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24.09.2017 - 21:52
Foto: thinkstockphotos.de

Familienfeste ohne Streit verbringen

15.04.2017, 08:00

Das Osterwochenende ist da - das erste große Familienfest nach Weihnachten. Während die einen der Zusammenkunft mit Freude entgegensehen, fühlen sich andere dazu verpflichtet, der Feier im Kreise der Familie beizuwohnen - und sind gefrustet, da sie eigene Bedürfnisse zurückstecken müssen. Wer schon von vornherein keine Lust auf ein Zusammentreffen hat, sich aber dennoch ein Herz nimmt, bringt schlechte Laune mit - Konflikte vorprogrammiert! Wir verraten Ihnen Alternativen zu offenen Konflikten und Kränkung einerseits sowie Verdrängung der eigenen Bedürfnisse andererseits - ob Sie Ihren Verwandten nun einen Besuch abstatten oder nicht.

Wie zu Weihnachten soll es auch zu Ostern möglichst harmonisch zugehen. Immerhin wird das höchste Kirchenfest des Jahres gefeiert, Traditionen wollen hochgehalten und im Kreise der Lieben gewürdigt werden. Um eine harmonische Grundlage für diese oftmalige emotionale Herausforderung zu schaffen, die Zusammenkünfte mit Familie, Freunden und Verwandten darstellen, werden eigene Bedürfnisse oft verdrängt. Ein Teufelskreis. "Langfristig gesehen ist es nämlich weder gut, Dinge immer wieder nur zu tun, damit wir niemanden kränken, noch ist es ratsam, Menschen, die uns mögen und für die auch wir wichtig sind, vor den Kopf zu stoßen", so Barbara Nanoff- Schediwy, Mediatorin und Konfliktberaterin aus Wien.

"Wir freuen uns schon so auf euch!"

Besonders ältere Familienmitglieder freuen sich auf Feiertage, wenn die Kinder und Kindeskinder wieder zusammenkommen - im besten Falle vollzählig. "Wir können kaum erwarten, dads ihr kommt", heißt es im Vorfeld, oder: "Freu dich doch, es ist schon so lange her, seit wir uns gesehen haben. Endlich ist es wieder soweit!" Hier schwingt schon die Erwartung mit, dass sich der Nachwuchs selbstverständlich pünktlich am Familientisch einfindet.

Beim Betroffenen meldet sich spätestens dann das schlechte Gewissen: Es wird davon ausgegangen, dass man gemeinsam feiert und sich selbstverständlich auf das Treffen freut - doch eigentlich hat man keine Lust oder schlichtweg keine Zeit. Gründe, die vor allem Jungfamilien oder Jobgeplagte oft berechtigt vorbringen, die jedoch oft nicht gelten oder einfach überhört werden. Überdies würde man eigentlich lieber selbst entscheiden, ob man den Lieben einen Besuch abstattet oder diesen noch etwas länger hinauszögert. Denn nicht jedes Familienmitglied hat Lust auf ein Zusammentreffen mit Onkeln und Tanten, der lärmenden Kinderschar dieser oder der tausendsten Wiederholung einer langweiligen Familienanekdote.

Foto: thinkstockphotos.de

Die emotionale Zwickmühle tut sich immer weiter auf: Man möchte die Verwandten nicht enttäuschen, gleichzeitig aber lieber seine Ruhe haben. Was tun? Barbara Nanoff- Schediwy rät, im Vorfeld abzuwägen: "Gibt es einen guten Grund, für kurze Zeit auf die Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse zu verzichten? Zum Beispiel weil der Gewinn, jemandem wirklich eine Freude gemacht zu haben, mehr zählt? Dann haben Sie trotzdem schon gewonnen. Stehen Sie mit ganzem Herzen zu Ihrer Entscheidung und versuchen Sie, das Beste herauszuholen."

Dazu empfiehlt die Mediatorin: "Gestalten Sie das Fest so gut wie möglich mit. Werden Sie aktiv, indem Sie Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten ausschöpfen, um das Fest mehr zu Ihrem zu machen. Denken Sie über Gesprächsthemen, die Sie interessieren, nach. Überlegen Sie sich Spiele oder einen Ortswechsel, der für alle belebend wirken könnte. Überlegen Sie, ob ein zusätzlicher Gast die Runde bereichern würde." Trauen Sie sich auch, allen Beteiligten Vorschläge zu unterbreiten: "Oft ist es ja auch so, dass wir gar nicht die Einzigen sind, die sich eine Veränderung oder Abwechslung zum alljährlichen Ritual wünschen. Und keiner traut sich bzw. kommt auf die Idee, dies zu äußern", so Nanoff- Schediwy.

Bedürfnisse wahrnehmen und berücksichtigen

Sollten Sie jedoch nach eingehender Selbstbefragung zu dem Ergebnis kommen, dass Ihre Bedürfnisse derzeit schwerer wiegen als jene der anderen, z.B. weil Sie Abstand brauchen, dann gelten, so die Konfliktberaterin, die Grundregeln für ein wertschätzendes Nein im Allgemeinen: Halten Sie die Verbindung zu Ihrem Gegenüber stets aufrecht, mimisch, körpersprachlich, auch verbal ("Schön, dass du anrufst ...") und würdigen Sie die guten Absichten des Gegenübers ("Total nett, dass du daran denkst, dass wir dabei sein sollen. Es war ja auch ein tolles Fest letztes Jahr ..."). Äußern Sie jedoch auch die eigenen Bedürfnisse - ohne die Gefühle des anderen zu verletzen -, etwa indem Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie dieses Jahr etwas ganz Besonderes machen wollen oder eine Auszeit brauchen (auch Notlügen wären ausnahmsweise erlaubt).

Natürlich sollten Sie auch Ihr Bedauern kundtun, indem Sie sich für Ihr Ausbleiben entschuldigen. Sätze wie "Es tut mir so leid, wenn ich dich jetzt enttäusche" oder "Bitte nicht böse/traurig sein" bieten sich hier laut Nanoff- Schediwy an. Zuletzt sollten Sie Alternativen oder Wiedergutmachung anbieten: "Was hältst du davon, wenn wir morgen/im Mai/... zu deinem Geburtstag einen kleinen Ausflug gemeinsam machen/ich dich ins Theater einlade/wir gemeinsam nach ... fahren/...").

Hier hilft die im Vorfeld gemachte Analyse: Worum geht es der betreffenden Person oder den Personen tatsächlich? Dieses Bedürfnis kann unter Umständen auch abseits einer Familienfeier befriedigt werden. In Anbetracht des Wiederkehrens der Anlässe, wäre auch eine Absprache unter Geschwistern möglich, wer denn dieses Jahr den Besuch absolviert und wer nächstes Mal.

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An den Feiertagen haben Konflikte in der Familie Hochkonjunktur

Obwohl es meist nur einige wenige oder einzelne Tage sind, die man mit Vater, Mutter, Geschwistern und Co. zu den Feiertagen verbringt - oft reichen wenige Stunden, bis erste Konflikte unter der scheinbar harmonischen Oberfläche schwelen. Sollten Sie sich dazu entscheiden, dem Familienfest beizuwohnen, mit der Entscheidung aber etwas ringen, verraten wir Ihnen Tipps, wie Sie dieses Jahr ein harmonisches Osterfest feiern:

Tipp 1 - Erwartungen niedrig halten

Unangebrachter Perfektionismus ist fehl am Platz. Versuchen Sie gar nicht, Ihren Familienmitgliedern eine heile Welt vorzugaukeln. Freuen Sie sich einfach über das Hier und Jetzt, dass Ihre Familie zusammen ist, dass Ihr Partner bei Ihnen ist. Je höher Ihre Erwartungshaltung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie enttäuscht werden. Je mehr Sie sich selbst unter Druck setzen, desto angespannter und reizbarer sind Sie. Gehen Sie das Fest - und die Vorbereitungen - ganz entspannt an.

Tipp 2 - Pläne absprechen

Gerade wenn man mit vielen Familienmitgliedern feiern will, kommen zahlreiche unterschiedliche Vorstellungen zusammen: ob man in die Kirche geht, ob vor oder nach der Fleischweihe gegessen wird, wie die Freizeitgestaltung aussieht. Versuchen Sie, all das im Vorfeld zu besprechen und bei auseinanderklaffenden Vorstellungen einen Kompromiss zu finden - vor allem Teenager und Kinder haben oft andere Vorstellungen vom Beisammensein.

Bestehen Sie auch nicht auf Traditionen, wenn die Mehrheit der Anwesenden dagegen ist: Das drückt nur auf die Stimmung. Eine Lösung: Sie verbringen nur einen Teil der Feierlichkeiten oder einen bestimmten Tag gemeinsam, halten die Besuchsdauer also kurz und verzichten in dieser Zeit Ihrer Familie zuliebe auf die Umsetzung Ihrer Idealvorstellungen.

Tipp 3 - Gäste bewusst einladen

Wenn Sie mit gewissen Familienmitgliedern nicht gut auskommen, sollten Sie diese nicht unbedingt aus reinem Pflichtgefühl heraus einladen. Denn dann ist die Atmosphäre streitgeladen. Beim Thema Gäste sollten Überraschungen vermieden werden - auch hier gilt: Vorher absprechen!

Tipp 4 - Kein stressiges Programm

Es ist keine Pflichtübung, an den Feiertagen durch die Wohnzimmer sämtlicher Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins und Nachbarn zu hetzen. Machen Sie nur jene Besuche aus, auf die Sie wirklich Lust haben und die sich zeitlich gut ausgehen. Wenn Ihre Kinder nicht zu allen Besuchen mitkommen wollen, sollten Sie auch das akzeptieren - besser Sie gehen alleine, als Sie haben den grantelnden Nachwuchs bei sich. Generell gilt: Wer kommen will, ist willkommen, aber auch eine andere Entscheidung sollte akzeptiert werden.

Sollten die Feierlichkeiten bei Ihnen stattfinden: Setzen Sie Prioritäten und lassen Sie alles weniger Wichtige beiseite. Niemand verlangt von Ihnen, täglich ein 3- Gänge- Menü auf den Tisch zu zaubern. Viele Aufgaben rund um das Fest können Sie weiters delegieren - wer sagt, dass Sie alles alleine organisieren müssen? Einige Beispiele: Kinder können, nach einer Anleitung, selbstständig das Färben der Ostereier übernehmen oder die Palmkätzchensträuße schmücken, Oma kann den Osterzopf backen, der Onkel die Nester im Garten verstecken und der Teenager den Tisch decken oder andere Hausarbeit erledigen. So schaffen Sie gleichzeitig Freiräume für entspannende Aktivitäten wie Spaziergänge etc.

Tipp 5 - Lieber mal das Thema wechseln

Bemerken Sie, dass eine Situation zu überhitzen beginnt, sollten Sie nicht auf jedes Reizwort reagieren, sondern das Thema wechseln oder unauffällig kurz aus dem Raum gehen, um wieder ruhig zu werden. Haben Sie den Eindruck, dass bewusst gestichelt wird, stellen Sie ruhig und freundlich klar, dass Sie keine Diskussionen führen wollen, sondern dass Sie dankbar sind, dass Sie alle zusammen sind. Auch übermäßigen Alkoholgenuss gilt es zu vermeiden, da das streitlustig macht bzw. die Zunge lockert.

Redakteurin
Mara Tremschnig
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