"Eine Schande"

Ecclestone über Hondas Rückzug entsetzt

Sport
06.12.2008 12:49
Der zweitgrößte japanische Autobauer Honda zieht sich vollständig aus der Formel 1 zurück. Er reagiere damit auf die schwierigen Geschäftsbedingungen, sagte Vorstandschef Takeo Fukui am Freitag in Tokio. Der Konzern habe auch keine Pläne, weiterhin andere Rennställe mit Motoren zu versorgen. "Honda muss sein Kerngeschäft und sein langfristiges Bestehen sichern", sagte Fukui weiter. Das Engagement in der Rennklasse kostet den Hersteller jährlich etwa 390 Millionen Euro. Die Meinungen der Experten zu Hondas Rückzug sind geteilt: Während F1-Boss Ecclestone von einer "großen Schande" spricht, haben Gerhard Berger und Niki Lauda Verständnis für die Entscheidung.

Über die Zukunft des Teams Honda Racing F1 und des Motorenlieferanten Honda Racing Development werde bald verhandelt, sagte Fukui. Ein Verkauf des Rennstalls sei nicht auszuschließen. Die beiden Teamchefs Ross Brawn und Nick Fry sind nach Insider-Angaben bereits auf der Suche nach einem Käufer. Sollte die Suche nach einem Monat erfolglos bleiben, werde das Honda-Team jedoch aufgelöst, sagte ein Mitglied eines konkurrierenden Rennstalls.

Eine anderer Experte sagte, den Teammitgliedern sei mit einer Frist von drei Monaten ab Jänner gekündigt worden, sollte kein Käufer gefunden werden. Die neue Saison beginnt am 29. März in Australien.

Honda entschuldigt sich bei Button
Honda-CEO Fukui entschuldigte sich in der Folge bei seinem bisherigen Piloten Jenson Button. "Es ist wirklich schade und es tut mir wirklich sehr leid für Jenson Button", meinte Fukui. "Wir hatten aber keine Wahl bei den derzeitigen finanziellen Bedingungen." Auch die Zukunft des 25-jährigen Neffen des verstorbenen Ayrton Senna, Bruno Senna, ist damit wieder völlig offen. Senna war als Favorit für den zweiten Platz neben Button gehandelt worden, allerdings hatte sich auch der Rennstall Scuderia Toro Rosso von Dietrich Mateschitz für den Brasilianer interessiert.

Die Branche fürchtet nach dem Rückzug von Honda, dass angesichts der desolaten Lage der Autobauer weitere Teams folgen könnten. Honda gehört neben Toyota zu den großen Geldgebern des Rennsports. Wie so gut alle Autobauer kämpft im Moment auch Honda mit massiven Absatzschwierigkeiten.

Lauda, Berger und Red Bull zeigen Verständnis
Ähnliche Meinungen vertreten auch Österreichs Formel-1-Legenden Niki Lauda und Gerhard Berger: Lauda äußerte Verständnis über die Honda-Entscheidung. "Ich hoffe nur, dass das nicht ansteckend ist." Berger wurde konkreter und warnte: "Das ist erst der Anfang." Der Tiroler empfiehlt dem F1-Zirkus "aufzuwachen". "Es sollen nicht alle mehr Geld ausgeben, als man einnehmen kann. Die Formel 1 muss einfach wieder zurückkommen auf ein normales Kostenmaß, das dann einfach wieder zu rechtfertigen ist."

Auch Red Bull, mit den Teams Red-Bull-Racing und Toro Rosso in der Formel 1 engagiert, zeigt Verständnis: "Der Ausstieg von Honda kam nicht überraschend, vielmehr gibt es sicherlich auch in vielen anderen Teams vergleichbare Überlegungen und Diskussionen. Die zentrale Frage wird sein, ob die von allen geforderte Kosteneinsparung rasch genug kommt, um den Verbleib einer ausreichenden Anzahl von Teams sicherzustellen", heißt es in der Aussendung.

Ecclestone ortet "große, große Schande"
Formel-1-Boss Bernie Ecclestone versucht hingegen alles, um die Situation zu kalmieren. Er sieht die Motorsport-Königsklasse trotz des Ausstiegs von Honda nicht in Gefahr. "Die Formel 1 ist in keiner größeren Krise als jede andere Firma der Welt", sagte der Brite am Freitag in einem BBC-Interview. Die weltweite Wirtschaftskrise werde die Formel 1 nicht stoppen. Zum Ende von Honda meinte Ecclestone dies sei "eine große, große Schande." Unterdessen erklärte Nick Fry, Geschäftsführer des bisher vom japanischen Autobauer finanzierten Formel-1-Teams, es gebe mehrere Übernahme-Interessenten für den Rennstall.

Max Mosley tritt auf den Plan
FIA-Präsident Max Mosley veröffentlichte nur Stunden nach der Honda-Entscheidung ein Schreiben, wonach Cosworth den Teams ab 2010 einen Formel-1-Motor zu geringen Kosten anbieten werde. Mosley erläuterte darin, dass der Verband in exklusiven Verhandlungen mit Cosworth, Xtrac und Ricardo Transmissions (XR) sei. Man wolle sowohl Motor als auch Getriebe als Komplettpaket anbieten. "Die Kosten pro Team wären eine Vorauszahlung von 1,68 Millionen Pfund (1,95 Millionen Euro)", so Mosley. Danach würden die Teams je 5,49 Millionen Pfund (6,36 Millionen Euro) pro Saison für den Vertragszeitraum 2010 bis 2012 bezahlen, was nur ein Bruchteil der gegenwärtigen Ausgaben wäre.

"Dieser Preis", so Mosley, "basiert auf der Unterschrift von vier Teams, inkludiert vollen technischen Support bei allen Rennen sowie offiziellen Tests und 30.000 zusätzliche Test-Kilometer." Je mehr Rennställe unterschreiben würden, umso geringer sind freilich die Kosten. Allerdings werde es auch für die großen Hersteller zwei Optionen zur Weiterverwendung ihrer eigenen Maschinen geben. Entweder Eigenbau mit denselben Spezifikationen wie Cosworth oder Weiterverwendung der existierenden Motoren, allerdings mit Einschränkungen in Sachen Entwicklung und einer Art Gleichheitsprinzip für alle Motoren.

Schon 2011 soll dann ein neuer, weiterentwickelter "low-cost"-Motor vorgestellt werden. Die Einführung des sogenannten "Einheitsmotors" ist allerdings sehr umstritten, mit den zusätzlichen Optionen könnten wohl auch Teams wie Ferrari und Toyota zum Einlenken gebracht werden.

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