Fr, 17. November 2017

Lärm und Kondome

21.05.2015 16:59

Anrainer laufen gegen den Straßenstrich Sturm

Der Kragen ist jetzt den Anrainern in der Bayerhammerstraße in Salzburg geplatzt: Seit die Polizei und das Amt für öffentliche Ordnung regelmäßig die Prostituierten in der Vogelweider- und Sterneckstraße kontrolliert, hat sich das Geschäft samt Begleiterscheinungen – Lärm und Müll – in die Nebenstraßen verlegt.

Erst in der Nacht zum Mittwoch wurden in den beiden großen Straßenzügen wieder elf teilweise schon amtsbekannte illegale Prostituierte angetroffen. Sie alle wurden nach dem Salzburger Landessicherheits-, dem Aids- und dem Gechlechtskrankheitengesetz angezeigt. Die Frauen hatten keinen "Deckel". Bereits seit drei Jahren wird immer häufiger kontrolliert. So konnte die illegale Straßenprostitution von der Münchner Bundesstraße und aus dem Bahnhofsviertel vertrieben werden. Doch in Schallmoos weichen die Damen nun notgedrungen mit ihren Freiern in die Nebenwege aus. Vor allem in der Bayerhammerstraße geht es nachts schon mal rund und das für 35 €.

"In unserem Garten liegen neben den Kinderspielgeräten Kondome, Verpackungen und Dutzende Taschentücher", beschwert sich eine Anrainerin. Als es warm war, seien die Prostituierten schon ab 20 Uhr halb nackt durch die Gegend gelaufen. Dazu kommen die teils abartigen Freier, die auf der Suche nach den Frauen immer wieder durch die Bayerhamerstraße jagen. Offenbar haben die Bewohner auch schon ein paar Damen angesprochen und ihnen klar gemacht, dass sie sich woanders positionieren soll. Mit wenig Erfolg, die Frauen kehrten eine Viertelstunde später wieder zurück. Die Polizei und das Amt für öffentliche Ordnung tun ihr Möglichstes. So wurden seit 2012 bei 49 Kontrollen 372 illegale Straßenprostituierte erwischt. Es hagelte 1162 Anzeigen. Heuer wurden bisher 214 Frauen erwischt, sie kassierten 641 Anzeigen. Bei den Razzien wurden auch mehrmals trotz des seit Jahren bestehenden Verbots schwangere Frauen erwischt.

Prostituierte wollte einen neuen Beruf
Wie man das Problem mit der illegalen Straßenprosituierten in den Griff bekommen kann, darüber sind sich Politik, Sozialarbeiter, Exekutive und Anrainer uneinig. Die Betroffenen selbst wurden bisher nicht befragt. Aber immerhin hat sich eine der Damen, eine Rumänin, die in Salzburg einen Mann kennen gelernt hat und mit diesem jetzt in einer festen Beziehung lebt, an das Amt für öffentliche Ordnung um Hilfe gewandt. Und die bekam sie auch. Die Frau, die zwar nicht am Straßenstrich sondern in einem Bordell gearbeitet hat, hatte am Donnerstag ihren ersten Termin beim AMS. Ihr soll so rasch wie möglich ein Job vermittelt werden.

Vom Frauenbüro der Stadt Salzburg werden unter anderem der "Runde Tisch Menschenrechte" und das Projekt "PIA" unterstützt. "In beiden geht es darum, solchen Frauen zu helfen, sie zu beraten, ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen", erklärt Eva Spießberger vom Frauenbüro. "Wir verstehen auch die Probleme der Anrainer. Aber wir können weder Gesetze exekutieren noch neue ausarbeiten", so Spießberger.

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