ÖVP-Wahlkampfauftakt

Spindelegger lässt sich schon als Kanzler feiern

Österreich
10.09.2013 21:04
Weniger als drei Wochen vor der Nationalratswahl ist am Dienstagabend als letzte Partei auch die ÖVP mit einer großen Auftaktveranstaltung in der Messe Wien offiziell in den Wahlkampf gestartet. Spitzenkandidat und Vizekanzler Michael Spindelegger versprach in seiner Rede, als Bundeskanzler würde er unter anderem für Arbeitsplätze und Wohnraum sorgen. Vom Sieg seiner Partei zeigte er sich überzeugt, nicht zuletzt aus folgendem Grund: "Am 29. September habe ich Namenstag. Da steht am Kalender Michael und nicht Werner."

Spindelegger versprach, als Bundeskanzler "für viele neue Arbeitsplätze zu sorgen, 30.000 neue Wohnungen zu bauen" und einen Absetzbetrag von 7.000 Euro für jedes Kind: "Das ist meine Ansage, wenn ich Bundeskanzler bin." Er wolle dieses Amt übernehmen, "weil es notwendig ist für Österreich". Für die ersten hundert Tage als Bundeskanzler will er die freiwillige Mitarbeiterbeteiligung an Unternehmen umgesetzt wissen und die Weichen für Wirtschaftswachstum stellen. Österreich soll neue 420.000 Arbeitsplätze bekommen. Den Bauern versprach er in der Rede Solidarität und den Pensionisten eine "gute Zukunft".

Spindelegger schießt sich auf Faymann ein
Im Wahlkampf müsse er "da und dort viel Unfug" hören. Die SPÖ wolle etwa mit neuen Steuern Arbeitsplätze schaffen: "Faymann-Economics nennt man das. Aus meiner Sicht ist das nicht das Richtige." Der ÖVP-Obmann arbeitete weitere Unterschiede zum Mitbewerber heraus. Bei der SPÖ-Idee, wonach Kinder den ganzen Tag in die Schule gehen sollen, "sträuben" sich ihm die Nackenhaare, so Spindelegger etwa: "Ich will kein Ostblockland mit Reisefreiheit haben." Zum Thema Staatsschulden meinte er, dass nur die ÖVP für eine "generationenübergreifende Politik" stehe und es ernst meine mit der Schuldenbremse in der Verfassung.

Opposition kommt ebenfalls nicht gut weg
Zu FP-Chef Heinz-Christian Straches Wahlkampfmotto der Nächstenliebe erklärte Spindelegger: "Ich will von dem gar nicht geliebt werden. Ich bin froh, dass ich mit meiner Frau verheiratet bin." Er unterschied zwischen "West-Grünen", mit denen die ÖVP in Landesregierungen sitzt, und "Ost-Grünen" und warnte: "Die Ost-Grünen sind die Vorherrschenden bei den Grünen." Die Warnung vor Rot-Grün machte er am Beispiel des Fernsehduells zwischen SPÖ-Vorsitzenden Werner Faymann und Grünen-Chefin Eva Glawischnig fest: "War das wirklich ein Duell? Ich dachte, das ist 'Liebesg'schichten und Heiratssachen'. Das war nicht 'Bauer sucht Frau', das war 'Werner sucht Eva'. Es war unglaublich, wo man sich da überall einig war - natürlich bei allen Fragen der höheren Besteuerung."

VP-Großaufgebot aus ganz Österreich - Grußworte von Merkel
Vor Beginn der Veranstaltung wurden die Besucher von der Blasmusikkapelle Vitis begrüßt - dirigiert vom niederösterreichischen Landeshauptmann und Landesparteichef Erwin Pröll. Als Einpeitscher stand der Salzburger Parteiobmann Wilfried Haslauer auf der Bühne, denn er hatte im Frühjahr den Landeshauptmannsessel von der SPÖ zurückerobert. "Wir haben einen Bundeskanzler, der mir vorkommt wie der ängstliche Administrator des Stillstandes", so Haslauer in Richtung SP-Chef. Passend zur den VP-Plakaten meinte Haslauer dann: "Ich will einen Bundeskanzler, auf den ich stolz sein kann. Einen, der für die Weltoffenen, für die Optimisten, für die Tatkräftigen, für die Entdecker steht, für Menschlichkeit und auch für Nachdenklichkeit. Ich will Michael Spindelegger als Bundeskanzler." Entsprechende Spindelegger-Plakate mit dem Slogan "Kanzler für Österreich" waren im Saal zu sehen.

Anwesend waren auch weitere Landesparteiobmänner, Regierungsmitglieder, EU-Kommissar Johannes Hahn, Abgeordnete und Nationalratskandidaten wie Brigitte Jank. Rund 2.500 Teilnehmer wurden laut Parteiangaben gezählt. Mit Standing Ovations begrüßt wurde der Ehrenobmann Alois Mock. Nicht dabei beim Auftakt war Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, der zuletzt mit seinem "Abgesandelt"-Sager für Aufregung gesorgt hatte. Er weile im Ausland, hieß es. Eine Grußbotschaft schickte dafür die deutsche Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel, sie stellt sich ja eine Woche vor Spindelegger der Wahl.

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