So, 19. November 2017

Wahnsinnstat in Zoo

25.05.2016 16:38

Nackter in Löwengehege sah sich als Prophet Gottes

Nach der schockierenden Aktion eines 20-Jährigen im Zoo von Santiago de Chile am Samstag - der junge Ex-Soldat war nackt in ein Löwengehege geklettert, von den Raubkatzen angefallen und schwerst verletzt worden - werden immer mehr Details zu den Beweggründen bekannt. So soll der junge Mann den Tod seiner Mutter - sie starb an Brustkrebs - nie verwunden und sich darüber hinaus als Prophet Gottes verstanden haben.

Vor den Augen völlig entsetzter Zoobesucher hatte sich der 20-jährige Franco F. - wie berichtet - Zugang ins Innere des Löwengeheges verschafft, sich nackt ausgezogen und den Raubkatzen gestellt.

"Ich bin der Prophet"
Wie die britische "Daily Mail" am Mittwoch berichtete, soll F. bei seiner Wahnsinnstat behauptet haben, ein von Gott gesandter Prophet zu sein. Untermauert wird das mit einem Schreiben, das in einer Tasche seiner Kleidung gefunden wurde. Die Apokalypse sei nahe, erkläre der 20-Jährige darin. "Ich bin der Prophet und zu meinem Volk zurückgekehrt."

Auch soll Franco F. Zeugen vom Propheten Daniel erzählt haben, der in eine Löwengrube geworfen, jedoch von einem Engel Gottes gerettet wurde. Daher ist bislang auch nicht gesichert, ob sich der junge Mann tatsächlich aus Selbstmordabsicht ins Löwengehege vorgewagt hatte.

Tod der Mutter nie verarbeitet
Allerdings dürfte auch der Tod seiner Mutter - die Frau starb vor etwa neun Jahren an Brustkrebs, Franco F. war damals erst elf Jahre alt - eine Rolle gespielt haben. Denn danach brach für den Buben das bis dato heile familiäre Weltgefüge offenbar völlig zusammen. Sein Vater soll nach dem schmerzlichen Verlust zu trinken begonnen und sich nicht mehr um ihn und seine acht Geschwister gekümmert haben. Der Bub landete schließlich im Waisenhaus. Laut Aussagen von Freunden habe Franco F. seinem Vater das niemals verziehen.

"Nach außen hin wirkte Franco wie ein äußert glücklicher Mensch", heißt es von Bekannten. Der Vorfall im Zoo habe daher doch sehr überrascht. Dennoch sei bekannt gewesen, dass die Familie immer wieder Probleme gehabt habe.

Großmutter: "Er wirkte glücklich"
Um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und seine inneren Dämonen zu bekämpfen, wurde Franco F. im Alter von 18 Jahren Soldat. Doch auch seine Kollegen bemerkten offenbar nichts von seinen psychischen Problemen, ebenso wenig seine Familie. "Der Tod seiner Mutter war sehr schwer für Franco", erzählte seine Großmutter Nolbertina Munoz chilenischen Medien. "Danach machte er es sich zur Aufgabe, auf seine Geschwister aufzupassen und sich um sie zu kümmern." Die Wahnsinnstat kam auch für die Großmutter überraschend: "Er hat mich erst letztes Wochenende besucht. Er wirkte glücklich und erzählte mir auch, dass er sehr zufrieden mit seinem Leben sei", so Munoz.

Auf Facebook habe der 20-Jährige allerdings immer wieder Postings veröffentlicht, die durchaus auf eine schlechte psychische Verfassung schließen hätten lassen. So soll er etwa zum Muttertag geschrieben haben: "Mummy, es ist mittlerweile neun Jahre her, seit du zu Gott gegangen bist. Ich erinnere mich aber immer noch daran, wie du dich für meine Geschwister und mich aufgeopfert hast. Wie gern hätte ich dich jetzt bei mir, um dich zu umarmen, zu küssen und mich von deiner Wärme beschützt zu fühlen - so wie es war, als ich geboren wurde."

"Ich bin hier, um euch Liebe zu geben"
Tage danach meldete er sich ein weiteres Mal, allerdings weitaus kürzer und durchaus kryptisch, zu Wort, indem er schrieb: "Nur ich kann mein Leben schreiben." Nur drei Tage bevor er den Löwen im Gehege gegenübertrat postete er: "Ich bin hier, um euch Liebe zu geben."

Franco F., der bei dem Löwenangriff schwerste Verletzungen im Gesicht, am Kopf, am Hals, an den Schultern und im Leistenbereich erlitt, wird weiterhin im Krankenhaus betreut. Der Zoo erwägt nun juristische Schritte gegen ihn, weil er sich unbefugt Zutritt zum Gehege verschafft hatte.

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