Fr, 17. November 2017

Kern am Parteitag

25.06.2016 16:53

„Werden der FPÖ nicht unser Land überlassen!“

Kern kann Überraschung - der neue Kanzler zitierte am SPÖ-Parteitag in der Messe Wien die "Internationale" (bis 1943 Nationalhymne der Sowjetunion): "Es rettet uns kein höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun - uns aus dem Elend zu erlösen." Prompter Nachsatz des neuen Parteichefs: "Das war bitte eine historische Anekdote." Und Kern, der später mit 96,84 Prozent zum neuen SPÖ-Vorsitzenden gewählt wurde, korrigierte vor den Delegierten Altkanzler Franz Vranitzky: "Wer KEINE Visionen hat, der braucht einen Arzt." Hier die wichtigsten Passagen der Rede.

Kern über sich: "Ich bin in kleinen Verhältnissen in Simmering aufgewachsen. Ich war der Erste in unserer Familie, der maturieren durfte. Ich habe selbst erlebt, dass Reformen unser Leben besser machen können."

"Das sozialdemokratische Zeitalter fängt erst an"
Kern über die aktuelle politische Situation: "Wir haben noch immer eine Finanzkrise. Wir erleben eine Völkerwanderung. Manche sagen, dass wir strukturelle Probleme haben, unsere Bewegung auf der Höhe der Zeit zu halten. Ich sage euch: Das sozialdemokratische Zeitalter fängt eben erst an."

Kern über die SPÖ: "Niemand kann sich mehr auf Stammwähler verlassen. Aber das heißt auch, dass wir wieder die Menschen für uns gewinnen können. Und es reicht nicht, nur das Schaufenster neu zu besetzen, eine Person durch eine andere zu ersetzen. Ihr habt große Hoffnungen in mich - aber ich bitte um eine realistischere Sicht: Das geht nicht alleine."

Zitat aus Kampflied: "Es rettet uns kein Gott"
Und Christian Kern zitiert dann die "Internationale", das Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung: "Es rettet uns kein höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun - uns aus dem Elend zu erlösen." Den Refrain lässt er aber weg ("Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.")

ÖVPler "hacken dauernd Loch in das eigene Boot"
Kern über die Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner ÖVP: "Wer KEINE Visionen hat, der braucht einen Arzt. Die Menschen brennen für Grundsätze, nicht für Kompromisse. Aber auch wir werden uns mit dem Regierungspartner auf Kompromisse einigen müssen." Und er liefert eine neue Analyse über die ÖVP: "Ich dachte, da gibt's Selbstmordattentäter, die sich alleine in einer Telefonzelle in die Luft sprengen. Nach fünf Wochen ziehe ich diese Analyse zurück. Es ist eher so, dass ein Teil dieser Truppe ständig damit beschäftigt ist, ein Loch in das Boot zu hacken, in dem wir unterwegs sind. Aber ich hoffe, dass sich auch in der ÖVP die Kräfte der Vernunft durchsetzen werden."

Kern über Ex-Kanzler Werner Faymann: "Unsere Glaubwürdigkeit in der Europäischen Union hat eine große Tradition. Und hier möchte ich mich an dieser Stelle ganz besonders bei Werner Faymann bedanken: Werner Faymann hat dieses Land acht Jahre lang in schwierigen Zeiten geführt. Und ich habe in den vergangenen fünf Wochen sehr gut verstanden, wie schwierig es ist, Fortschritte für unser Land zu erreichen."

Kern über "Steuerflüchtlinge" wie Google, Facebook etc.: "Wir können nicht akzeptieren, dass Unternehmen wie Facebook, Google und Starbucks Hunderte Millionen Umsatz hier machen und keine Steuern zahlen. Das ist absurd, da trägt doch jede Würstelbude mehr zum Gemeinwohl bei."

Und Kern über eine mögliche Zusammenarbeit mit der FPÖ: "Wenn die SPÖ nach der nächsten Wahl stärkste Kraft ist, wird sich die Frage nach der Zusammenarbeit mit anderen Parteien von alleine beantworten. Mein Ziel ist, dass sich die anderen an uns orientieren müssen."

"Werden der FPÖ unser Land nicht überlassen!"
Kern über die Freiheitlichen: "Wir würden einen großen Fehler machen, wenn wir die in ein rechtsradikales Eck stellen - da gibt es den einen oder anderen, sicher. Ein noch viel größerer Fehler ist es, alle Hofer-Wähler in dieses Eck zu stellen. Es ist wichtig, ihnen zu sagen, was das ist, was sie da gewählt haben. Ich habe heute schon Bruno Kreisky und Willy Brandt zitiert - und will einen weiteren 'großen Vordenker' zitieren: Walter Meischberger. Der ist unterschätzt! Er hat den großen Satz gesprochen: 'Wos war mei Leistung?' Ja. Die können das einfach nicht. Und deshalb werden wir denen nicht unser Land überlassen!"

Und Christian Kern beendet dann mit dem Satz seine Rede: "Die SPÖ ist die Partei der Zukunft. Auf geht's, Freunde!" Von den 600 SPÖ-Delegierten kam minutenlanger Applaus.

P.S.: Entgegen der Annahme aus ÖVP-Kreisen war die Krawatte des Kanzlers nicht schwarz. Die Farbe dürfte laut inoffizieller Quelle "ein dunkles Aubergine" gewesen sein.

Kern mit 96,84 Prozent zum Vorsitzenden gekürt
Mit 96,84 Prozent der Delegiertenstimmen wurde Kern am späten Nachmittag zum neuen SPÖ-Vorsitzenden gewählt und erhielt dafür Standing Ovations. Der Kanzler liegt damit knapp hinter seinem zurückgetretenen Vorgänger Werner Faymann, der bei seinem ersten Antreten 2008 98,4 Prozent erhalten hatte. Bei der bereits zuvor stattgefundenen Vorstandswahl war Kern bereits von 97,97 Prozent der Delegierten unterstützt worden.

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