Sa, 18. November 2017

8000 in U-Haft

27.07.2016 18:49

Türkei: Fast 16.000 Festnahmen nach Militärputsch

Nach dem gescheiterten Militärputschversuch vom 15. Juli hat die türkische Polizei nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 15.846 Menschen festgenommen. Neben Militärs und Richtern traf es auch schon Journalisten. Von den fast 16.000 Festgenommenen sei gegen 8113 Haftbefehl erlassen worden, sagte Innenminister Efkan Ala dem Sender A Haber. Sie befänden sich in Untersuchungshaft.

Mehr als 4700 der insgesamt fast 16.000 Festgenommenen befänden sich weiterhin im Gewahrsam der Sicherheitskräfte, wo sie während des derzeitigen Ausnahmezustands bis zu 30 Tage festgehalten werden können, bevor sie einem Haftrichter vorgeführt werden müssen. Etwa 3000 Festgenommene seien nach einem Verhör wieder freigelassen worden, so ein Behördensprecher.

Unter den Festgenommenen seien rund 10.000 Militärangehörige gewesen, darunter 178 Generäle. Inhaftiert wurden demnach 5200 Militärangehörige, darunter 151 Generäle und mehr als 1600 Offiziere. Auch 1684 Richter und Staatsanwälte befinden sich nach offiziellen Angaben in Untersuchungshaft. Zehntausende Staatsbedienstete wurden vom Dienst suspendiert.

Armeeführung: "8651 Militärs am Putschversuch beteiligt"
Nach Angaben der Armeeführung beteiligten sich 8651 Militärs an dem Putschversuch vom 15. und 16. Juli. Das entspreche etwa 1,5 Prozent des Militärs. Die Putschisten hätten 35 Flugzeuge, 37 Hubschrauber, 74 Panzer und drei Kriegsschiffe eingesetzt.

Türkei macht nun Jagd auf Journalisten
Auch Journalisten geraten immer mehr ins Visier des Staates. Ein türkischer Staatsanwalt ordnete an, 47 ehemalige Mitarbeiter der Tageszeitung "Zaman" in Gewahrsam zu nehmen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu weiter berichtete, durchsuchte die Polizei auch Wohnungen von Verdächtigen. Ein Istanbuler Staatsanwalt hatte bereits am Montag 42 Journalisten zur Fahndung ausgeschrieben. "Zaman", eine der auflagenstärksten Zeitungen des Landes, war wegen Verbindungen zum Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen im März unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt worden. Staatschef Recep Tayyip Erdogan macht die Bewegung für den Putschversuch verantwortlich. Der in den USA lebende Prediger weist das zurück.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) zeigte sich schockiert über die Verhaftungswelle gegen Journalisten. In den vergangenen Tagen habe die Justiz gegen rund 90 Medienschaffende Haftbefehle erlassen und einige davon bereits vollzogen, teilte ROG mit. "Die massenhaften Haftbefehle der vergangenen Tage zielen unmissverständlich darauf, unbequeme Journalisten mundtot zu machen", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Am Donnerstag kommt in Ankara der oberste Militärrat zusammen. Dieser will über Reformen in der Armee und die Neubesetzung zahlreicher Stellen beraten, die durch die Festnahmen von Offizieren freigeworden sind. An dem eintägigen Treffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Binali Yildirim nehmen unter anderem Verteidigungsminister Fikri Isik und Armeechef Hulusi Akar teil.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden