Sa, 26. Mai 2018

Das lange Warten

14.04.2015 15:01

Hängepartie um schwulen Botschafter im Vatikan

Der Vatikan schweigt. Seit mehr als drei Monaten. So lange wartet Paris nun schon auf grünes Licht für seinen neuen Botschafter beim Heiligen Stuhl. Die Nominierung sollte in der Regel eine Formalie sein. Frankreichs Präsident Francois Hollande will seinen Protokollchef Laurent Stefanini nach Rom schicken - und der gilt als ausgewiesener Kenner des Kirchenstaates. Doch der Vatikan hat wohl ein Problem mit der sexuellen Orientierung des schwulen Diplomaten.

Am 5. Jänner hat das Kabinett in Paris Stefanini nominiert. Der 55-Jährige war von 2001 bis 2005 bereits Nummer zwei der französischen Botschaft in der Villa Bonaparte in Rom gewesen. Doch nun wurde seine Nominierung überraschend zum Politikum: Französische Medien berichten übereinstimmend, Rom blockiere die Personalie, weil Stefanini schwul ist.

Heikles Thema
Für die katholische Kirche ist der Umgang mit Homosexualität nach wie vor ein heikles Thema. Sieht die Kurie die Personalie deshalb als Provokation und schiebt sie bewusst auf die lange Bank? Der Fernsehsender France 24 zitierte einen nicht namentlich genannten Kenner der Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan mit der Aussage, der Papst blockiere Stefanini aus Gründen der Kirchendoktrin.

"Kein Kommentar"
Offiziell ist von keiner Seite eine Bestätigung dafür zu bekommen, dass die sexuelle Orientierung des Diplomaten der Anlass für die ungewöhnlich lange Hängepartie ist. Dementis gibt es aber auch nicht. Im Vatikan heißt es lediglich: "Kein Kommentar". Und in Paris bestätigt der Elysee-Palast nur, dass man noch auf grünes Licht aus Rom warte - und stellt Stefaninis Qualitäten heraus: "Der Präsident hat ihn ausgewählt, weil er einer der besten französischen Diplomaten ist."

Grundsätzlich kann der Kirchenstaat, wie alle anderen Staaten auch, einen vorgeschlagenen Botschafter ablehnen. Das kommt allerdings selten vor. Die Fraktion der Liberalen im EU-Parlament kritisierte daher die römische Blockade der Personalie ebenso wie der italienische Homosexuellenverband Arcigay. "Wir sind sehr wütend", erklärte dessen Präsident Flavio Romani. "Offensichtlich wird auch im Vatikan Wasser gepredigt und Wein getrunken."

Papst will Öffnung
Dabei bezog sich Romani auf Aussagen von Papst Franziskus. Unter diesem ist der Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen immerhin zu einem Thema geworden, das diskutiert wird. "Wenn jemand schwul ist und er den Herrn sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen?", fragte der Pontifex etwa im Jahr 2013. Bei seiner Generalaudienz saßen vor einiger Zeit zudem Lesben und Schwule in der ersten Reihe.

Kurie bleibt hart
Andererseits sind die Widerstände in der Kirche nach wie vor groß. Bei der Familiensynode im Vatikan im vergangenen Jahr war Homosexualität eines der großen Streitthemen. Während der Zwischenbericht der Synode schon als eine Öffnung der Kirche gefeiert wurde, fand sich im Abschlussdokument schließlich doch keine Zweidrittelmehrheit für die umstrittenen Passagen. Darin hatte es etwa geheißen, homosexuellen Menschen müsse mit "Respekt und Taktgefühl" begegnet werden.

Die in Frankreich vor zwei Jahren von der sozialistischen Regierung durchgesetzte "Ehe für alle" war der Kirche ohnehin ein Dorn im Auge, homosexuelle Lebenspartnerschaften werden von ihr nicht anerkannt. Bleibt nun also die Frage, ob die Kurie Stefanini als Botschafter letztlich doch noch durchwinkt. Ein klares Nein dürfte jedenfalls nicht kommen: "Der Vatikan formuliert keine Ablehnung", zitierte France 24 eine "informierte Quelle" in Rom. "Er antwortet nicht - und es ist dann an dem betroffenen Land, dieses Ausbleiben einer Antwort zu interpretieren." Bisher sieht Frankreich dazu jedoch keinen Anlass...

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