Di, 24. Oktober 2017

Armenier-Erklärung

22.04.2015 22:09

Türkei: „Beziehung zu Wien dauerhaft beschädigt“

Die türkische Regierung hat am Mittwoch gegen die Erklärung des österreichischen Nationalrats zum Völkermord an den Armeniern 1915 protestiert. Diese habe "Empörung" erregt und werde die Beziehungen zwischen beiden Ländern "dauerhaft beschädigen", hieß es in einer Stellungnahme des Außenministeriums in Ankara. Der Botschafter wurde aus Wien zurückgerufen.

"Wir lehnen diese voreingenommene Haltung des österreichischen Parlaments ab", hieß es weiter. So ein Versuch, "anderen einen Vortrag zu halten", habe "in der heutigen Welt keinen Platz". Es sei klar, "dass diese Erklärung permanente negative Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich haben wird". Das Ministerium erklärte, dass Botschafter Mehmet Hasan Gögüs aus Wien zu Beratungen nach Ankara zurückgerufen wurde.

Bereits zuvor hatten mehrere türkische Verbände in Österreich gegen die Erklärung des Nationalrats protestiert. Nach armenischer Darstellung starben 1915 bis zu 1,5 Millionen Armenier im Zuge einer gezielten Vernichtungskampagne der Regierung des Osmanischen Reiches. Die Türkei bestreitet dagegen, dass es sich um einen Völkermord handelte, und spricht von einigen Hunderttausend Toten infolge von Kämpfen und Hungersnöten während des Krieges. Das Europaparlament bezeichnet die Ereignisse schon seit 1987 offiziell als Völkermord, die EU-Kommission vermeidet dagegen den Begriff.

Österreich: "Historische Verantwortung" - auch bei Türkei
In dem Text der Klubobleute Andreas Schieder (SPÖ), Reinhold Lopatka (ÖVP), Heinz-Christian Strache (FPÖ), Eva Glawischnig (Grüne), Waltraud Dietrich (Team Stronach) und Matthias Strolz (NEOS) heißt es: "Aufgrund der historischen Verantwortung - die österreich-ungarische Monarchie war im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet - ist es unsere Pflicht, die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen." Und weiter: "Ebenso ist es die Pflicht der Türkei, sich der ehrlichen Aufarbeitung dunkler und schmerzhafter Kapitel ihrer Vergangenheit zu stellen und die im Osmanischen Reich begangenen Verbrechen an den Armeniern als Genozid anzuerkennen."

Der armenische Präsident erklärte sich am Mittwoch zur Aussöhnung mit der Türkei bereit. Das Ziel sollten "normale Beziehungen" sein, sagte Serzh Sarksyan am Mittwoch vor ausländischen Journalisten. Der Friedensprozess solle "ohne Vorbedingungen" wieder aufgenommen werden. Armenien würde nicht darauf bestehen, dass die Türkei akzeptiere, damals einen Völkermord begangen zu haben. Zuvor hatte Sarksyan vor der Gefahr neuer Völkermorde gewarnt. "Eine der größten Herausforderungen für die Menschheit sind wachsender Extremismus und Intoleranz im Nahen Osten", sagte Sarksyan bei einem internationalen Forum am Mittwoch in der Hauptstadt Eriwan.

Debatte vor Gedenktag neu entflammt
Am Freitag wird in Armenien offiziell der Opfer der Massenmorde gedacht. Die Türkei räumt ein, dass osmanische Truppen bei Massakern und Deportationen 1915 und 1916 armenische Christen töteten. 2009 hatten Armenien und die Türkei bereits einen Anlauf zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen genommen - er blieb jedoch in den Parlamenten beider Länder stecken.

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