Vettel im Interview

Sebastian Vettel will Weltmeister werden

Sport
03.03.2009 11:20
Der deutsche Formel-1-Pilot Sebastian Vettel, der von Toro Rosso zu Red Bull Racing gewechselt ist, steht in einem Interview Rede und Antwort. Der 21-Jährige erzählt dabei, was er sich in Saison 2009 von seinem neuen Team erwartet und verrät auch, wie er mit dem Thema WM-Titel umgeht...

Wie gefallen dir die neuen Autos? Sie wurden ja auch schon als Mähdrescher oder Indoor Karts bezeichnet...
"Sagen wir so, sie sehen anders aus. Man kann streiten, ob sie schöner oder hässlicher sind. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Es gibt schönere und weniger schöne. Unser Auto, den RB5, finde ich persönlich sehr schön."

Du startest 2009 wieder für Red Bull, nun aber für Red Bull Racing und damit ein österreichisches Team. Hast du dich auch "österreichisch" vorbereitet?
"Ja, ich war viel Skifahren. Das gilt bei euch ja als Training. Ich habe zwar auch Neues probiert, aber auch nichts anderes als vorher. Sieben Stunden am Tag zu trainieren, macht nur kaputt statt fit. Mit 64 Kilo war ich im Jänner sogar etwas schwerer als im Vorjahr.  as ist wohl der Topfen- oder Apfelstrudel."

Wegen der immensen Testeinschränkungen in der Formel 1 sind 2009 die vorsaisonalen Testfahrten wichtiger als je zuvor. Richtig?
"Richtig! Es kommt drauf an, alles auszutesten, was einem
übers Jahr über den Weg laufen kann. Alles, was an einem Rennsonntag vorkommen kann. Es gibt keine Zeit, etwas aufzuschieben oder Halbgas zu fahren."

Deine Meinung zum Energierückgewinnungssystem KERS und den übrigen Neuerungen?
"KERS ist eine Plattform, die den Teams Möglichkeiten
bietet, sich einen Vorteil zu erarbeiten. Wie es jeder nutzt, bleibt
abzuwarten, das ist eine sehr komplexe Technologie. Wir werden in
Australien sicher noch nicht damit fahren. Aber wirklich spannend
wird es 2010, wenn es auch keine Tankstopps mehr gibt und die Motoren noch länger halten müssen. In einem vollgetankten F1 fühlt man sich anfangs wie ein LKW-Fahrer, das alles müssen die Reifen erst mal aushalten."

Du giltst als angehender Weltmeister und fährst nun in einem
Top-Team. Wie gehst du mit den vielen Medienverpflichtungen um?
"Man schaut schon, dass man das meiste abdeckt. Aber so,
dass es einem nicht schadet. Bei einer Entscheidung ob Fahren oder
Interview muss ich mich natürlich fürs Fahren entscheiden. Bisher
habe ich einen guten Mix gefunden. Fahren hat immer Vorrang."

Wäre es ein Traum, für zwei verschiedene Teams zu gewinnen?
"Wir haben großes Potenzial und sehr viele gute Leute an
Bord. Durch die neuen Regeln besteht die Möglichkeit, den Anschluss
nach vorne mit einem etwas größeren Schritt zu verkürzen. Aber man muss die Füße am Boden lassen. Die Favoriten sind Ferrari und
Mercedes. Unser Ziel ist, regelmäßig zu punkten und rausholen, was
aus dem Auto rauszuholen ist. Wenn das Auto und das Paket stark genug sind, um Weltmeister werden, dann müssen wir halt auch Weltmeister werden."

Red-Bull-Chef Mateschitz hat gesagt, er legt dir nichts in den
Weg, sollte sein Auto doch nicht gut genug sein, um bald Weltmeister zu werden.
"Dafür musst du in einem der besten Teams fahren. Derzeit ist mein voller Fokus aber auf Red Bull Racing und dem Auftakt in Australien. Ich gehe es Schritt für Schritt an. Insgesamt ist das Ziel aber natürlich, im besten Auto zu sitzen, um die WM zu kämpfen und sie letztlich auch zu gewinnen."

Du hast mit Mark Webber einen erfahren Teamkollegen. Wer ist da jetzt der Teamleader?
"Mark ist ein sehr umgänglicher Typ und ein sehr schneller
Fahrer. Ich hoffe, dass ich sehr viel lernen kann. Das Ziel ist aber,
ihn zu schlagen. Ich fühle mich nicht als Teamleader. Ich bin der,
der ich bin. Ich mache mein Zeug, ich weiß, was ich will und wo ich
hin will. Das heißt nicht, dass ich der Allwissende bin. Es geht
darum, an einem Strang zu ziehen."

Wohin soll es denn gehen?
"Nach vorne!"

Siehst du als 21-Jähriger Motorsport mit anderen, vielleicht sogar umweltkritischeren Augen?
"Wir fahren mit einem Auto, das 100 Liter auf 100 Kilometer
braucht und dann erklären wir, dass das einer der spritsparendsten
Motoren bezogen auf die Leistung ist. Das ist schwer zu begreifen.
Aber viele Sachen, die wir hier entwickeln, dienen der Forschung, die das dann irgendwann in der Serie umsetzt. Ich kann die Formel 1
alleine aus dem Grund verteidigen, weil sie vielen Menschen Arbeit
bietet. Und es ist letzten Endes großartiger Sport. Sie abschaffen zu
wollen, wäre so, wie wenn man sagt, man schafft den Fußball ab, weil es umweltschädlich ist, dass so viel Leute zum Stadion pilgern."

Verbringst du viel Zeit im Internet?
"Manchmal hinterfragt man sich schon. Man schlägt etwas im
Lexikon nach und landet bei neuen Filmen und getrockneten Tomaten. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Zeitungen sind das deutlich schönere Medium. Zeitung in dem Sinn wird man nie ersetzen können."

Was tust du, wenn du zu Hause im wunderschönen Walchwil am Zugersee einige Tage frei hast?
"Schlafen! Und das, was jeder andere auch tut. Wie
Wäschewaschen. Das muss ja gemacht werden, sonst liegt sie irgendwann in Bergen vor einem herum. Ich hab dort aber Ruhe, der Ort ist sehr klein, hat 3.500 Einwohner. Da laufen nicht viele Menschen rum."

Hast du das Gefühl, dass man dir trotz deiner Jugend nun mehr
Respekt entgegenbringt?
"Man hat als Fahrer, der schon mal gewonnen hat, sicher mehr
Gewicht und die Leute glauben einem eher was. Man muss sich diesen Respekt erst mal verschaffen. Das war sicher anders als ich mit 19 zu zu BMW kam und noch kein Rennen gefahren hatte."

Man hört also mehr auf dich. Nutzt du das?
"Natürlich gab es und gibt es Sachen, die ich anders wollte
und will. Aber du sagst niemandem: 'Das ist Scheiße.' Du versuchst,
zusammen einen Weg zu finden. Man will zusammen etwas erreichen, das geht auch nur zusammen."

Was ist der Hauptunterschied zu Toro Rosso?
"RBR ist ein anderes Team mit einer anderen Arbeitsweise.
Aber nicht besser oder schlechter. Und die Anreise nach England ist
natürlich weiter als die nach Faenza zu Toro Rosso. Aber ich habe
wieder Startnummer 15."

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