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18.08.2017 - 09:03
Foto: APA/Helga Loidold

Kein Geld für Gedenkstätte in St. Georgen/Gusen

02.07.2009, 08:37
Es ist eine „Kathedrale des Todes“ – und sie droht für immer zu verschwinden. In St. Georgen an der Gusen ließen die Nazis von KZ-Häftlingen eine 7,5 Kilometer lange unterirdische Rüstungsfabrik errichten. 10.000 Menschen starben dort. Nun werden die brüchigen Stollen verfüllt, doch eine Gedenkstätte scheitert am Geld.

Codename „Bergkristall“: Die Nazis ließen ab 1944 in nur dreizehn Monaten von Tausenden KZ- Häftlingen die riesigen Stollenanlagen in St. Georgen an der Gusen errichten. Auf etwa 45.000 Quadratmetern Fläche produzierten bis zu 10.000 Häftlinge bis zum Kriegsende unter strengster Geheimhaltung am Fließband die Rümpfe für das Düsenjagdflugzeug Messerschmitt ME 262. „Diese Gebäude wurden unter unvorstellbar grausamen Bedingungen errichtet“, weiß der 42- jährige Rudolf Haunschmied vom Gedenkdienstkomitee. Die Überlebensrate betrug drei Prozent, 10.000 Häftlinge starben qualvoll. Im Jahr 2001 übernahm die Bundesimmobiliengesellschaft BIG die Stollen, die von den Amerikanern ausgeräumt und von den Sowjets gesprengt worden waren.

Mit Beton aufgefüllt

Die BIG sah Gefahr im Verzug, weil die Anlage zerbröselt, und lässt fünf Kilometer davon mit Beton auffüllen. Denn über den Stollen befinden sich eine Siedlung, Straßen und Felder. Der Gedenkverein schlug Alarm, weil dadurch die ohnedies vergessene und verheimlichte Geschichte dieses Großverbrechens buchstäblich verschüttet werde. Doch die BIG argumentiert, dass ohne die Verfüllung der desolaten Tunnel ein Drama wie in Lassing jederzeit eintreten könnte. Für die Sicherungsmaßnahmen werden insgesamt zwölf Millionen Euro investiert. Einig sind sich BIG, Gemeinde und Gedenkverein in einer berechtigten Forderung: Die Bundesregierung soll endlich für eine angemessene Gedenkstätte sorgen. Bisher wurde dieser Wunsch „nicht einmal ignoriert“, obwohl die BIG sogar ein Projekt vorbereitet hatte.

Interview mit Rudolf Haunschmied vom Gedenkdienstkomitee

Rudolf Haunschmied hat ein Buch über das Projekt „Bergkristall“ verfasst. Seine Neugier wurde in der Kindheit geweckt.

Was fasziniert Sie so an dieser Nazi- Fabrik"
Haunschmid: „Ich hab’ als Kind in den Stollen gespielt, wie viele andere auch. Aber wenn man Fragen stellte, kriegte man keine Antworten – auch, weil damals alles unter strengster Geheimhaltung passiert ist.“

Was haben Sie als Forscher herausgefunden?
Haunschmid: „Das war die modernste unterirdische Fabrik des dritten Reiches. Wenn die Produktion des Düsenjägers weitergelaufen wäre, wäre der Weltkrieg anders ausgegangen. Das belegen amerikanische Geheimdienstquellen.“

Aber die Stollen sollten erhalten bleiben.
Haunschmid: „Hier starben so viele Menschen. Sie haben ein Andenken verdient.“

von Christoph Gantner „OÖ- Krone“

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