BPA im Thermopapier

Studie: Giftstoff auf Kassabon wird über Haut aufgenommen

Wissen
09.11.2010 17:23
Die Supermarktkassa kann nicht nur für unseren Geldbeutel ganz schön gefährlich sein – sondern offenbar auch für unsere Gesundheit. Forscher haben herausgefunden, dass in Kassabons der Plastik-Giftstoff BPA ("Bisphenol A") enthalten ist und - was bisher unbekannt war - durch Hautkontakt mit den Zettelchen in den Kreislauf gelangen kann. Mediziner raten daher: "Immer Hände waschen."

Können sich Tickets, Kassabons oder Quittungen tatsächlich negativ auf die Gesundheit auswirken? Die Wissenschaftler sind davon überzeugt. Denn die meisten handelsüblichen Belege sind aus Thermopapier hergestellt, und darin steckt die Plastikchemikalie BPA. 

Der Giftstoff steht unter Verdacht, in hoher Konzentration gesundheitliche Probleme und z.B. Unfruchtbarkeit bei Männern und Erbgutschäden bei Frauen verursachen zu können. Die Auswirkungen geringerer Belastungen sind unzureichend erforscht, die Regelungen für BPA-Grenzwerte daher relativ locker gefasst. In der EU gilt es als "nicht besonders besorgniserregend", vor allem weil man bisher dachte, dass keine Aufnahme über die Haut erfolgt.

Erstmals Aufnahme via Haut nachgewiesen
Wie das Magazin "Nature" berichtet, konnten Forscher nun in zwei Studien aber getrennt voneinander nachweisen, dass BPA offenbar sehr wohl über die Haut in den Organismus gelangen kann. In der ersten Studie testeten Wissenschaftler mit radioaktiv markiertem BPA die Aufnahme über Schweineohrenhaut, die der menschlichen ähnlich ist. 65 Prozent des aufgebrachten Bisphenol A drangen durch das Gewebe, bei weiteren Tests mit kleinen Proben menschlichen Hautgewebes wurde festgestellt, dass mehr als 46% des Giftstoffes durch die Haut und damit in den Blutkreislauf gelangt wären.

Die zweite Studie verglich die BPA-Belastung von 389 schwangeren Frauen und betrachtete die Resultate auch nach Berufsgruppen. 17 der Frauen waren Supermarkt-Kassiererinnen und wiesen signifikant höhere Werte auf, was ebenfalls darauf schließen lässt, dass die in Epoxidharzen und Polycarbonaten enthaltene Plastik-Chemikalie über die Haut aufgenommen werden kann.

Mediziner rät: "Immer Hände waschen"
Müssen wir jetzt alle die Finger von Einkaufs-Quittungen lassen? Dr. Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin an der Uni Wien: "Nein. Diese neue Erkenntnis ist alarmierend – soll aber keinesfalls Panik auslösen. Es gilt schlichtweg eine Regel zu beachten: Nach dem Einkaufen so schnell wie möglich die Hände waschen." Denn laut Kunze lauert die Gefahr nicht nur im Kassabon, sondern auch auf Geldscheinen und Münzen. "Darauf wimmeln Viren, Bakterien, Keime. Also Vorsicht!", so der Experte. 

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