Mo, 11. Dezember 2017

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24.03.2017 16:42

Bettelbriefe an Frau, die seit vier Jahren tot ist

Im Juni 2013 ist eine Innsbruckerin verstorben. Am 9. März dieses Jahres erhielt sie wiederholt Post vom Roten Kreuz mit der Bitte um eine Spende. Unglaublich: Der Ehemann hatte die Briefe mit dem Verweis "Empfängerin verstorben" zurück geschickt. Die Post landet unkontrolliert im Papierzerstückler.

Seit Jahren flattert in unregelmäßigen Abständen ein Brief des Roten Kreuzes an "Familie Bernd U. Dagmer Stracke - Stracke Tursky" an die Wohnadresse in Innsbruck. Jetzt wurde es Bernd Stracke zu viel und er schrieb an Dr. Werner Kerschbaum, Generalsekretär der wohltätigen Organisation, einen Brief: "Seit nunmehr fast vier Jahren belästigt mich das Rote Kreuz auf ebenso penetrante wie pietätlose Weise mit Bettelbriefen an meine verstorbene Gattin und mich zuletzt am 9. März 2017. Ich habe bisher zahllose Rotkreuz-Poststücke immer - wie im Adressfeld erbeten - mit den Vermerken "Retour - Empfänger 1 kein Spendebedarf, Empfänger 2 verstorben" zurückgeschickt und jahrelang gehofft, dass irgendwann einmal ein mit der Adressverwaltung befasster Mitarbeiter endlich die Streichung aus der Postliste vornehmen möge vergebens. Ich möchte nicht wissen, wie vielen Hinterbliebenen von verstorbenen Spendern es über Jahre hinweg gleich ergeht wie mir, und wie viele andere Belästigte noch sich über diese pietätlose Hausiererei unangenehm berührt fühlen. Ich möchte nicht wissen, wie viel Portogeld (auch Spendengelder und, via Subventionen, auch Steuergelder) über die Jahre auf diese Weise zum Fenster hinausgeworfen wurden."

Stracke ist beileibe kein Gegner vom Roten Kreuz und fügt an: "Als ehemaliger freiwilliger Helfer mit Spezialausbildung für den Rettungsdienst, der ich jede Donnerstagnacht in Hunderten Rotkreuz-Ausfahrten meinen ehrenamtlichen Dienst versah und später als unermüdlicher Spender, habe ich mich immer mit dem Roten Kreuz identifiziert und auch verbunden gefühlt."

Unglaubliche Erkenntnis

Stracke wandte sich nun unter anderen auch an die "Krone". Recherchen brachten nun eine unglaubliche Erkenntnis zu "Retouren an Postfach 555, 1008 Wien" , wie im Rotkreuz-Brief gefordert wird. Kathrin Schrammel von der Pressestelle der Österreichischen Post AG bestätigt, dass diese Adresse kein Postamt, sondern ein Papierzerstückler ist: "Die Auftraggeber - darunter eben viele Organisationen, die Spenden erbeten - können es sich aussuchen, ob sie Retourbriefe an sich wollen. Das ist kostenpflichtig. Postfach 555, 1008 Wien ist hingegen gratis und eben ein Papierzerstückler!" Der Rotkreuz-General, der über 800.000 Briefe verschicken lässt, "bedauert" in einem Schreiben an Stracke, der sagt: "Das ist für mich wenig zufriedenstellend."

Günther Krauthackl, Kronen Zeitung

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