Mo, 22. Jänner 2018

Splatter-Shooter

20.11.2016 09:00

Schnetzeln wie ein Ninja in "Shadow Warrior 2"

Lo Wang ist zurück. Der Held der "Shadow Warrior"-Reihe fräst im zweiten Teil des Shooter-Reboots wieder mit Knarre und Katana durch Dämonenhorden und zieht eine Schneise der Verwüstung durch die futuristischen Hallen eines üblen Cyber-Konzerns. Wie sich der mit schrägem Humor und RPG-Elementen angereicherte Schnetzel-Shooter anfühlt, hat krone.at getestet.

Das polnische Spielestudio Flying Wild Hog legt mit "Shadow Warrior 2" das bereits zweite Remake eines 1997 erschienenen PC-Klassikers von 3D Realms vor. Und wie im Vorgänger schlüpft man in die Haut des nicht auf den Mund gefallenen Söldners Lo Wang. Mit Samurai-Schwert, flinkem Abzugsfinger und flotten Sprüchen à la "Duke Nukem" bewaffnet, stellt der sich todbringenden Dämonenhorden.

RPG-Elemente, schräger Humor
Zwischendurch führt ihn die in RPG-Manier mit einem Hauptstrang und vielen Nebenmissionen erzählte Handlung auch zum fiesen "Zilla"-Konzern, der auf abenteuerliche Weise mit den Dämonen verwoben ist. In Dialogen und Zwischensequenzen legen die Entwickler dabei schrägen, teils etwas derben, aber stets unterhaltsamen Humor an den Tag.

Spielerisch setzen sich die RPG-Anleihen fort. Es werden Fähigkeiten verbessert und Gegenstände, allen voran ein Füllhorn von Waffen, aufgelesen. Maschinengewehre, Schrotflinten, Pistolen, MPs, Sichelklingen oder Kettensäge: Erlaubt ist, was Spaß macht. Und Spaß macht in "Shadow Warrior 2" sowohl der Nah- als auch der Fernkampf - auch, wenn die blutige Aufmachung mit abtrennbaren Gliedmaßen à la "Doom" nicht unbedingt für zart besaitete Naturen gedacht ist.

Funktioniert als Shooter und als Schnetzler
Wer gern ballert, findet einen flotten Ego-Shooter der alten Schule in "Shadow Warrior 2". Man schießt sich durch dummes Kanonenfutter und bietet dort und da mächtigeren Boss-Monstern die Stirn. Für erweiterte Mobilität im Kampf - Lo Wang ist immerhin Ninja - sorgen Doppelsprünge und Schatten-Moves, was den Kämpfen eine gewisse Dynamik verleiht.

Andere Ninja-Fähigkeiten des Lo Wang wie Selbstheilung, Dornenbeschwörung, Druckwellen oder mehr Leben schaltet man nach und nach im Talentsystem frei. Und als würde all das noch nicht reichen, haben die Entwickler ein ordentliches Waffen-Aufrüst-Menü eingebaut. Das gibt Raum zum Experimentieren: Elementarschaden zur normalen Munition? Oder mehr Tempo für die Nahkampfwaffe? Vieles ist möglich.

Bei so vielen Möglichkeiten trifft es sich gut, dass "Shadow Warrior 2" ein taugliches Schnellreise-Sytem hat. Man darf jederzeit auf der Karte hin- und herreisen, auch während laufender Missionen. So holt man sich rasch neue Waffen im städtischen Shop und erprobt sie gleich im freien Feld.

Ebenfalls cool: Die Levels werden teilweise zufallsgeneriert, das Game sieht also bei jedem Durchspielen etwas anders aus. Ein kleiner Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass die computergenerierten Umgebungen hie und da etwas leblos wirken - zumindest, wenn man sie allein durchstreift.

Hübsche Optik, netter Koop, toller Soundtrack
Optisch liefern die Entwickler mit ihrer hauseigenen Grafikengine eine überzeugende Leistung ab. "Shadow Warrior 2" liefert abwechslungsreiche und weitläufige Levels mit ansehnlicher Architektur und Vegetation, schöne Beleuchtungseffekte, eine aberwitzige Zahl cool animierter Waffen, scharfe Texturen, schöne Explosions- und Splatter-Effekte und saubere Animationen - wenn vielleicht auch nicht bis ins allerletzte Detail des Gesichts mancher Figuren. Trotzdem ist das Game optisch eine saubere Leistung und braucht sich vor anderen aktuellen Shootern nicht zu verstecken.

Erfreulich für alle, die gern gemeinsam auf Monsterjagd gehen: "Shadow Warrior 2" kann man auch zu zweit oder sogar zu viert spielen - und zwar im kooperativen Multiplayer. Das macht es möglich, die Monsterhorden gemeinsam zu zerlegen. Gegeneinander spielen ist dagegen nicht vorgesehen - für manch einen Spieler vielleicht ein Manko.

Beim Soundtrack hatten die Entwickler schon im ersten Teil der Saga ein glückliches Händchen und es gelingt ihnen, akustisch auch beim zweiten Teil ein gewisses Achtzigerjahre-Actionkino-Gefühl zu erzeugen. Die englisch vertonten Dialoge sind professionell eingesprochen, der eine oder andere Fehler in der deutschen Untertitelung des Spiels stört das Gesamtbild nur am Rande.

Fazit: "Shadow Warrior 2" ist ein erfreulich altmodischer Blut-und-Beuschel-Shooter, der spielerisch mit RPG-Elementen und vielen Sammelgegenständen aber auch moderne Aspekte bietet. Die Story bietet herrlich schrägen Humor, ist teils fast etwas skurril. Wirklich von der Masse hervor tut sich das Game aber bei seinem gelungenen Bewegungssystem, das mit Ninja-Moves für mehr Dynamik sorgt, und mit seiner enormen Waffenauswahl. "Shadow Warrior 2" ist ein fesselndes Paket im Stil von "Doom" und "Duke Nukem", das neben den Bombast-Shootern der letzten Wochen zu Unrecht ein wenig untergegangen ist.

Plattform: PC (getestet), Anfang 2017 für PS4 & Xbox One
Publisher: Devolver Digital
krone.at-Wertung: 9/10

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