die Welt nur noch via Kameralinse wahrnimmt.
Zwei Fremde, eine "Notgemeinschaft", sanft gebettetauf Sympathie - und nicht auf seidene Laken. Eine Begegnung zwischenscheuer Freundschaft, Seelenverwandtschaft, unausgesprochenemBegehren und köstlichen Hoppalas in Sachen japanische "Überraschungsarrangements".
 
Menschen zwischen Jetlag und Schlaflosigkeit, Müdigkeitund Melancholie. Fahrstühle, die Ankommende verschlingenund Stockwerke später wieder ausspeien. Gesichter. Blicke."Augen"-Blicke. Und Neugier, weil die Monotonie des Vertrautennoch mehr erschöpft als der fehlende Schlaf, der diese Megacitybeständig flieht. Geht der Liebe nicht immer Neugier voraus?
 
Und vielleicht bleibt es ja bloß bei derNeugier aufeinander, scheint Regisseurin Sofia Coppola, Tochtereines großen Vaters, lakonisch zu bemerken. Und sie kredenztuns eine Aura herzerwärmender Nähe, vage und intensivzugleich, verspielt und beiläufig ernst. Fremder Planet Ferne.Poesie des Zufalls. Zweisamkeit der Einsamkeit zum Trotz.
 
Von Christina Krisch
Dienstag, 15. Juni 2021
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