Di, 17. Oktober 2017

Wurde 93 Jahre alt

16.02.2016 18:02

Ex-UNO-Generalsekretär Boutros-Ghali gestorben

Der frühere UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali ist tot. Der ägyptische Diplomat sei im Alter von 93 Jahren in Kairo verstorben, teilte der UN-Sicherheitsrat am Dienstag in New York mit. Boutros-Ghali war von 1992 bis 1996 sechster Generalsekretär der Vereinten Nationen und der erste Afrikaner auf diesem Posten.

Seine Amtszeit als UN-Generalsekretär war vom Zerfall Jugoslawiens, dem Völkermord in Ruanda und dem Irakkrieg geprägt. Vor allem die USA hatten sich gegen eine zweite Amtszeit des Ägypters gestellt und seine Wiederwahl per Veto verhindert.

Der derzeitige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am Dienstag, er sei "sehr traurig" über den Tod von Boutros-Ghali. "Er war ein berühmter Kenner des internationalen Rechts und hat bemerkenswerte Erfahrung und intellektuelle Fähigkeiten für die Aufgabe mitgebracht, die Vereinten Nationen durch eine der turbulentesten und herausforderndsten Zeiten ihrer Geschichte zu steuern."

In Kairo und Paris Jus studiert
Boutros-Ghali kam 1922 in Kairo als Sohn koptischer Christen zur Welt. Er besuchte die Universität Kairo (Bachelor der Rechtswissenschaften im Jahr 1946) und studierte anschließend Internationales Recht in Paris, wo er 1949 den Doktorgrad erwarb. Zwischen 1949 und 1977 war er Rechtsprofessor an der Universität Kairo.

Nachdem er sich dort einen Namen gemacht hatte, wurde er im Oktober 1977 von Präsident Anwar al-Sadat zum Außenminister ernannt. Er galt über viele Jahre als zentraler Faktor in der Außenpolitik Ägyptens. 1991 stieg er schließlich zum Vizepremier auf. Im selben Jahr wurde er für den frei werdenden Posten des UNO-Generalsekretärs vorgeschlagen. Am 3. Dezember 1991 wählte ihn die UN-Vollversammlung, am 1. Januar 1992 trat er sein Amt an.

UNO-Chef in unruhigen Zeiten
Die politischen Zeiten waren unruhig: Gerade war die Sowjetunion zusammengebrochen, auf dem Balkan tobten Kriege, später in seiner Amtszeit folgte der Völkermord in Ruanda. Dass er die dort verübten Massaker nicht verhindern konnte, sei der größte Misserfolg seiner Amtszeit gewesen, sagte Boutros-Ghali später einmal in einem Interview.

Zudem legte sich der Ägypter immer wieder mit den USA an und versuchte, deren übermächtigen Einfluss bei den Vereinten Nationen zurückzudrängen. Auch wegen der Sanktionspolitik gegen den Irak geriet er mit Washington aneinander. Als 1996 seine Wiederwahl anstand, verhinderten die USA per Veto eine zweite Amtszeit.

Im Anschluss wurde der Ägypter, der verheiratet war, aber keine Kinder hatte, Generalsekretär der Internationalen Organisation der Frankophonie, einer Organisation französischsprachiger Länder. Durch sein Studium in Paris hatte Boutros-Ghali eine enge Verbindung zu Frankreich und zur französischen Sprache und Kultur aufgebaut, die ein Leben lang anhielt.

Zuletzt litt Boutros-Ghali jahrelang unter gesundheitlichen Beschwerden. Vergangene Woche wurde der 93-Jährige in ein Krankenhaus in Kairo gebracht, wo er nun verstarb.

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