Mo, 11. Dezember 2017

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16.08.2015 08:30

"Submerged": Wunderhübsch, aber einschläfernd

Das kleine australische Entwicklerteam von Uppercut Games hat mit "Submerged" ein optisch höchst interessantes Game für PC, PS4 und Xbox One veröffentlicht. Darin schlüpft der Spieler in die Rolle des Mädchens Miku, das mit seinem kranken Bruder in einer postapokalyptischen, überfluteten Stadt landet – und in den Ruinen der Zivilisation nach Hilfe sucht. Ob "Submerged" mehr ist als eine hübsch in Szene gesetzte Warnung vor dem Klimawandel, klärt unser Test.

Von Ranken überwucherte Hochhausfassaden inmitten überfluteter Straßen, riesige Wale, Delfine und hüpfende Rochen zwischen baumbewachsenen Ruinen und desolater Infrastruktur – die Spielwelt von "Submerged" zeigt dem ökologisch interessierten Spieler recht genau, wie küstennahe Städte in einigen Jahrhunderten aussehen könnten, wenn der Klimawandel den Meeresspiegel in die Höhe treibt und die Menschheit in die Flucht schlägt.

Inmitten dieser gleichsam idyllischen wie verstörenden Spielwelt landet das Klima-Flüchtlingsmädchen Miku mit ihrem kranken Brüderchen. Ein alter Prachtbau dient ihnen als Unterschlupf, die bedrohliche Kulisse der verlassenen Stadt mit Meeresbewohnern in den Straßen überschattet ihre Ankunft. Mit wenigen Worten erklären die Entwickler die Aufgabe des Spielers: in Gestalt von Miku in den überfluteten Ruinen nach allem zu suchen, was Aussicht auf Heilung für ihren Bruder verspricht und die beiden am Leben hält.

Erkunden statt kämpfen
Hier beginnt für den Spieler die Reise durch die Welt von "Submerged". Mit einer kleinen Nussschale fährt Miku durch die überfluteten Straßen, vorbei an algenbewachsenen Walen und anderen Meerestieren, immer auf der Suche nach einer Gelegenheit, an einer Ranke oder einer anderen Aufstiegshilfe auf eines der Gebäude zu gelangen und kletternd nach Hilfe zu suchen. Wasser, Verbandszeug, Rationen, ein Fernrohr, Hinweise auf das Schicksal der früheren Bewohner der Stadt: Die Ruinen bergen viele Geheimnisse, die es für Miku zu entdecken gilt.

Gekämpft wird in "Submerged" nicht, es geht nur um die Erkundung der Spielwelt und das Finden der für die in einer Handvoll Stunden durchgespielten Haupthandlung. Nach und nach bemerkt Miku, dass sie in diesem seltsamen Paradies nicht allein ist, eine mysteriöse Krankheit die Bewohner umgestaltet hat. Zu Konfrontationen mit den im Verborgenen lebenden Einheimischen kommt es jedoch nicht. Stattdessen werden Info-Fragmente gesammelt, Gegenstände erbeutet und nach und nach zu einer mit kryptischen Symbolen erzählten Geschichte für die Spielwelt zusammengesetzt.

Mysteriös, aber langatmig
Erzählerisch ist das durchaus nachvollziehbar: Den Entwicklern von Uppercut Games war es offenkundig ein Anliegen, nicht zu viel über die Spielwelt und ihre Geschichte zu verraten und dem Spieler selbst die Aufgabe zu geben, Licht ins Dunkel zu bringen. Und zu Spielbeginn funktioniert das auch prächtig. Überwältigt von der prächtigen Kulisse, dem hübsch animierten Wasser und seinen Bewohnern, steuert man sein Boot frohen Mutes durch die Stadt.

Weil Suchen, Schauen und Klettern aber das Einzige ist, was der Spieler in "Submerged" tut, stellt sich relativ schnell Ernüchterung ein. Freilich ist das Game mysteriös und sicher ist die überflutete Welt schön anzusehen, auf Dauer ist das aber einfach zu wenig, um den Spieler bei der Stange zu halten.

So kam es, dass wir – zu Beginn noch geblendet von der Pracht – anfangs über die Spielwelt und ihre tierischen Bewohner staunten und uns über jede zu erkletternde Ranke freuten, doch schon nach relativ kurzer Zeit das anfängliche Staunen Ärger wich. Bis man – gerade im späteren Spielverlauf – ein Gebäude gefunden hat, das eine Aufstiegshilfe bietet und nicht zuvor schon erklettert wurde, dauert es immer länger.

Immer die gleiche Kletterei
Und der Aufstieg gestaltet sich immer gleich: Über Ranken, Fensterbretter und Wandvorsprünge kraxelt Miku immer weiter nach oben, bis sie – hoffentlich – ein Relikt oder einen Gegenstand gefunden hat, der ihr oder ihrem Brüderchen weiterhilft oder zumindest etwas Licht ins Dunkel der Geschichte der Stadt bringt. Anschließend bricht die Nacht an – und Miku beginnt am nächsten Tag erneut mit der Suche nach Brauchbarem.

Das sich wiederholende Gameplay ist die große Schwäche von "Submerged" und dürfte vor allem Freunde actionreicher Kost nachhaltig abschrecken. Aber selbst Spieler, die nicht aufs Kämpfen aus sind und gern erkunden, könnten sich nach einer Weile schlicht langweilen.

Hübsche Kulisse, gelungener Sound
So hübsch die Kulisse auch ist – das Wasser und die Lichteffekte sind toll, die Vegetation auf den Gebäuden hübsch, Miku selbst niedlich und solide animiert –, sie kann über diese spielerische Schwäche nicht hinwegtäuschen.

Da hilft es auch wenig, dass der Soundtrack von "Submerged" gelungen ist. Er hätte zwar ein bisschen mehr Abwechslung vertragen, untermalt das Geschehen aber stets stimmungsvoll. Die Soundeffekte – etwa jene auftauchender Wale oder sich unter Mikus Gewicht dehnender Ranken – gefallen ebenfalls. Die Vertonung der Charaktere ist nicht der Rede wert: Im Spielverlauf spricht Miku nur selten – mit wem auch, ihr Bruder ist bewusstlos und die mysteriösen Mutantenwesen der Stadt beäugen sie meist nur von Weitem.

Fazit: Was bleibt, ist im Grunde ein interaktives Gemälde mit einer vom Klimawandel gezeichneten Spielwelt, die – obwohl menschenfeindlich – mit ihren überwucherten Gebäuden und dem sehr schön animierten Meeresgetier in den Gassen letztlich doch auch so etwas wie Idylle vermittelt. Inmitten dieser künstlerisch wertvollen Welt verliert sich "Submerged" auf spielerischer Ebene aber zu sehr in sich wiederholenden und mit der Zeit faden Such- und Kletteraufgaben.

Plattform: PC, PS4 (getestet), Xbox One
Publisher: Uppercut Games
krone.at-Wertung: 5/10

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