Mi, 22. November 2017

„Wer Wind sät, ...“

28.05.2017 16:44

Türkische Zeitungen verhöhnen Manchester-Opfer

"Niedertracht hat die Schwächsten getroffen." "Der Terror hat nun auch unsere Kinder erfasst." "Sie werden uns nicht besiegen!" So oder ähnlich lauteten die internationalen Schlagzeilen nach dem Terroranschlag in Manchester am vergangenen Montag. Mitgefühl mit den Opfern und Verurteilung der Tat, diese beiden Elemente haben allerdings zwei türkische Zeitungen vollkommen vermissen lassen. So titelten "Günes" und "Yeni Akit" nahezu wortgleich, die Briten würden "ernten, was sie säen".

Damit bezogen sich die beiden regierungsnahen Blätter darauf, dass die britische sowie andere europäische Regierungen nicht entschieden genug gegen "Terrororganisationen wie die PKK oder die Gülen-Bewegung" vorgingen, diese sogar schützten. Die Europäer würden die Türken bei der Bekämpfung des Terrors gar behindern. "Der von Europa ernährte Skorpion hat wieder zugestochen und nun verfällt der Westen in Panik", hieß es in dem "Günes"-Bericht.

"Westen versorgt Terroristen mit Waffen"
Ähnlich argumentierte "Yeni Akit" und behauptete, der Westen habe zahlreiche Terrororganisationen unterstützt und die Türkei im Stich gelassen. Nun hätten die Terroristen, die vom Westen mit Waffen versorgt würden, eben in Großbritannien selbst zugeschlagen.

Die Wortwahl der beiden Medien erinnert stark an Aussagen türkischer Politiker im Vorfeld des umstrittenen Verfassungsreferendums in der Türkei, in denen europäischen Staaten vorgeworfen wurde, mit "Nazi-Praktiken" die Türkei unterdrücken zu wollen und Terroristen zu unterstützen. So meinte Präsident Recep Tayyip Erdogan im November, Deutschland sei "eines der wichtigsten Länder geworden, in denen Terroristen Unterschlupf finden".

Es sei inakzeptabel, dass sich Deutschland für Menschen einsetze, "die die Türkei als Terroristen einstuft und deren Auslieferung sie verlangt, statt diese Angriffe zu verhindern". Und weiter: "Man wird sich zeitlebens an euch erinnern, weil ihr den Terror unterstützt habt." Außerdem warnte der Präsident: "Hey Deutschland, sei dir bewusst, dass diese Terrorplage euch wie ein Bumerang treffen wird."

Erdogan nach Manchester: "Teilen Leid des englischen Volkes"
Nach dem Anschlag in Manchester stellte sich Erdogan allerdings auf die Seite Großbritanniens und meinte bei einer Rede in Istanbul am Tag nach dem Blutbad: "Als Türken teilen wir das Leid des englischen Staates und des englischen Volkes. Ich will hier auch anbringen, dass wir im Kampf gegen Terrororganisationen auf der Seite Englands stehen, so wie bei allen anderen Ländern auch." Das klang schon ein bisschen anders, allerdings ist derzeit auch kein Wahlkampf in der Türkei.

Gabor Agardi
Redakteur
Gabor Agardi
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