Sa, 25. November 2017

Wiener Paar getötet

02.07.2015 14:20

„Reisender Serientäter“ legt Lebensbeichte ab

Jener 29-jährige Pole, der im Mai im Wiener Bezirk Donaustadt ein betagtes Ehepaar getötet haben soll, hat nun nicht nur diese Tat gestanden, sondern zugleich eine Lebensbeichte abgelegt. So gab der "reisende Serientäter" Dariusz K. - wie er in Ermittlerkreisen genannt wird - auch zu, einen Mord in Schweden begangen zu haben. Der Pole war am 8. Juni in Düsseldorf festgenommen worden.

Bei dem 29-Jährigen handelt es sich um "einen Reisenden in Sachen Mord, Gewalt und Einbruch", sagte Oberst Gerhard Haimeder bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Der stellvertretende Leiter des Wiener Landeskriminalamtes, Michael Mimra, erklärte, dass die "Übergabe des reisenden Serientäters an der Grenze zu Österreich" zwei Tage zuvor erfolgt war. Anschließend wurde der Verdächtige ans Landeskriminalamt überstellt, wo er eine Art Lebensbeichte ablegte.

"Innere Stimme" soll Morde befohlen haben
In seiner Einvernahme gestand der Beschuldigte, am 19. Mai das ältere Ehepaar in der Böckingstraße im Donaustädter Bezirksteil Aspern ermordet zu haben. Dies habe ihm eine "innere Stimme befohlen", rechtfertigte sich der aus der südwestpolnischen Stadt Opole stammende 29-Jährige gegenüber den Ermittlern. Vor der Tat habe er bereits zwei Tage in einem Gebüsch verbracht und das nächstgelegene Haus ausgespäht, nachdem er mit dem Fahrrad von Tschechien nach Wien gekommen war. Dann hätten ihn Hunger und das Bedürfnis, sich zu waschen, auf das Grundstück getrieben, erklärte der Mann. Im Innenhof habe er sich Polster von der Veranda genommen und sich hingelegt, schilderte Chefinspektor Helmut Fischer aus der Einvernahme.

Als es im Haus ruhig wurde, habe er einen Schuppen im Garten aufgebrochen und damit das Ehepaar geweckt. Erst wollte der Pole eigenen Angaben zufolge flüchten, stieß jedoch auf den 75-jährigen Mann, der gebückt vor ihm stand. Da sei ihm "eingeschossen, ihn jetzt zu töten", gab der Mann an. Ein langes Messer trug er bei sich - wie Chefinspektor Ewald Schneider erklärte, habe der Mann ausgesagt, "sich nur mit Messer wohl zu fühlen".

"Tantal" auf Körper der Frau geschrieben
Der 74-jährigen Frau schlug der 29-Jährige dann so stark ins Gesicht, dass ihr Joch- und Nasenbein brachen, ebenso wie die Zahnprothese. Die beiden Opfer wurden mit massiver Gewalt getötet, sie erlitten zahlreiche Stiche in Hals- und Schulterbereich. Mit brauner Holzlasur aus dem Gartenschuppen schrieb der Pole auf die Pensionistin dann noch großflächig von den Schultern bis zu den Beinen das Wort "Tantal". Dies hätte ihm die Stimme befohlen, meinte der Verdächtige. Diese würde "seinen Körper auch in zwei Hälften teilen", sagte der Mann in seiner Einvernahme.

Seine Mutter wiederum hatte gegenüber den polnischen Behörden angegeben, dass sich ihr Sohn bereits in seiner Jugend mit griechischer Mythologie beschäftigt hätte. Tantalus bezeichnet eine Figur aus der griechischen Mythologie in lateinischer Schreibweise. Jedenfalls werden sich laut Chefinspektor Schneider noch "mehrere Psychologen" mit dem Verdächtigen beschäftigen.

Nach der Tat hielt sich der Mann noch länger im Haus des Paares auf, wusch seine Wäsche und hängte sie zum Trocknen auf, bediente sich im Kühlschrank, sah sich Fotos an, kleidete sich in Gewand der Opfer, stahl Schmuck. Er fuhr schließlich mit dem Auto des Paares davon und behob in Raasdorf im Bezirk Gänserndorf mit der gestohlenen Bankomatkarte der Frau Geld, ehe er mit dem Zug weiter nach Znaim und dann nach Deutschland flüchtete. Am 21. Mai entdeckte der Sohn des Paares die Leichen seiner Eltern. Das Tatmesser, das aus einem Einbruch in Tschechien stammen soll, lag neben der Frau.

Besonderes Tatmuster führte nach Schweden
Aufgrund des "markanten Tatortes" wurde der Modus von den Wiener Ermittlern weltweit ausgeschickt. Aus Schweden gab es dann die Rückmeldung, dass in Göteborg ein Pensionist erstochen wurde, erläuterte Chefinspektor Fischer. Dort sei mit dem Blut des Opfers ebenfalls "Tantal" auf die Leiche geschrieben worden. Zudem war sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland die DNA des Verdächtigen gespeichert. In den Niederlanden war der Mann bereits wegen eines "schweren Verletzungsdeliktes" im Gefängnis gesessen, in Deutschland war die DNA nach einem Einbruch in ein Haus gespeichert worden. Auch in seinem Heimatland saß der 29-Jährige bereits mehrfach wegen Einbruchs- und Gewaltdelikten im Gefängnis.

Die meisten Informationen zur Person habe der Pole laut Fischer selbst in seiner Einvernahme gegeben. Demnach sei er schon als Zwölfjähriger als Teil einer Jugendbande an Raubüberfällen beteiligt gewesen, ehe er seine eigene Bande gründete. Auch habe er immer wieder Drogen konsumiert und damit gedealt. Eine Lehre brach er nach lediglich sieben Jahren Schule rasch ab und begab sich erstmals auf Reisen in Nordeuropa, schilderte der Verdächtige den Ermittlern. Die Reisetätigkeiten intensivierte er im Jahr 2008.

Zahlreiche Einbrüche in Österreich verübt
Eine eigene Wohnung und Gelegenheitsjobs habe er nur einmal in England gehabt, ansonsten schlug er sich mit Diebstählen und Einbrüchen durch. Teilweise lebte er auch mehrere Wochen in fremden Häusern. 2011 und 2012 war der Pole eigenen Angaben zufolge bereits erstmals in Österreich. Der 29-Jährige reiste dabei über Wien in den Westen. Einbrüche soll er unter anderem in Salzburg, Bischofshofen, Graz und Arnoldstein verübt haben. Zudem steht der 29-Jährige im Verdacht, im April 2012 in Salzburg einen Mordversuch verübt zu haben. Damals soll er gemeinsam mit einer Frau, die dem Rotlichtmilieu zuzuordnen ist, einen Ladendiebstahl begangen haben. Als der Geschäftsbesitzer das Paar verfolgte, habe der Pole ein Messer aus seinem Rucksack gezogen und auf den Mann eingestochen, erläuterte Schneider.

Nun werde noch überprüft, ob der 29-Jährige weitere Delikte verübt hat. Noch in Abklärung sei man auch mit den Behörden in Schweden bezüglich des Mordes in Göteborg, sagten die Ermittler. In Wien jedenfalls seien "seit 2010 alle Morddelikte geklärt", so LKA-Vize Mimra. Damit sei man "europaweit als Hauptstadt führend".

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