Mo, 18. Dezember 2017

Schuldspruch

17.06.2017 11:31

20-Jährige trieb Freund per SMS zum Selbstmord

Weil sie ihren Freund dazu getrieben hatte, sich das Leben zu nehmen, ist eine 20-Jährige in den USA wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Der Schuldspruch wurde am Freitag von einem Gericht in Taunton im Bundesstaat Massachusetts verkündet. Das Strafmaß für die 20-jährige Michelle Carter soll am 3. August bekannt gegeben werden. Ihr drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Der 18-jährige Conrad Roy war im Juli 2014 auf einem Parkplatz tot in seinem Auto gefunden worden. Er starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Wie das Gericht während des Prozesses erfuhr, schrieben sich Carter und ihr Freund Hunderte SMS. Carter drängte mit ihren Botschaften den jungen Mann dazu, seine Suizidpläne in die Tat umzusetzen, diese vor seinen Eltern geheimzuhalten, seine Mutter anzulügen und einen abgeschiedenen Parkplatz auszuwählen.

Die Entscheidung des Gerichts in Taunton südlich von Boston dürfte Signalwirkung haben. Rechtsexperten hatten argumentiert, Carter möge ihren Freund zwar motiviert haben, sich das Leben zu nehmen, es sei aber fraglich, ob dies für eine Verurteilung unter dem Straftatbestand der fahrlässigen Tötung ausreiche. Im Gegensatz zu anderen US-Bundesstaaten gibt es in Massachusetts kein Gesetz gegen eine Aufforderung zum Suizid.

Verteidigung: "Freund war seit Jahren suizidgefährdet"
Die Verteidigung hatte argumentiert, dass Roy bereits "seit Jahren" suizidgefährdet gewesen sei. Die Verteidiger versuchten auch, Carters Rolle in dem Fall als gering darzustellen. Das Paar habe eine "SMS-Beziehung" geführt, sich aber persönlich nur wenige Male getroffen. Weil Carter zum Zeitpunkt des Vorfalls noch minderjährig war, fand der Prozess vor einem Jugendgericht statt. Die inzwischen 20-Jährige brach bei Verkündung des Urteils in Tränen aus.

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