Fr, 15. Dezember 2017

Menschen in Salzburg

25.10.2017 16:16

Nur die beste Milch

Als Hofberater von Woerle ist Wolfgang Cechner Bindeglied zwischen Molkerei und Bauer: Eigentlich war er Keramiker und sattelte dann um.

Er kennt jeden Bauern: Die Stammlieferanten wie Josef Hartl vom Reistererhof, die oft schon seit Generationen der Molkerei treu sind. Die Kleinen mit gerade einmal drei, vier Kühen. Die Lauteren, wenn es um die Rechte der Bauern geht

570 Bauern aus dem Flachgau und dem Mondseeland liefern aktuell an die sei 1889 bestehende Molkerei. Die Zahl ist nur leicht rückläufig: Er betreut sie alle. "Es geht um Tiergesundheit, um Hygiene", steckt der Hofberater sein Feld ab. Sollte einmal eine der laufenden Milchproben von der vorgeschriebenen Keimzahl abweichen, ist es mit seinem Rat schnell behoben. Generell gilt aber: Richtig anfällig sind nur die "Turbo-Kühe". In der Heumilchregion wird mit der Natur gewirtschaftet. Die Kühe fressen kein Gärfutter, mit dem feinen Geschmack machte sich Woerle-Emmentaler oder Bergkäse schon weltweit einen Namen. "In exotischen Märkten Sri Lanka kennt man uns unter ,Happy Cow’", erzählt Junior-Chef Gerrit Woerle über den treffenden Export-Namen.

Mit zum Erfolgs-Rezept gehört der gute Draht zum Lieferanten: Wolfgang Cechner ist gerne Bindeglied. "Eine Kuh möchte ich immer noch", sagt Cechner frei von der Leber weg und erzählt über seine Querverbindungen zur Landwirtschaft. Die Großeltern betrieben einen kleinen Hof und einen Gastbetrieb in Oberösterreich. Er half in den Ferien oft in Abtenau bei Verwandten aus: "Ein richtiger Bergbauernhof war das." Kein neues, gesichtsloses Gebäude, erzählt er, einer der sich intensiv mit alten Höfen beschäftigt.

So wurde seine Liebe zur Landwirtschaft geweckt. Seine zweite Leidenschaft galt immer der Keramik. "Ich war 25 Jahre in dem Beruf", erzählt er von seinem mutigem Umstieg. Mit 40 Jahren begann er noch eine Lehre in der Molkerei. "Woerle hat mir die Chance gegeben." Er bereute es nie und besetzt jetzt auch noch eine Schlüsselstelle. Das gegenseitige Vertrauen ist da. "Wir sind alle Kinder vom Land", meint Cechner. Auch die Chefs im Familienbetrieb mit mittlerweile 320 Mitarbeitern.

Die Qualität, die stimmt. Da ist auch er stolz. Im Familienbetrieb stehen alle voll hinter der Philosophie. Als er zum ersten Mal den neuen Werbe-Spot gesehen hat, "da sind seine Augen richtig feucht geworden."

Jetzt wird ausgebaut. Die Käserei kaufte am Stammsitz in Henndorf zwei Hektar Grund dazu. "Obwohl wir es in Oberösterreich günstiger bekommen hätten", will der Seniorchef Salzburger bleiben. Und Wolfgang Cechner pendelt gern vom Attersee herein.

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

Steckbrief: Wolfgang Cechner
Geboren am: 1. Juni 1972 in Mondsee; aufgewachsen in Berg im Attergau (Wurzeln im Lammertal); Großeltern waren Kleinbauern und Wirte mit drei Kühen.
Familie: Verheiratet mit Birgit (sie lernt gerade das Bäckerhandwerk), Kinder Simon (20) und Magdalena (14).
Ausbildung: Lehre zum Keramiker, 25 Jahre Gollhammer Keramik in Vöcklabruck; dann Wechsel in die Milchbranche, Lehre zum Molkereifachmann (Start mit 40); seit Mai 2014 Hofberater bei Woerle.
Freizeit: Der Garten ist eine Leidenschaft, mit dem Vater gehe ich gern auf die Jagd und ich kümmere mich daheim auch um das Heu.
Ich lese: Da habe ich wieder eine spezielle Vorliebe: Bücher über alte Bauernhäuser mit Chroniken.
Ich höre: Volksmusik, selbst spiele ich Hackbrett.
Urlaub: Schweden wäre ein Traum, aber mir reicht es schon, wenn ich auf die Alm komme.
Ich bin: Immer schon sehr ruhig gewesen.
Erfolg ist: Mir taugt es, wenn wir Probleme gemeinsam lösen können; wenn ich zum Beispiel einen Keim-Herd finde.
Glücksmomente: Auf der Alm, wenn ich in der Früh munter werde und die Sonne scheint.
Mich ärgert: Kleinigkeiten in der Familie.
Meine Ziele: Dass es weiterhin gut passt - für die Firma und für mich!

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