Mo, 11. Dezember 2017

Millionen im Stress

09.07.2015 22:43

U-Bahn-Streik: Chaotische Zustände in London

Erstmals seit 2002 ist die Londoner U-Bahn am Donnerstag vollständig stillgestanden. Millionen Fahrgäste mussten sich wegen eines Streiks Ersatzlösungen suchen, um zur Arbeit zu gelangen. Hintergrund des Ausstands: Die öffentliche Betreibergesellschaft Transport for London will am 12. September einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb der "Tube" am Wochenende einführen - wogegen die Gewerkschaften streiken. Unter dem Hashtag #TubeStrike machten die Londoner - teils mit einer ordentlichen Prise britischem Humor - auf Twitter ihrem Ärger über das Verkehrschaos Luft.

Transport for London (TfL) setzte 200 zusätzliche Busse ein, bot Leihfahrräder an - und veröffentlichte Karten mit empfohlenen Fußwegen. Für Fans des Tennisturniers in Wimbledon, das am Wochenende zu Ende geht, organisierte das Transportunternehmen Sammeltaxis. Dennoch hatte der Streik, der bis Donnerstagabend andauerte, chaotische Szenen im morgendlichen Berufsverkehr zur Folge.

"Ich bin unterwegs zur Canary Wharf - hoffentlich bin ich zu Weihnachten da!", lautete eine Twitter-Nachricht. An den Bushaltestellen fuhren völlig überfüllte Busse vor, in die sich kaum einer der Wartenden zusätzlich hineinquetschen konnte. "Ich bin gemütlich die 4,8 Kilometer bis zum Büro zu Fuß gegangen", twitterte Musikerin Bella Barlow mit ironischem Unterton. "Ich sollte das immer so machen - Stichwort Gesundheit." Ein Archivbild von Premier David Cameron (rechts neben Ex-Vizeregierungschef Nick Clegg) in der Fahrerkabine einer U-Bahn, quasi als "Hilfsfahrer in der Not", machte in sozialen Netzwerken ebenfalls die Runde.

Auch zahlreiche Unternehmen und Organisationen sprangen auf den Zug auf und twitterten unter dem Hashtag #TubeStrike lustige Kommentare zu dem Streik:

Weniger lustig fand hingegen der streitbare Londoner Bürgermeister Boris Johnson die Kampfmaßnahme der Gewerkschafter. Er erklärte, der Streik sei "politisch motiviert". Eine Sprecherin von Cameron sagte, der Streik sei "nicht hinnehmbar und unbegründet".

Neuer Service wegen gestiegener Nachfrage
Den neuen Service, der zu dem Streik geführt hatte, will die Londoner Öffi-Gesellschaft für die Nächte von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag einführen. Die Gesellschaft begründet das mit der gestiegenen Nachfrage, die sich bisher - wo es keinen nächtlichen U-Bahn-Verkehr gab - an der Nutzung der Nachtbusse ablesen lasse.

Diese habe seit 2000 um 173 Prozent zugenommen. Als Begründung für das konkrete Datum der Einführung am 12. September nennt TfL den bevorstehenden Rugby World Cup, der vom 18. September bis zum 31. Oktober in England und Wales ausgetragen wird.

Nacht-U-Bahn künftig auf fünf Strecken
Die Londoner Nacht-U-Bahnen sollen künftig auf fünf Strecken fahren. Dem Personal wurden dafür Gehaltserhöhungen von durchschnittlich zwei Prozent in diesem Jahr in Aussicht gestellt, außerdem ein Inflationsausgleich in den kommenden zwei Jahren und eine einmalige Bonuszahlung von 2.000 Pfund (knapp 2.800 Euro) für jeden Nachtfahrer.

Die Gewerkschaften erklärten, das Unternehmen habe die Auswirkungen der Nachtarbeit auf das Leben der Mitarbeiter nicht hinreichend in Rechnung gestellt. Es bestehe die Gefahr, dass "das Gleichgewicht von Leben und Arbeit" durcheinandergebracht werde.

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