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29.06.2017 - 09:44
Foto: AFP

UNO- Bericht: 28.800 neue Flüchtlinge jeden Tag

20.06.2017, 07:02

Seit die Balkanroute geschlossen  ist und die Türkei für Europa Flüchtlinge aufhält, gelingt es immer weniger Vertriebenen, sich in die EU durchzuschlagen. Man könnte fast meinen, die Krise sei vorbei. Doch der aktuelle Bericht des UN- Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) zeichnet ein anderes, düsteres Bild: Weltweit werden jede Minute 20 Menschen in die Flucht getrieben, das sind 28.800 pro Tag - die Hälfte davon sind Kinder.

Die Bilder von Menschenschlangen an der Grenze und überfüllten Asylunterkünften sind aus der Berichterstattung verschwunden, doch das Problem ist keineswegs behoben. 65,5 Millionen Menschen waren 2016 weltweit auf der Flucht, diese Zahl war noch nie so hoch. Mehr als die Hälfte davon, 51 Prozent, sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

75.000 Kinder sind ohne Eltern unterwegs

Gerade Familien nehmen größte Gefahren in Kauf, um ihre Kleinen vor Krieg, Gewalt und Verfolgung zu retten. Zudem sind rund 75.000 Kinder sogar ohne Eltern unterwegs, weil sie auf der Flucht getrennt wurden oder weil die Eltern, wenn sie Menschenschmuggler bezahlten, nur Geld für die Kinder hatten.

Foto: APA/ROBERT JAEGER

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien und Afghanistan

Die meisten Flüchtlinge stammen aus Syrien - 5,5 Millionen Menschen haben dort ihr Zuhause verlassen. Die zweitgrößte Gruppe kommt aus Afghanistan (2,5 Millionen). Am rasantesten verschärfte sich die Krise aber in Südsudan: 2016 waren zwölf Prozent der zwölf Millionen Einwohner des jungen Landes wegen des dort herrschenden Bürgerkrieges auf der Flucht, inzwischen sind es schon 17 Prozent. Die selbst bitterarmen Nachbarländer können den Ansturm kaum bewältigen.

Entwicklungsländer leiden am meisten unter Flüchtlingsansturm

Die Türkei beherbergte 2016 mit 2,9 Millionen weltweit die meisten Flüchtlinge. Der Libanon hat gemessen an der eigenen Bevölkerung den meisten Menschen Zuflucht geboten. In dem Land am Mittelmeer, kaum größer als Kärnten, war jeder sechste Bewohner Flüchtling. Pakistan beherbergte 1,4 Millionen Geflüchtete, Iran und Uganda je fast eine Million, Äthiopien fast 800.000, Jordanien fast 700.000. 84 Prozent der Vertriebenen sind in Entwicklungsländern. "Dies ist keine Krise der reichen Welt, sondern eine Krise der Entwicklungsländer", betonte am Montag UNHCR- Chef Filippo Grandi.

Foto: ASSOCIATED PRESS

EU reagierte auf Flüchtlingschaos im Jahr 2015

Europa hat nach dem Flüchtlingschaos 2015 reagiert. Grenzschließungen und Zäune auf der Balkanroute haben die Zahl der Asylsuchenden ebenso nach unten gedrückt wie der Flüchtlingspakt mit der Türkei. Außerdem wurde die EU- Grenzschutzagentur Frontex ausgebaut, damit sie Länder an den Außengrenzen der Europäischen Union künftig besser vor ungewollter Migration schützen helfen kann. Pläne von Außenminister Sebastian Kurz, die Flüchtlingsroute über das Mittelmeer zu schließen , stießen zuletzt in der EU nicht auf großes Wohlwollen.

Foto: AP

Zuletzt wurden auch Migartionspartnerschaften geschlossen, um die Flüchtlingswelle zu stoppen. Als Musterschüler gilt Niger - das Transitland in Westafrika habe laut UNHCR den Grenzschutz und den Kampf gegen Schleuser verstärkt. Dafür bekommt es Unterstützung für die Landwirtschaft, bei beruflicher Ausbildung und Jugendbeschäftigung. Weniger Fortschritte gebe es hingegen in den afrikanischen Ländern Nigeria, Mali, Senegal und Äthiopien.

Redaktion
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