Fr, 17. November 2017

Das elektrische Ohr

18.10.2016 06:04

Austro-Forscher machen Hörimplantate MRT-sicher

Das heutige Cochlea-Implantat für Taube und schwer Hörgeschädigte basiert auf revolutionären Erfindungen österreichischer Forscher rund um Prof. Dr. Ingeborg Hochmair. Jetzt legt die Wissenschaft nach und macht die Hörimplantate sicherer für Untersuchungen in der Magnetresonanztomographie (MRT) - mit einem frei rotierenden Magneten.

"Ein kaputtes Sinnesorgan zu ersetzen ist eine große technische und medizinische Herausforderung", so Hochmair. Das Cochlea-Implantat (CI) kann den Hörsinn wiederherstellen. Es umgeht die nicht intakten Teile des Innenohrs und stimuliert die Nervenfasern in der Hörschnecke (Cochlea) durch elektrische Impulse. Ein CI-System besteht aus zwei Teilen: dem extern getragenen Audioprozessor hinter dem Ohr und dem Implantat, das vom Chirurgen unter der Haut platziert wird.

"Ein Magnet im Implantat hält den Audioprozessor sicher am Kopf. Doch genau dieser Magnet verursacht bei der MRT Einschränkungen und Beschwerden. Er reagiert auf die starken Magnetfelder, die detaillierte Bilder vom Inneren des Körpers liefern", erklärt die Forscherin. Weil das MRT jedoch eines der wichtigsten bildgebenden Untersuchungsverfahren ist, musste der Magnet bei manchen CI-Modellen oft vorübergehend operativ entfernt werden, und der Patient konnte in dieser Zeit nicht hören.

Neue Implantate mit drehbar gelagertem Magnet
Zwei Operationen für eine im Grunde harmlose Untersuchung wollte das Team der Innsbrucker Firma MED-EL rund um Prof. Hochmair unbedingt vermeiden. Deshalb kommt bei den neuen Implantaten ein neuartiger, drehbar gelagerter Magnet zum Einsatz. Dieser kann sich im Implantat frei ausrichten, ohne dass der Patient das spürt. Damit wurde die MRT-Untersuchung bei CI-Trägern einfacher in der medizinischen Anwendung und komfortabler für den Patienten. Die Zulassung für MRT-Untersuchungen bei drei Tesla (die Messgröße für Magnetfeldstärke, Anm.) ohne Magnetentfernung konnte erstmals erreicht werden.

Zur Person:
Prof. Dr. Ingeborg Hochmair war 1979 die erste Frau, die an der TU Wien in Elektrotechnik promovierte und dort zusammen mit ihrem Mann das Cochlea-Implantat entwickelte. Nach Aufenthalten in Stanford (USA) und an der Universität Innsbruck gründeten die beiden das Unternehmen MED-EL. Für ihre Leistungen im medizinisch-wissenschaftlichen Bereich wurde sie mehrfach ausgezeichnet - darunter mit Ehrendoktoraten der TU München und der Medizinischen Universität Innsbruck.

2013 erhielt Ingeborg Hochmaier den Lasker-DeBakey Clinical Medical Research Award für die Entwicklung des modernen CIs, 2015 wurde sie mit dem Russ Preis ausgezeichnet. Mit ihr als Konzernchefin ist MED-EL heute auf 1700 Mitarbeiter an 30 Standorten und Implantatversorgungen in 110 Ländern gewachsen. Die Implantatsysteme werden in Innsbruck entwickelt und gefertigt.

In der Serie "Krone der Wissenschaft" stellen wir Projekte von Spitzenforschern und -forscherinnen in Österreich vor. Ausgewählt werden sie von Prof. Dr. Georg Wick, dem Leiter des Labors für Autoimmunität an der Medizinischen Universität Innsbruck.

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