Do, 23. November 2017

Job für Ex-Kanzler

13.08.2016 07:58

Werner Faymann wird UNO-Sondergesandter

Ex-Bundeskanzler Werner Faymann wird Sondergesandter von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon für den weltweiten Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Faymann soll die neue, ehrenamtliche Tätigkeit Anfang September aufnehmen, teilte Ban am Freitag in New York mit. Faymanns frühere Sprecherin Susanna Enk bestätigte auf Anfrage die Personalie.

Laut Enk hat es - "meines Wissens" - bisher noch keinen für die Beschäftigung Jugendlicher zuständigen UNO-Sondergesandten gegeben. In einer Aussendung Bans heißt es, die Bestellung komme "zu einer Zeit, in der ein hohes Niveau der Jugendarbeitslosigkeit hartnäckig eine weltweite Sorge bleibt". Der UNO-Generalsekretär beklagte auch, dass Jobs für Jugendliche oft mit schlechten Bedingungen und schlechter Bezahlung verbunden seien.

Faymann habe eine "langjährige und proaktive Rolle bei der Eröffnung von Chancen für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt in Österreich" eingenommen, würdigte der Südkoreaner, der früher seine Heimat als Botschafter in Wien vertreten hatte, den ehemaligen Bundeskanzler. So habe Faymann etwa die Lehrausbildung und Workshops gefördert, um die Qualifikationen von Jugendlichen zu erhöhen.

"Der UNO-Sondergesandte für Jugendbeschäftigung wird ein starker Fürsprecher sein, wenn es darum geht, die Kernherausforderungen der Jugendbeschäftigung anzugehen, indem er diese Herausforderungen stärker hervorstreicht und auf allen Ebenen zu Tätigkeit aufruft", so Ban. "Es ist unerlässlich, dass wir unsere Anstrengungen überall verstärken, um Jugendlichen Möglichkeiten für annehmbare Arbeit zu schaffen."

73 Millionen Jugendliche weltweit ohne Job
Junge Menschen seien überdurchschnittlich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen, die Wahrscheinlichkeit sei in dieser Altersgruppe dreimal so hoch wie bei Älteren. Die nach wie vor festzustellenden Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hätten diesen Trend verstärkt. Weltweit seien derzeit 73 Millionen Jugendliche ohne Job. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) müssten in den nächsten zehn Jahren 475 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, um auch die derzeit arbeitslosen Jugendlichen sowie jährlich 40 Millionen Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen.

Ban erhofft sich von Faymann, dass dieser auch die heuer im Februar gestartete "Globale Initiative" für ordentliche Jobs für Jugendliche vorantreibt, die zu diesem Zweck die Vereinten Nationen, Unternehmen, Sozialpartner, die Politik, Bildungseinrichtungen und Jugendorganisationen zusammenbringen will. Er soll auch dabei helfen, dass die Ziele in Sachen Jugendbeschäftigung erreicht werden, die in der UNO-"2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung" angestrebt werden.

Bis Mai SPÖ-Parteichef
Der am 4. Mai 1960 geborene Faymann war Anfang der 80er-Jahre zunächst Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Wien, ab 1988 war er Geschäftsführer der Wiener Mietervereinigung, ab 1994 Wiener Wohnbaustadtrat. 2006 wechselte er als Infrastrukturminister in die Bundesregierung unter Kanzler Alfred Gusenbauer. Bei den vorgezogenen Nationalratswahlen 2008 trat Gusenbauer nicht mehr an, Faymann übernahm von ihm zunächst den SPÖ-Parteivorsitz und dann das Amt des Regierungschefs. Am heurigen 9. Mai trat Faymann mangels geschlossenen Rückhalts in der eigenen Partei angesichts von Problemen wie der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit oder den Streitigkeiten in der Flüchtlingspolitik zurück. Die österreichische Lehrlingsausbildung galt unter Faymann dagegen als vorbildhaft in der EU.

Hohe UNO-Posten hatten schon mehrere Österreicher inne: Der spätere Bundespräsident Kurt Waldheim war von 1972 bis 1981 UNO-Generalsekretär. Der Spitzendiplomat Peter Launsky-Tieffenthal wurde 2012 von Ban zum UNO-Untergeneralsekretär bestellt, er war zwei Jahre lang in New York Leiter der Presse- und Informationsabteilung mit knapp 700 Mitarbeitern. Valentin Inzko ist seit 2009 Hoher Internationaler Repräsentant in Bosnien-Herzegowina. Dieses Amt hatte zwischen 1999 und 2002 mit Wolfgang Petritsch bereits ein anderer Österreicher ausgeübt.

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