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29.05.2017 - 20:43
Der Tunesier Anis Amri richtete im Dezember in Berlin ein Blutbad an.
Foto: AFP/HO

Anis Amri: "Bin im Auto - bete für mich, Bruder"

29.12.2016, 15:17

"Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich, mein Bruder, bete für mich." Das war die letzte Nachricht, die Anis Amri an einen Glaubensbruder richtete. Kurze Zeit später raste der Terrorist mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt in Berlin.

Nur zehn Minuten vor seiner Bluttat am 19. Dezember am Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche schickte Amri eine letzte Sprachnachricht an einen Glaubensbruder, mit dem er zuvor gechattet hatte. Anschließend posierte er zum Abschied für ein Selfie in der Führerkabine des Sattelschleppers. Laut Polizei saßen die Empfänger zu diesem Zeitpunkt in Berlin und im Ruhrgebiet. Das zeigt die Auswertung von Amris Handydaten.

Foto: AFP/CLEMENS BILAN, AFP/BKA

Pannenserie der deutschen Behörden

Die Ermittlungen sind damit aber noch lange nicht abgeschlossen. Kritiker sprechen von einer regelrechten Pannenserie der Behörden. Wie der "Spiegel" am Donnerstag berichtete, hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg bereits im April ein Ermittlungsverfahren wegen Sozialbetrugs gegen den 24- Jährigen eröffnet - und das, obwohl Amri zu diesem Zeitpunkt bereits als "Gefährder" mit Terrorplänen bekannt war.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Donnerstagabend, die Ermittler würden das nach dem Anschlag aufgetauchte IS- Bekennervideo von Amri für echt halten: "Das Bekennervideo ist unseren Ermittlungen zufolge authentisch", es zeigt laut Einschätzung der Ermittler Amri.

Video: Hier schwört Amri den IS- Mördern die Treue

Video: YouTube.com

Die Ermittlungen zu Amris Fluchtweg nach dem Attentat hätten zudem ergeben, "dass er über die Niederlande nach Frankreich und Italien gereist ist". Das belegten ein Zugticket und eine SIM- Karte. Sowohl auf den polnischen Lastwagenfahrer in Berlin als auch auf die Polizisten in Mailand sei aus einer Waffe mit Kaliber 22 geschossen worden. Ob es dieselbe Waffe war, werde nun ballistisch untersucht.

Amri hatte bei dem Anschlag zwölf Menschen getötet, unter ihnen den polnischen Fahrer des gekaperten Sattelschleppers. Etwa 50 weitere Menschen wurden bei dem Attentat verletzt, viele von ihnen schwer. Amri war den Sicherheitsbehörden bekannt und auch überwacht worden, jedoch nicht mehr zum Tatzeitpunkt.

Festgenommener Tunesier wieder frei

Der am Mittwoch als möglicher Komplize Amris festgenommene Tunesier ist unterdessen wieder auf freiem Fuß. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe teilte am Donnerstag mit, sie habe keinen Haftbefehl gegen den 40- Jährigen beantragt. "Die weiteren Ermittlungen haben ergeben, dass es sich bei dem vorläufig Festgenommenen nicht um die mögliche Kontaktperson von Amri handelt", sagte eine Sprecherin. "Er war daher aus der Haft wieder zu entlassen."

Beamte des deutschen Bundeskriminalamts hatten die Wohn- und Geschäftsräume des Verdächtigen in Berlin durchsucht. Auf seine Spur waren sie gekommen, weil Amri in seinem Handy die Rufnummer des Landsmannes gespeichert hatte.

Kronen Zeitung

Redaktion
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