Sa, 16. Dezember 2017

Steinmetzmeister

28.10.2017 17:14

Heimkehr mit tonnenschwerem Mitbringsel

Er ist 1300 Kilogramm schwer, hat einen Durchmesser von stolzen 176 Zentimeter und ist 22 Zentimeter dick - der "Mund der Wahrheit". Steinmetzmeister Helmut Moser aus Seekirchen weiß das, weil er vor Ort in Rom die Maße genommen hat, um das faszinierende Werk mit Untersberger Marmor nachzubauen.

La Bocca della Verità - der Mund der Wahrheit - ist ein antiker Lügendetektor, der einer Legende nach Schwindlern die Hand abbeißt. Die riesige Marmorscheibe in der Vorhalle der Kirche Santa Maria in Cosmedin gehört zu den am meisten fotografierten Sehenswürdigkeiten in Rom. Auch Helmut Moser konnte sich während seiner Radtour mit Gattin Gertraud nach Italien nicht von dem antiken Relief losreißen. "Ich war sofort fasziniert und wusste, dass ich den Wahrheitsmund zu Hause anfertigen muss. Die Touristen hinter mir mussten sich gedulden, ich nahm die exakten Maße und schoss 20 Fotos", erzählt der Steinmetz, vor welche Herausforderungen ihn sein mit dem Salzburger Handwerkspreis ausgezeichnetes Projekt stellte. "Die Tiefenwirkung des opulenten Gesichtes war anhand der Bilder äußerst schwierig nachzuempfinden." Auch die Auswahl des Monoliths im Steinbruch Fürstenbrunn war aufgrund der Größe kein leichtes.

"Nachbau" mit Untersberger Marmor
Nach 130 Arbeitsstunden mit Hammer und Eisen unter Druckluft hat der Steinmetz sein Meisterwerk vollbracht. Gefertigt ist das Objekt nicht wie das Original aus italienischem, sondern aus Untersberger Marmor. Ein halbes Jahr lang war das Relief bei der Landesgartenschau in Kremsmünster zu bewundern. "Es gibt schon Anfragen von Käufern, aber wenn ich das Werk verkaufe dann mache ich noch mal einen", fällt Moser die Trennung schwer.

Neben seinem Hauptgeschäft, den Grabdenkmälern, schwirren dem 53-Jährigen zahlreiche weitere Ideen im Kopf herum. Massivobjekte, die statisch belastbar sind, etwa. Oder ein Ruderboot aus Stein. Und auch die Bildhauerei ganz nach dem Vorbild des Ur-Ur-Opas reizt Moser. "Ein Steinmetz arbeitet exakt nach planlichen Unterlagen. Ein Bildhauer hingegen ist mit mehr Gefühl bei der Sache, muss ein gutes anatomisches Wissen haben." 60 Steinmetz-Betriebe gibt es übrigens im Land Salzburg. Helmut Moser führt den Familienbetrieb - Gründung 1923 - in sechster Generation mit sieben Mitarbeitern. Um seine Nachfolge muss er sich keine Gedanken machen, seine beiden Söhne Helmut und Robert treten in die Fußstapfen des begabten Vaters.

Sandra Aigner, Kronen Zeitung

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