14.11.2008 11:22 |

Auf zur Eroberung!

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3

Der wohl größte Alptraum der einst so ruhmreichen roten Armee scheint schmerz- und verlustreich bittere Realität zu werden: Die Alliierten, also der böse Westen, stehen vor dem endgültigen militärischen Triumph. Was für ein Glück, dass in "Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3" ein brillanter russischer Wissenschaftler eine Zeitmaschine entwickelt hat.

Flugs geht es somit ab in die Vergangenheit. Wie jeder seit Marty McFly weiß, darf dort unter keinen Umständen etwas verändert werden, denn das würde das Raum-Zeit-Kontinuum empfindlich stören und unabsehbare Konsequenzen zur Folge haben. Die in die Ecke getriebene russische Admiralität schert sich darum allerdings recht wenig und will die Chance nützen, dass ihrer Meinung nach größte Übel namens Albert Einstein zu beseitigen. Ihrer perfiden Logik nach gibt es ohne ihn auch keine Atombombe und der Weg für ein glorreiches russisches Imperium wäre frei. Gesagt, getan und schon geht es wieder zurück in die Zukunft.

Der Plan scheint aufgegangen zu sein. Russland ist mächtig wie nie zuvor und der Westen steht vor der entscheidenden Niederlage. Zeit also für die Vorbereitung der großen Siegesfeier? Mitnichten! Unbeachtet von der restlichen Welt haben die Söhne Nippons ihre Rüstungsmaschinerie zum Glühen gebracht. Als das "Empire of the Rising Sun" schicken sie sich nun an, die beiden Streithähne als lachender Dritter zu besiegen.

Ein perfektes Szenario für actionreiche "Alarmstufe Rot"-Echtzeitstrategie scheint also gegeben. Bevor es aber auf den elektronischen Schlachtfeldern zur Sache geht, staunt man über die aufgebotene Schauspielerriege: Neben Tim Curry und Jenny McCarthy wirken einige andere aus Filmen und US-Serien bekannte Schauspieler in den Filmsequenzen mit.

Alle "Command & Conquer"- oder "Alarmstufe Rot"-Frischlinge können sich in einem ausführlichen Tutorial mit der Steuerung vertraut machen und in Erfahrung bringen, wie man eine Basis errichtet, um anschließend mit Hilfe von Bauhof, Erzraffinerie, Waffenfabrik und anderen Gebäuden ordentlich Aufrüstung zu betreiben. Überarbeitet wurde in diesem Zusammenhang das Updgrade-System: Mussten Verbesserungen für Einheiten bislang mühsam und kostspielig erforscht werden, gibt es nun für besonders clevere Aktionen auf dem Schlachtfeld Punkte, die in einer Art Fähigkeitenbaum entsprechend verteilt werden können.

Kenner der Serie hingegen können sich getrost gleich ins Getümmel und auf Seiten der Alliierten, Russen oder Japaner in die Kampagne stürzen. Die Missionen wurden allesamt sehr abwechslungsreich gestaltet: Neben Verteidigungsschlachten und Eroberungsmissionen müssen mit Hilfe von Ikonen wie Tanya oder Natasha auch Spezialaufträge ohne Basisbau erfüllt werden, in denen etwa bestimmte Gebäude beschützt werden müssen. Bahnbrechende Neuerungen sind in Sachen Gameplay jedoch nicht zu erwarten.

Fast schon unglaublich hingegen ist, welch abgedrehten Einheiten die Designer ersonnen haben. Während die Japaner auf wandlungsfähige, an "Transformers" erinnernde Fahrzeuge zurückgreifen, stehen in der kämpfenden Truppe der Alliierten beispielsweise Solardelphine bereit, denen die Russen Kampfbären und springende Spinnenpanzer entgegenstellen. Auch Superwaffen, wie verheerende Luftschläge, sind mit von der Partie.

Das Einheiten-Balancing ist jedoch sehr gut gelungen, so dass keine Seite einen übergroßen Vorteil hat. Strategischer Tiefgang ist für das Absolvieren der Missionen allerdings nicht vonnöten. An diese Zielgruppe richtet sich "Alarmstufe Rot" allerdings auch primär nicht.

Der durchschnittliche Spieler wird aber durchaus gefordert und kann neuerdings sogar online Hilfe holen und Missionen gemeinsam mit einem zweiten Spieler bestreiten. Findet sich dafür niemand, so übernimmt die Computer-KI diesen Part und das erfreulicherweise gar nicht mal so schlecht. Im Multiplayer-Modus warten 28 Karten darauf, als Grundlage für packende Schlachten zu dienen.

In Sachen Präsentation sticht neben den gewohnt trashigen Zwischensequenzen die poppig-bunte, im Comicstil gehaltene Grafik ins Auge. Gewöhnungsbedürftig und sicherlich nicht jedermanns Geschmack, ist sie trotz allem hübsch anzusehen. Die guten Animationen und sehenswerten Explosionen entschädigen dann wohl auch diejenigen, die ob des grafischen Stils verächtlich die Nase rümpfen.

Weniger gut gefallen hat, dass nicht sehr weit hinausgezoomt werden kann. Besonders in hektischen Phasen würde die damit verbundene bessere Übersichtlichkeit sehr hilfreich sein. Das wirkliche Ärgernis ist ein anderes, altbekanntes, bereits totgeglaubtes Echtzeit-Strategiespiel-Phänomen: Unfassbar eigentlich, dass es im Jahr 2008 noch immer nicht möglich zu sein scheint, eine saubere Wegfindungsroutine zu entwickeln.

Fazit: "Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3" ist vor allem eines: großes Kino! Die tolle Präsentation, die abwechslungsreichen Missionen und die vielfältigen Einheiten bieten eigentlich alle Zutaten für einen klassischen Blockbuster. Wirklich schade, dass so ein unnötiger grober Schnitzer - die schlechte Wegfindung der Einheiten - diesem Hochglanzprodukt eine unübersehbare Delle zufügt.

Plattform: PC (getestet), PS3, Xbox 360
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 8/10

von Harald Kaplan

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