Mo, 18. Dezember 2017

PS4-Remake

28.08.2015 09:46

"Journey" im Test: Game als Wellnessprogramm

Auf der PS3 hat das unkonventionelle Wüstenabenteuer "Journey" bereits vor drei Jahren eine große Fangemeinde um sich scharen können, mittlerweile gibt es das bunte Entspannungs-Game auch für die PS4. Wie sich das Spiel gewordene Wellness-Programm auf der neuen Konsole spielt, hat krone.at getestet.

Der Weg ist das Ziel: Wie auf kein anderes Game trifft diese Weisheit auf "Journey" vom Entwickler Thatgamecompany zu. Der Titel schickt den Spieler auf eine puristische, rund zweistündige Reise durch eine hübsch gemachte Wüstenwelt voller Wunder und Rätsel, aber ganz ohne Kämpfe.

Emotionales Erlebnis statt Wettbewerb
Bei der Reise in "Journey" geht es nicht darum, Erster zu sein. Vielmehr wollen die Entwickler den Spieler emotional berühren – mit Farbspielen, dem Wechsel von Schnell und Langsam, Hell und Dunkel, kurzum: optischen und spielerischen Erlebnissen.

Da ist es nur konsequent, dass der Spieler in "Journey" ohne einleitende Erklärungen in Gestalt eines vermummten Protagonisten einsam und allein in die öde Spielwelt geworfen wird und zunächst einmal nicht so genau weiß, was zu tun ist.

Einzig ein Berg am Horizont, auf dessen Gipfel eine Lichtsäule emporsteigt, dient als optische Markierung. Angesichts dessen, dass sonst nur Wüste zu sehen ist, tut man, was die meisten Menschen in so einer Situation tun würden: in Richtung des Lichts gehen.

Öde Wüstenlandschaften, fliegende Teppiche
Und hier beginnt die Abenteuerreise von "Journey". Der Spieler arbeitet sich durch öde Wüstenlandschaften, alte Ruinen und mächtige Höhlensysteme, löst Rätsel – und kommt seinem Ziel, dem seltsamen Berg, immer näher.

Hin und wieder bekommt er Gesellschaft durch zufällig ausgewählte Online-Spieler, mit denen er sich aber nicht unterhalten kann. Von diesen Begegnungen abgesehen wird die Reise allein absolviert.

Gesang bändigt Stoff und lüftet Geheimnisse
Damit die Reise nicht allzu fad wird, sind in der Spielwelt versteckte Geheimnisse verteilt, die der Spieler durch Gesang – neben zu kurzen Gleitflügen ausbaubaren Sprüngen die einzige Fähigkeit der Spielfigur – aktiviert und so neue Passagen oder Infos freischaltet.

In der Spielwelt umherflatternde Stofffetzen sorgen ebenfalls dafür, dass keine Langeweile einkehrt. Sie laden den im Spielverlauf in die Länge wachsenden magischen Gleitumhang der Spielfigur auf und helfen – natürlich nur, wenn man ihnen zuvor etwas vorsingt – bei besonders gewagten Sprüngen. Größere Vertreter ihrer Zunft können sogar ein Stück weit geritten werden.

Spieler verfällt in eine Art Trancezustand
Schnell verfällt der Spieler auf seiner Reise in eine Art Flow-Erlebnis. Er verliert sich in der abstrakten Spielwelt von "Journey", erfreut sich an ihren visuellen Reizen wie im tieforangen Licht des Sonnenuntergangs glitzerndem Sand, den ausnehmend hübsch gestalteten Dünen, Bergen und Ruinen und den esoterisch angehauchten Geheimnissen, die ihm auf seiner Reise begegnen.

Verstärkt wird das tranceartige Erlebnis durch das Wechselspiel schneller und langsamer Passagen sowie das erhabene Gefühl, das weite Sprünge und kurze Gleitpassagen unter Zuhilfenahme des magischen Umhangs der Spielfigur vermitteln.

Optik und Akustik spielen diesem Erlebnis ebenso in die Hände wie die aufs Nötigste beschränkte Steuerung. Schnellere Passagen arbeiten mit intensiveren Farben und mehr Lichtspielen, der Soundtrack nimmt Fahrt auf. Langsamere Passagen sind oft trister gehalten, werden von gemächlicheren Musikstücken untermalt. Ein Spiel als audiovisuelles Gesamtkunstwerk.

Fortschritte gegenüber PS3-Version gering
Freilich: All die Elemente, die "Journey" zu einem ebenso besonderen wie ungewöhnlichen Spielerlebnis machen, gab es auch schon auf der PS3. Ein paar optische Details mögen auf der PS4 besser aussehen als in der Ursprungsversion, und auch Auflösung und Bildrate wurden erhöht, grundsätzlich bietet "Journey" auf der PS4 all jenen, die es schon auf der PS3 gespielt haben, aber wenig Mehrwert.

Zumal man über den Wiederspielwert des Games streiten kann. Wer die knapp zweistündige Reise hinter sich hat, hat im Grunde alles gesehen. Klar bieten weitere Durchgänge die Möglichkeit, noch mehr Geheimnisse zu entdecken und sich abermals dem Spiel der Klänge und Farben hinzugeben. Doch der nachhaltige Eindruck, den das Spiel hinterlässt, entsteht beim ersten Durchgang.

Fazit: Wer "Journey" noch nicht kennt und eine PS4 zu Hause stehen hat, sollte dem Game eine Chance geben. Sein einfaches Spielprinzip und das harmonische Gesamtpaket aus Gameplay, Grafik und Sound haben auch ohne Kämpfe und Gewalt durchaus das Zeug dazu, den Spieler für ein paar Stunden in eine surreale Welt zu entführen, in der er sich verlieren kann. Wer "Journey" schon auf der PS3 probiert hat, findet in der PS4-Version aber wenig Neues.

Plattform: PS4 (getestet), PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 9/10

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