27.11.2008 10:54 |

Sackhüpfen 2.0

Little Big Planet

Videospiele gibt es wie Sand am Meer. Nur den wenigsten von ihnen gelingt es jedoch, ein ganzes Genre oder gar die Art zu spielen zu revolutionieren. Ein Spiel, welches das Zeug dazu hat, und Nutzern von Sonys Playstation 3 endlich den gewünschten Superduper-Exklusivtitel serviert, ist "Little Big Planet".

Dabei ist der Titel im Kern seines Wesens ein recht klassiches Jump'n'Run, in dem der Spieler als Jute-Sackgesicht ein freudiges Sackhüpfen rund um den Erdball veranstaltet – von Europa über Afrika nach Süd- und Nordamerika bis nach Japan, Russland und Indien. Klar, dass dabei nicht mit gängigen Klischees gegeizt wird: Erdmännchen und Giraffen in Afrika, Sombreros und Kakteen in Mexiko, Low-Rider in den USA oder Ninjas, Geishas und Suhsi in Japan unterstreichen das jeweilige Szenario.

Die Aufgabenstellung ist unabhängig vom Aufenthaltsort jedoch stets dieselbe: sicheren Fußes ins Ziel zu gelangen. Zu diesem Zweck können die knuddeligen Protagonisten, die Sackboys, per X-Button springen oder sich mit Hilfe von R1 an allerlei Gegenständen festklammern, um Abgründe zu überwinden, Blöcke zu verschieben oder Schalter umzulegen. Fordernde Plattformkost und Sprungeinlagen liegen dabei ebenso wie knifflige Rätseleinlagen an der Tagesordnung. Zwischendurch darf sich der Spieler etwa als Jetpack- oder Zeppelin-Pilot versuchen und in kleineren Rennen über kurze Distanzen immer wieder gegen die Uhr antreten.

Kopfzerbrechen bereitet dabei anfangs der Umstand, dass "Little Big Planet" zwar zweidimensional wirkt, in der räumlichen Tiefe jedoch mehrere Ebene aufweist, zwischen denen der Spieler oftmals schnell per linkem Analogstick wechseln muss. Beim Sprung von Stein zu Stein gilt es somit nicht nur den richtigen Absprungmoment, sondern auch die passende Ebene – direkt voraus, Vorder- oder Hintergrund – zu finden. Gelingt dies nicht und macht das Sackmännchen unliebsame Bekanntschaft mit feuriger Lava, spitzen Stacheln oder unter Strom stehenden Gegenständen, so ist trotz fair gesetzter Speicherpunkte nach fünf Fehlversuchen Schluss und der Level muss neu begonnen werden.

Dass man trotzdem immer wieder gerne in einen Level zurückkehrt, liegt einerseits daran, dass bestimmte (Bonus-)Abschnitte nur zu zweit oder gar zu viert zu meistern sind. Weitere Spieler können sich zu diesem Zweck jederzeit einklinken. Andererseits an der Fülle von Sammelobjekten wie Stickern, Deko-Artikeln oder neuen Kostümen, mit denen der Spieler seiner kreativen Ader freien Lauf lassen kann. Und genau darin liegt das Besondere des Spiels: Per Knopfdruck kann jeder Sackboy über ein Menü nicht nur sein eigenes Outfit ändern, sondern mit Hilfe der zuvor eingesammelten Objekte auch ganze Levels umgestalten. Das Dekorieren und Umfärben ist dabei sogar Teil des Spiels: So beginnt ein Esel beispielsweise erst dann zu trotten, wenn wir ihm einen Schweif angepinnt haben. Ein anderes Mal müssen beispielsweise Sticker auf zuvor farblose Schablonen geklebt werden, um Mechanismen in Gang zu setzen.

Während im Spiel nur oberflächliche Schönheitskorrekturen möglich sind, können im integrierten Editor Level von Grund auf neu gestaltet werden – und das selbst von ausgesprochenen Laien. Ein umfangreiches und ausführliches Tutorial erklärt, wie sich etwa leblose Materialien mit Hilfe eines virtuellen Gehirns in Künstliche Intelligenzen verwandeln oder wie sich Schalter dazu verwenden lassen, Maschinen oder tödliche Fallen zu konstruieren. Oberfläche und Struktur der entworfenen Dinge lassen sich ebenso einfach anpassen wie die musikalische Untermalung oder etwaige Dialoge. Was mit dem Editor alles möglich ist, begreift man jedoch erst, wenn man sich über das Playstation-Network die vielen von Usern gestalteten Level kostenlos zu Gemüte führt und natürlich auch spielt.

Damit der soziale Aspekt dabei nicht zu kurz kommt, können auch diese Levels mit anderen Spielern, on- wie offline, unter die Lupe genommen werden, wobei über Textchat miteinander kommuniziert werden kann. Nach dem Spielen muss jeder Level mit Schlagworten versehen und bewertet werden, wodurch automatisch ein Ranking der besten Level entsteht und den eigenen Vorlieben entsprechende Level mittels Suche künftig leichter aufgespürt werden können. Die vielen zusätzlichen Stunden an Spielspaß, die sich dem einzelnen Spieler durch die User-Level offenbaren, lassen dann auch leicht darüber hinwegsehen, dass die rund 50 Level des Spiels leider viel zu schnell vorbei sind.

Voll und ganz überzeugen kann "Little Big Planet" neben dem spielerischen Aspekt auch in Sachen Präsentation. Die verschiedenen Naturmaterialien wie Holz, Stein und Stoffe lassen den Titel im Zusammenspiel mit der überaus gelungenen Physikeigenschaften der Objekte fast real erscheinen, während die herzigen Sackboys mit ihrer Mimik den Niedlichkeitsfaktor in die Höhe schnellen lassen. Besonderes Lob haben aber auch die dem jeweiligen Land angepasste Songauswahl und der Sprecher verdient. Letzterer überzeugt besonders durch seine humorige und leicht sarkastische Art.

Fazit: "Da steckt viel Liebe drin" oder "Entdecke die Möglichkeiten" wären nur zwei von vielen Slogans, mit denen sich die unglaublich vielfältige und abwechslungsreiche Welt von "Little Big Planet" bewerben ließe. Am besten aber ist, gar nicht erst lange darüber zu philosophieren, sondern es einfach gleich selbst zu spielen. Denn: "Little Big Planet" ist nicht nur ungemein niedlich, sondern auch fordernd, was den Titel für Jung und Alt, Casual- wie Hardcore-Gamer gleichermaßen geeignet macht. Kurzum: Ein Titel, der heuer unter keinem Weihnachtsbaum fehlen sollte und nur aufgrund der kurzen (Offline-)Spielzeit und anfänglichen Problemchen mit der Steuerung knapp an der vollen Punktzahl vorbeischrammt.

Plattform: PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 9/10


von Sebastian Räuchle

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