So, 20. Mai 2018

"Finish him!"

20.04.2015 14:04

"Mortal Kombat X": Jetzt gibt es auf die Pappn!

Es muss im zarten Alter von elf, zwölf Jahren gewesen sein, als ich Anfang der 90er-Jahre auf dem Amiga eines Freundes das erste Mal "Mortal Kombat" sah und spielte. Nach wie vor unvergessen ist, wie einer der Recken seinem unterlegenen Widersacher mit einem beherzten Griff die Wirbelsäule herausreißt. Über 20 Jahre, zahlreiche Fortsetzungen, Ableger und schlechte Verfilmungen später, meldet sich der Prügelspiel-Klassiker mit "Mortal Kombat X" zurück - schöner, umfangreicher und brutaler denn je.

Es ist aber vor allem die Präsentation, durch die sich "Mortal Kombat X" wohlwollend von seinen Vorgängern abhebt. Die Story vom Kampf des Guten gegen das Böse ist zwar nach wie vor reichlich dünn, dafür aber zumindest ansprechend in Szene gesetzt. Kämpfe und interaktive Zwischensequenzen, in denen Gamer zum schnellen Drücken bestimmter Knöpfchen angehalten werden (Stichwort Quick-Time-Event), gehen nahtlos ineinander über und bieten somit ein intensives Spielerlebnis, das kaum Verschnaufpausen gönnt.

Sich als Allererstes in den Story-Modus zu stürzen, ist - rückblickend betrachtet - allerdings nicht sonderlich klug. Zum einen gibt es keinerlei Einführung in die Spielmechanik, zum anderen lässt sich der Schwierigkeitsgrad nicht verändern, was Ungeübte und deren Daumen bald an die Grenzen der Mach- und Belastbarkeit führen dürfte. Anders ausgedrückt: Man zieht im Kampf schnell den Kürzeren.

Immerhin: Wissen, wie es mit "Johnny Cage", "Raiden", "Kano" und Co. weitergeht, darf man trotzdem, lassen sich Kämpfe mit dem nötigen Extra doch kurzerhand überspringen - was teils kuriose Folgen hat: Eben liegt man noch röchelnd als Verlierer am Boden, schon verlässt man den Schauplatz in der anknüpfenden Zwischensequenz als stolzer Sieger. Irgendwann sind jedoch alle "Kampf überspringen"-Extras aufgebracht und was dann?

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Glücklicherweise bietet "Mortal Kombat X" für diesen Fall einen umfangreichen Trainingsbereich, der allen Einsteigern nur wärmstens empfohlen werden kann. Hier kann man sich mit Schlägen, Tritten, Komboattacken, Special Moves, dem Blocken von Angriffen und natürlich auch den berühmt-berüchtigten Fatalities/Finishing Moves vertraut machen.

Da werden Herzen aus Leibern gerissen, selbige mit gezielten Schnitten entzwei geteilt, in die Luft gesprengt und dergleichen mehr. Brutal? Keine Frage. Durch die gesteigerte Brutalität - anatomisch korrekte Röntgenansichten von Schädel-, Knochen- und Wirbelbrüchen inklusive - gleitet das Dargebotene jedoch ins Comichafte ab und ist daher  - wenn überhaupt - nur bedingt ernst zu nehmen. In Ruhe einmal alle Finishing Moves durchzuprobieren gehört somit mit zum Unterhaltsamsten, das "Mortal Kombat X" zu bieten hat.

Ein Kämpfer, drei Stile
Nur weil bestimmte Moves im Trockentraining funktionieren, darf man sich jedoch keineswegs der Illusion hingegen, dass man nun für die Herausforderungen des Spiels gewappnet sei. Nicht nur hat jeder der Charaktere seine individuellen Stärken und Schwächen (flink, aber schwach vs. langsam, aber stark), die es erst nach und nach herauszufinden gilt; hinzu kommt, dass jeder der in Summe fast 30 verfügbaren Charaktere über drei verschiedene Kampfstile verfügt, die es allesamt zu beherrschen gilt, sofern man nach dem Meistertitel trachtet.

Viele Prügelgelegenheiten
Gelegenheit zu üben gibt es aber auch außerhalb des Tutorial-Bereichs reichlich: Neben den klassischen Einer-gegen-einen-Kämpfen wartet "Mortal Kombat X" mit den bekannten "Türmen" auf. Ziel hier ist es abermals, sich von unten an die Spitze des Turmes zu kämpfen, wobei jedes Stockwerk für einen Gegner steht. Türme variieren hinsichtlich ihrer Größe oder der Zusammensetzung der Gegner und unterliegen zum Teil verschärften Bedingungen, etwa jener, den Turm mit nur einem Leben zu besteigen.

Wer davon genug hat, kann in der speziellen 1v1-Variante "Teste dein Glück" eben das tun und durch die Veränderung verschiedenster Spielparameter veränderte Ausgangsbedingungen für einen Kampf schaffen. So kann es passieren, dass der eigene Kämpfer plötzlich nicht mehr springen oder keine Waffen benutzen kann. Auch online darf schließlich geprügelt werden - in Versus- oder Teamkämpfen, im Modus "King of the Hill" oder Turnieren.

Globaler Online-Wettbewerb
Ganz gleich, für welche Spielvariante man sich letztlich entscheidet, ob Story-Modus, Turm oder Online-Kampf: Jeder Kampf wird am Ende mit Punkten belohnt, die einer von insgesamt fünf Fraktionen zugutekommen, der man sich zu Beginn des Spiels anschließt. Ziel ist es, die eigene Fraktion in diesem globalen Online-Wettbewerb an die Spitze zu befördern und dadurch bestimmte Belohnungen wie fraktionseigene Finishing Moves einzuheimsen. Darüber hinaus warten spezielle Herausforderungen für die eigene Fraktion. Und keine Sorge: Wer mit seiner Wahl unzufrieden ist, kann seine Fraktion jederzeit wechseln.

"Goro" nur gegen Aufpreis
Mit den während der Kämpfe erspielten Münzen darf wiederum in der aus anderen Teilen bereits bekannten "Krypta" auf Einkaufstour gegangen werden. Dahinter verbirgt sich im Prinzip ein interaktives Menü, über das sich Moves, Kostüme, Konzeptzeichnungen oder Extras wie ein Finishing Move auf Knopfdruck freischalten lassen, nur dass sich das in der Ego-Perspektive erlebbare Menü über mehrere Ebenen erstreckt und mit Gefahren wie Spinnen oder Wölfen aufwartet, denen mittels Quick-Time-Event beizukommen ist.

Nur gegen bare und ganz reale Münze freischalten lässt sich hingegen "Goro": Der vielleicht beliebteste Kämpfer kostet 4,99 Euro. Andere spielfremde Recken wie Jason Voorhees aus der "Freitag der 13."-Filmreihe oder der "Predator" sind ebenfalls nur gegen teures Geld für rund 30 Euro im sogenannten Kombat-Pack erhältlich. Angesichts des hohen Anschaffungspreises von 60 Euro für das Spiel eine diskussionswürdige Entscheidung der Macher.

Ein zumeist optischer Hingucker
Optisch kann sich "Mortal Kombat X" sehen lassen - zumindest während der Kämpfe selbst. Die Animationen sind absolut flüssig, die Arenen abwechslungs- und detailreich gestaltet. Sie bieten übrigens wie in NetherRealms letztem Prügeltitel "Injustice: Gods Among Us" interaktive Elemente, die sich zum eigenen Vorteil nutzen lassen. So kann etwa ein herumliegender Stein auf Knopfdruck zum Wurfgeschoss umfunktioniert werden. In den Zwischensequenzen sieht "Mortal Kombat X" hingegen nicht mehr ganz so prächtig aus. Vor allem das grafische Niveau der gerenderten Gesichter schwankt stark und lässt diese teils arg künstlich aussehen. Das hat man bei NextGen-Titeln schon besser gesehen.

Fazit: Wer mit Beat'em ups bislang nichts anfangen konnte, der wird auch an "Mortal Kombat X" keinen Gefallen finden. Neu erfunden wird das Rad mit dem jüngsten Ableger der Prügelspiel-Serie schließlich nicht. Für Fans des Genres hat der Titel aber allerlei zu bieten, angefangen beim filmisch inszenierten Story-Modus über das umfangreiche Kader von alten wie neuen Kämpfern mit ihren verschiedenen Kampfstilen bis zur starken Online-Komponente mit dem weltumspannenden Fraktionen-Wettbewerb. Eines sollte jedem Mortal-Kombat-Aspiranten jedoch bewusst sein: Ohne intensives Training lässt sich die komplexe Steuerung nur schwerlich meistern.

Plattform: Xbox One (getestet), PS4, PC
Publisher: Warner Bros.
krone.at-Wertung: 8/10

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