Mi, 13. Dezember 2017

Opfer des Weltkriegs

14.08.2015 06:22

USA suchen auch nach 70 Jahren noch Gefallene

Seit mehr als 70 Jahren sind sie tot, doch vergessen sind sie nicht: Das US-Militär sucht noch immer nach Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben gelassen haben. Von den Wäldern in Deutschland bis zum Dschungel in Papua-Neuguinea fahnden Historiker, Archäologen und Gerichtsmediziner im Dienste des Pentagon nach US-Militärangehörigen, die bis heute als vermisst gelten.

Einer der Experten des US-Verteidigungsministeriums ist Stephen Johnson. Er erklärt, wenn er an einem Fall arbeite, dann erinnere er sich immer an die Reaktion einer Frau auf den Fund der Leiche ihres Vaters in einem deutschen Wald. "Sie haben mir meinen Papa zurückgegeben", habe die betagte Dame, die mittlerweile selbst Mutter und Großmutter ist, mit Tränen in den Augen gesagt. Die Gewissheit über das Schicksal ihres Vaters habe ihr "Frieden" gegeben.

GI nach 70 Jahren auf Familienranch beerdigt
Auch Sandi Jones aus dem Bundesstaat Montana erhielt einen Anruf vom Pentagon. Dieses teilte ihr mit, dass die Leiche ihres Onkels gefunden worden sei, 70 Jahre nachdem sein Kampfflugzeug über Papua-Neuguinea abgestürzt war. "Ich war baff", sagt die 60-Jährige. Der Onkel wurde auf der Familienranch mit militärischen Ehren beerdigt.

Seit der Gründung der Vereinigten Staaten 1776 gilt für die Armee des Landes der Grundsatz, keinen Soldaten zurückzulassen. George Washington, der erste Präsident, habe die Ansicht vertreten, dass "die Loyalität der Armee zur Nation direkt an die Loyalität der Nation zur Armee" gebunden sei, sagt Johnson. "Man hört nicht auf, Mitglied des US-Militärs zu sein, weil man stirbt."

Diese Einstellung erklärt die großen Mühen, die das Pentagon zur Bergung gestorbener Soldaten auf sich nimmt. So wurden auch 388 Militärangehörige exhumiert, die an Bord des Kriegsschiffes "USS Oklahoma" beim japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 ums Leben gekommen waren. Nach mehreren Wochen im Pazifik hatten die meisten Soldaten damals nicht identifiziert werden können, ihre sterblichen Überreste waren anonym beerdigt worden. Heute ist die US-Armee dank eines hochmodernen Labors auf Hawaii in der Lage, mit DNA-Tests und anderen Methoden die Knochen den Toten zuzuordnen.

Auch private Gruppen beteiligen sich an Suche
Jedes Jahr birgt das Pentagon rund 70 Leichen von US-Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg - was allerdings weniger ist als das vom Kongress in Washington ausgegebene Ziel von 200 Leichen. Daher beteiligen sich auch einige private Gruppen an der Suche nach den Überresten von Gefallenen. Die Organisation History Flight beispielsweise geht seit 2007 dem Schicksal von Dutzenden Marineinfanteristen auf dem Tarawa-Atoll im Pazifikstaat Kiribati nach.

"Das ist für uns eine humanitäre Frage", sagt der Direktor von History Flight, Mark Noah, der früher selbst als Pilot gearbeitet hat. Fast 1,5 Millionen Dollar seien bereits in die Suchaktion geflossen. Viele der Kinder und Verwandten der Verschollenen seien noch immer am Leben und verdienten Gewissheit. Der Weg für das Pentagon und für engagierte Privatleute wie Noah ist aber noch lang: Rund 73.000 US-Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg gelten bis heute als vermisst.

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