Sa, 18. November 2017

Protest in Barcelona

08.10.2017 15:11

350.000 bei Demo gegen Unabhängigkeit Kataloniens

In Barcelona haben am Sonntag Hunderttausende gegen den Abspaltungsprozess der separatistischen Regionalregierung von Spanien demonstriert. Die Polizei schätzte die Zahl der Kundgebungsteilnehmer auf 350.000 Menschen. "Wir sind Spanier, wir sind Katalanen", hallten - eine Woche nach dem Unabhängigkeitsreferendum - Sprechchöre durch die Via Laietana im Zentrum der katalanischen Regionalhauptstadt.

Zu der Kundgebung aufgerufen hatte ein Kollektiv gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalonen unter dem Motto "Es reicht! Lasst uns zur Vernunft zurückkehren". Die Teilnehmer des Protestes, die teilweise in spanische Flaggen gehüllt durch die Stadt gingen, sehen sich als Angehörige einer schweigenden Mehrheit. Julia, eine 25-jährige Studentin, hat sich das Gesicht mit einer spanischen Flagge bemalt. Ihr Freund Jaime trägt ein Plakat mit der Aufschrift "Ich bin stolz, Katalane und Spanier zu sein".

Hinter ihm reicht das Meer aus spanischen und katalanischen Flaggen bis zum Horizont. Es waren aber keine Esteladas, Kataloniens Unabhängigkeitsflaggen mit dem blauen Dreieck und dem weißen Stern, wie sie hier Anfang letzter Woche auf der selben Hauptstraße noch Zigtausende trugen, sondern Senyeras, die offizielle Flagge eines in Spanien integrierten Kataloniens.

90 Prozent stimmten für die Unabhängigkeit
"Wir zeigen heute Katalonien und ganz Spanien, dass wir eine Mehrheit sind, die gegen die Unabhängigkeit ist", versichert Julia und setzt wieder in die Sprechchöre ein. "Puigdemont, ab in den Knast" rufen die Demonstranten. Damit ist Kataloniens Ministerpräsident Carles Puigdemont gemeint, der mit seiner separatistischen Regionalregierung die Loslösung der Region von Spanien erzwingen will.

Am 1. Oktober ließ er den Volksentscheid gegen den Willen Madrids und trotz des Verbots durch das spanische Verfassungsgericht durchführen. 90 Prozent stimmten für die Unabhängigkeit, doch die Wahlbeteiligung lag nur bei 42 Prozent. Umfragen zufolge dürften die Separatisten in Katalonien mit maximal 45 Prozent tatsächlich keine Mehrheit darstellen.

"Diese Demonstration kann aber nicht zeigen, ob die Unabhängigkeitsgegner wirklich in der Mehrheit sind. Doch dank der undemokratischen und verfassungswidrigen Politik Puigdemonts, der bereit ist, geltendes Recht zu brechen, um seinen politischen Traum umzusetzen, haben die Menschen ihre Angst verloren, die Fahnen ihres Landes, Spaniens, zu zeigen. Diese Demo ist der Beweis", versicherte Esperanza Aguirre im Gespräch mit der APA während des Protestmarsches, zu dem laut Veranstalter rund 950.000 Menschen gekommen sind.

Viele Prominente unter den Demonstranten
Spaniens ehemalige Kulturministerin und konservative Ministerpräsidentin der Region Madrid war nicht die einzige Politikern und Persönlichkeit, die am Sonntag an dem Protestmarsch gegen Kataloniens Unabhängigkeitsbewegung teilnahm. Auch ihre Nachfolgerin Cristina Cifuentes und andere Politiker und ehemalige Minister der konservativen Zentralregierung kamen aus Madrid. Auch der Chef der Liberalen (Ciudadanos), Albert Rivera, und der ehemalige sozialistische EU-Parlamentspräsident Josep Borrell marschierten Seite an Seite neben Persönlichkeiten wie dem spanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa oder der Schriftstellerin Nuria Amat gegen den Separatismus.

 krone.at
Redaktion
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