Di, 17. Oktober 2017

Ausgang ausgenutzt

10.06.2016 11:38

„Horror-Hans“: Geiselnehmer aus Anstalt entkommen

Ein 61 Jahre alter Mann, der 2011 in der Justizanstalt Josefstadt in Wien eine Psychiaterin als Geisel nehmen wollte, einen Justizwachebeamten lebensgefährlich verletzte und als nicht zurechnungsfähig in eine Sonderanstalt eingewiesen wurde, ist am Mittwoch von einem Ausgang nicht zurückgekehrt.

Der Steirer, der als "Horror-Hans" bekannt ist, hatte im Februar 2009 erstmals für Schlagzeilen gesorgt, als er in seiner Wohnung in Sankt Marein im Mürztal eine Geiselnahme vortäuschte und drohte, das Haus in die Luft zu sprengen. Im Oktober 2009 wurde er bei einem Prozess in Leoben für nicht zurechnungsfähig erklärt, seine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher wurde verfügt. Später floh er aus der Landesnervenklinik Sigmund Freud in Graz und wurde zweieinhalb Monate später in einem Wald bei Frohnleiten nördlich der Stadt aufgegriffen.

Nach seiner schriftlichen Ankündigung im Oktober 2009, Richter, Staatsanwälte und Polizeibeamte als Geiseln zu nehmen, wurde er nach Wien verlegt. Diese Ankündigung versuchte der Mann im Februar 2011 in die Tat umzusetzen, indem er eine junge Ärztin mit selbst gebastelten Stichwaffen bedrohte und einem Wachebeamten, der der Psychiaterin zu Hilfe kam, durch zwei Stiche lebensgefährlich verletzte. Ein Gutachten bescheinigte ihm eine paranoide Psychose und Zurechnungsunfähigkeit zum Tatzeitpunkt. Im Juli 2011 wurde er neuerlich in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Keine Erklärung für Verschwinden
Ab diesem Jahr lebte der heute 61-Jährige in der Sonderanstalt Göllersdorf in Niederösterreich, wo man auch am Freitag noch keine Erklärung für sein Verschwinden am Mittwoch hatte. Der Mann hatte dort nach Angaben von Anstaltsleiterin Karin Gruber eine zweijährige Intensivtherapie absolviert und war medikamentös gut eingestellt. "Seine Wahnsymptomatik nahm ab und war nicht mehr behandlungsrelevant", sagte Gruber.

Nach Einzel- und Gruppenausgängen sei im 2015 die Verlegung des Mannes in eine Pflegeeinrichtung beschlossen worden. Dort bekam er regelmäßig Ausgang. "Am Mittwoch hätte er um 17 Uhr zurückkehren sollen. Nachdem er nicht erschienen war, wurde er zur Fahndung ausgeschrieben", sagte die Anstaltsleiterin, die den 61-Jährigen als intelligenten, kooperativen, aufgeschlossenen, wenn auch zurückhaltenden Mann beschrieb. "Wir können uns bis jetzt nicht erklären, was passiert ist, weil sein Verschwinden so gar nicht passt", so Gruber.

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