Di, 21. November 2017

20 Jahre Haft

07.03.2017 09:32

„Papa, bring Mama nicht um!“

Als Staatsanwältin Sandra Agnoli bei ihrer Anklage die Tatortfotos riesengroß auf der Leinwand zeigt, wird so mancher Laienrichter blass: Zu deutlich sind die Blutspuren, ist der geschundene Körper der Frau zu sehen, die der Angeklagte (35) zu töten versucht haben soll - mit 13 Messerstichen und mit einem 18-Kilo-Stein.

"Warum?", will Richter Manfred Herrnhofer wissen. "Reden Sie mit mir."

Doch der 35-jährige Angeklagte, gebürtiger Bosnier, Maurer, einst braver Arbeiter und Familienvater im Kärntner Loibltal, hat keine Antworten. "Ich mag nicht mehr darüber sprechen", sagt er einfach und schaut stur in den Boden.

Seine Ex-Frau dagegen erzählt weinend: "Es war furchtbar. Am Anfang war die Ehe gut, dann wurde er immer aggressiver. Als ich die Scheidung wollte, war es ganz aus." Der Mann wurde nach mehreren Attacken und Anzeigen weggewiesen, durfte auch den sechsjährigen Sohn nicht mehr sehen.

Vergangenen August lauerte er dann stundenlang vor dem Haus, in dem man zuvor einmal gemeinsam glücklich war. "Ich wollte in der Früh zur Arbeit - da stand er plötzlich vor mir. Er hatte ein Messer in der Hand und stach auf mich ein." 13 Stiche wurden gezählt in Brust, Hals, Lunge. Dass die zierliche 33-Jährige noch als Opfer vor den Geschworenen sitzt, grenzt an ein Wunder. Als die Klinge des Messers abbrach, schlug der Gatte mit einem 17,9 Kilo schweren Stein auf den Kopf der Frau.

"Und das Schlimmste: Mein Sohn hat das mitangesehen. Er rief: Bitte, Papa, bring die Mama nicht um!" Kind wie Mutter sind seit Monaten in Psychotherapie, die Langzeitfolgen noch gar nicht abschätzbar: "Wie’s aussieht, wird der Bub sogar die erste Volksschulklasse wiederholen müssen."

Und der Vater?

Bleibt ungerührt. Nur das Urteil findet er "lächerlich". Die Geschwornen schicken ihn wegen Mordversuchs für 20 Jahre hinter Gitter nicht rechtskräftig.

Kerstin Wassermann, Kärntner Krone

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