So, 19. November 2017

Biathlet Simon Eder

05.11.2017 22:15

„Ich habe die Alarmglocken nicht schrillen gehört“

Mit 34 Jahren ist Biathlet Simon Eder stark wie nie - wie sehr er sich im Laufe seiner Karriere verändert hat und wie er über die Olympischen Spiele in Südkorea denkt:

Krone: Simon, ihr bereitet euch in Norwegen auf den Weltcupstart in Östersund (Swe) vor. Wie lief es bislang?
Simon Eder: Wir sind seit Samstag in Sjusjoen, hatten gleich die erste Panne. Die Lufthansa hat die Ski und Gewehre erst am Sonntag gebracht. Daher gab es erst gestern Abend das erste Schneetraining. Das Gefühl war aber gut.

Du trainierst in der Biathlonschmiede mit vier Damen - fehlt dir ein Männervergleich?
Es reicht, wenn ich ihn bei Wettkämpfen habe. Die Mädels sind beim Schießen auch ein Topvergleich.

Ist der Umgang anders?
Wenn man eine Zeit lang zusammen ist, ist der Unterschied nicht mehr groß. Jeder hat seine Launen - ich speziell in der Früh.

Was hat sich seit der Hochzeit mit deiner Kati im Sommer in Las Vegas verändert?
Ich habe das Gefühl, wir streiten weniger, daher war die Entscheidung richtig (lacht). Ob es Einfluss aufs Sportliche hat, weiß ich nicht, ein stabiler Familienrückhalt ist mir aber wichtig.

Die Olympischen Spiele rücken näher. Auch gedanklich?
Olympia ist noch zu weit weg. Ich will bis Östersund in Schwung kommen.

Du darfst sechs Medaillen (zwei im Einzel, vier in der Staffel) bei Großereignissen dein Eigen nennen - Olympia-Einzeledelmetall fehlt dir noch. Denkst du daran?
Sicher! Wenn man so lange einer Einzelmedaille hinterher läuft wie ich (bis 2015, Anm.), ist man für zwei WM-Bronzemedaillen mega dankbar. Trotzdem hoffe ich, dass ich noch eine kriege. Ich freue mich schon auf die Spiele.

Machst du dir Sorgen ob der politischen Lage in Korea?
Ich beobachte sie. Die Entscheidung, ob die Spiele stattfinden, treffen andere. Ich werde darauf achten, was das US-amerikanische und Internationale Olympische Komitee zu sagen haben.

Was hältst du von der Vergabe generell?
Wie viele habe ich das Gefühl, dass das Geld zuletzt oft im Vordergrund stand. Das muss sich ändern.

Wie weit blickst du mit 34 Jahren in die Zukunft?
Ich weiß, dass ich Antholz (WM 2020) und Olympia in Peking 2022 gerne mitnehmen würde. Darüber hinaus gibt es aber keine Pläne.

Dein Weltcup-Debüt war 2003 - wie sehr hast du dich als Sportler verändert?
Ich habe in all den Jahren viel gelernt, bin aber fast zu dem zurückgekehrt, was ich schon hatte, als ich 20. Dazwischen bin ich vom Weg abgekommen, war in einer Art Sportlerdepression, habe die Alarmglocken nicht schrillen gehört, weitertrainiert und meinen Körper in den Keller gefahren. Erst danach habe ich mich wieder darauf besonnen, was ich davor hatte. Ich habe sozusagen erst viel später zu mir gefunden, als mir lieb war.

Wie sehr hat sich der Biathlonsport verändert?
Gar nicht so sehr. Beim Material war damals schon viel passiert, am Schießstand habe ich vielleicht noch ein paar Sekunden rausgeholt. Viel wurde aber von der IBU (Weltverband, Anm.) verändert, die machen vor allem in der Vermarktung einen guten Job. Sie haben den Sport sehr einfach gehalten, was wichtig war.

Interview: Christoph Nister, Kronen Zeitung

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