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06.12.2016 - 07:22

Kanadier Crystal Castles beehrten die Wiener Arena

26.02.2013, 01:09
Dichte Soundcollagen und eine beachtenswerte Bühnenakrobatik konnten die Besucher am Montagabend in der ausverkauften Wiener Arena beim kanadischen Electro-Pop-Kollektiv Crystal Castles beobachten. Coolness und beeindruckende Lichteffekte leiteten durch den Abend.

Es ist noch keine drei Jahre her, da hat das exzentrische Duo Crystal Castles seine träumerischen Electro- Pop- Hymnen noch im ehrwürdigen Areal des Flex versprüht, mittlerweile verkauft es schon die große Halle der Wiener Arena aus. Der Weg vom gehypten Internet- Insider- Tipp zu einer global anerkannten Band war für die beiden Kanadier Ethan Kath (Instrumente) und Alice Glass (Vocals) ein kurzer.

Lieblinge der Kritiker

Die oftmals traumwandlerischen, mit vielen Experimenten durchzogenen Songs des Toronto- Tandems werden vor allem von den Kritikern geliebt, haben sich mittlerweile auf drei Alben verstreut und gehören längst zum standardisierten Alltagsgespräch für Hipster und Tanzwütige der Generation Smartphone.

Auf ausufernde Licht- und Lasereffekte verzichten Crystal Castles bei ihrem Auftritt in der Wiener Arena, aber die ständig blinkenden Lichtspots und LED- Balken geben die Richtung für die folgenden 70 Minuten vor: Hier regieren in erster Linie optische Effekte, erst dann flotte Beats, die Mastermind Kath aus seinem Vintage- Synthesizer und dem Keyboard in die Menge quetscht. Das wahrlich Beeindruckende ist aber nicht der bärtige Mann mit dem klischeehaften Holzfällerhemd und der Kapuze am Kopf, sondern seine im Mittelpunkt stehende Partnerin Alice Glass, die sich schon beim zweiten Song, dem superben "Baptism", mit Feuereifer ins Publikum wirft.

Ausufernde Bühnenshow

Diese offensichtliche Exaltiertheit legt die junge Dame mit dem violetten Pagenkopf auch für den restlichen Auftritt nicht mehr ab. Mehrere Stagediving- Versuche vermischen sich mit dem ständigen Schwingen des Mikrofonständers und einer ungemeinen Bewegungsfreude. Ob man das beeindruckend oder schlichtweg naiv finden soll, darf sich jeder selbst aussuchen. Jedenfalls hat sich die Gute bei derlei Aktionen schon mehrmals verletzt, einmal sogar den Knöchel gebrochen.

Obwohl die Stimmung in der ausverkauften Arena mehr als passabel ist, scheint Glass beim Vortragen ihrer eigenen Songs mehr Spaß als das Publikum zu haben. Das kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass Stimme und Geschrei der Dame stark zu wünschen übrig lassen. Würde Kath seine verträumten Kompositionen ohne Gesang präsentieren, wäre das Dargebotene vielleicht nur club- und nicht konzerttauglich, aber in sich besser abgeschlossen.

Klischeebewahren ist wichtig

Es ist diese Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und einem perfekt in den Trend passenden Sound, der die Magie der Crystal Castles ausmacht. Zwischen wütend- flotten Songs wie "Wrath Of God","Crimewave" oder dem hypnotisierenden "Celestica" gibt es nicht den Hauch einer Publikumsinteraktion, die Stimmung wird von der Band auch durch die kühle Lichtwahl bewusst düster gehalten. Klischees gehören eben gut gepflegt. Dazu zählt auch die mystische Aura der Nordamerikaner.

Musikalisch kann der ursprünglich aus der Grunge- und Heavy- Metal- Szene stammende Ethan Kath seine mannigfaltigen Einflüsse nicht leugnen. Eine kräftige Portion 80er- Jahre- Synthie- Pop hier, eine Prise Indie- Disco dort und abgeschmeckt mit kruden, teilweise wild in den Kontext gemischten Atari- Soundcollagen. Dort schließt sich auch der Kreis zum größten Hit der Band, dem Platinum- Blonde- Cover "Not In Love", das sogar im erfolgreichen Fußballspiel "Fifa 12" seine Aufnahme fand.

Den feiernden Fans gefällt das wirre Abtauchen in die Tiefen elektronischer Clubsounds, doch eine richtigen Massenkompatibilität werden Crystal Castles auch mit den etwas eingängigeren Songs ihres neuen Albums "III" nicht erreichen. Die Kanadier schielen aber ohnehin nicht auf den großen Kommerz und herkömmliche Charts – viel lieber wäre das exzentrische Duett im Underground verwurzelt. Die Wahrheit liegt - wie so oft - in der Mitte.

26.02.2013, 01:09
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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