Fr, 15. Dezember 2017

Unser Sonnenschein

20.06.2016 17:00

Energiequelle für die Erde, die nichts kostet

Stellen Sie sich einmal eine Zukunft vor, in der es keine Kosten und keinerlei Limitierung für Energie gibt. Ist eine solche Zukunft überhaupt möglich? Jawohl! Da gibt es tatsächlich eine primäre Energiequelle, die praktisch unendlich ist und ohne Kosten zur Verfügung steht. Diese Energiequelle ist unser Sonnenschein.

Mit einer Einstrahlungsleistung von ca. 170.000 Terawatt (ein Terawatt sind eine Billion Watt, Anm.) bekommt die Erde Tag für Tag Sonnenenergie. Hingegen beläuft sich der gesamte weltweite Energiebedarf auf circa 17 Terawatt! Können wir uns diese Energie zunutze machen? "Ja, das können wir", weiß Prof. Niyazi Serdar Sariciftci von der Universität Linz, wo der Physiker international anerkannte Grundlagenforschung auf diesem innovativen Sektor betreibt: "Zuerst verwendete man diese Energiequelle für die solare Wärmegewinnung zur Warmwasserbereitung. In den letzten 60 Jahren wurde auch die direkte Umwandlung von solarer Energie in elektrischen Strom erfunden. Das ist Photovoltaik."

Solare Photovoltaik ist eine faszinierende Methode, die in den besten technischen Ausführungen ca. 40 Prozent der Lichtenergie in elektrische Energie umwandeln kann. Diese Maschine ist also eine der effizientesten, die die Menschheit je erfunden hat, um eine Energieform in eine andere, nützlichere umzuwandeln. Die Maschine ist rauchfrei, umweltfreundlich, leise und ohne bewegliche Teile.

Aber das Beste kommt noch: Stellen wir uns ein Solarpaneel vor, das nicht elektrische Energie, sondern direkt einen flüssigen Brennstoff, ähnlich dem Benzin oder Diesel, erzeugt! Diese Umwandlung ist nämlich die älteste Form der Solarenergienutzung. Die natürliche Photosynthese ist 3,5 Milliarden Jahre alt und macht genau diese Arbeit: Umwandlung von Kohlendioxid und Wasser in wertvolle chemische Substanzen wie Erdöl oder Kohle mithilfe von Solarenergie. Im Allgemeinen erzeugt die natürliche Photosynthese komplizierte organische Moleküle, wie Zucker, Eiweißstoffe o.ä.

Die Verbesserung des Wirkungsgrads der Solarenergieumwandlung durch Verwendung von neuartigen, funktionellen organischen und bio-organischen Halbleitern ist das Ziel der Arbeiten von Prof. Sariciftci und seinen Mitarbeitern am Institut für Physikalische Chemie an der Universität Linz. Unterstützt vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF).

Zur Person:
Niyazi Serdar Sariciftci ist Ordinarius Professor und Vorstand des Instituts für Physikalische Chemie an der Johannes-Kepler-Universität Linz und Gründungsvorstand des Instituts für Organische Solarzellen (LIOS). Er wurde in Konya (Türkei) geboren und hat in Wien Physik studiert und promoviert. Nach längeren Aufenthalten an der Universität Stuttgart und der Universität von Kalifornien in Santa Barbara wurde er 1996 an die Universität Linz berufen.

Neben seinen vielen Auszeichnungen, wie dem Wittgenstein-Preis und Kardinal-Innitzer-Preis, ist der zweifache Vater als Nr. 14 der Weltrangliste der meistzitierten Wissenschaftler angeführt (ISI, Thompson Reuter Ranking 2011). Sariciftci ist korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Royal Society of Chemistry in Großbritannien und vieler weltweiter Fachgruppen.

In der Serie "Krone der Wissenschaft" stellen wir Projekte von Spitzenforschern und -forscherinnen in Österreich vor. Ausgewählt werden sie von Prof. Dr. Georg Wick, dem Leiter des Labors für Autoimmunität an der Medizinischen Universität Innsbruck.

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