Do, 14. Dezember 2017

Airbus-Chef:

29.03.2015 13:04

TV-Talkshows zum Absturz "Verhöhnung der Opfer"

Der Chef des Luftfahrtunternehmens Airbus, Tom Enders, hat scharfe Kritik an den TV-Talkshows nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs geübt. "Was wir kritisch hinterfragen sollten, ist das Unwesen, das manche 'Experten' vor allem in TV-Talkshows treiben", sagte Ender der "Bild am Sonntag". "Teilweise wurde dort ohne Fakten spekuliert, fantasiert und gelogen. Oft hanebüchener Unsinn."

"Das ist eine Verhöhnung der Opfer", kritisierte Enders und forderte eine bessere Kontrolle durch die Fernsehräte. "Das ist Missbrauch der Medienmacht. Diese Leute verkaufen uns alle für dumm. Und dafür gibt es dann noch Honorare vom Geld der Gebührenzahler. Hier stimmt die Aufsicht in den Anstalten nicht."

Die Piloten verteidigte Enders hingegen. Sie seien "normalerweise sehr zuverlässig, erstklassig ausgebildet". "Piloten verdienen auch weiter unser Vertrauen. Ein schwarzes Schaf macht noch keine Herde", betonte der Airbus-Chef.

Lubitz führte Absturz absichtlich herbei
Ein Airbus A320 der Gesellschaft Germanwings war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. Aktuellen Erkenntnissen zufolge führte der Co-Pilot Andreas Lubitz den Absturz bewusst herbei.

Doch weder über mögliche Motive des 27-Jährigen noch über die Art seiner mittlerweile bekannt gewordenen akuten Erkrankung wollten sich die Behörden bis zum Sonntag äußern. Nach Recherchen der "Welt am Sonntag" litt der Co-Pilot unter einer schweren psychosomatischen Störung.

Lufthansa: "Wussten nichts von Erkrankung"
Die Lufthansa wusste nach eigenen Angaben nichts von einer angeblichen psychischen oder anderen Erkrankung des Co-Piloten. "Wir haben da keine eigenen Erkenntnisse", sagte ein Firmensprecher am Sonntag auf die Frage, ob das Unternehmen als Muttergesellschaft von Germanwings von Depressionen des 27-Jährigen wusste. Das Unternehmen sei weder von Psychiatern oder Psychologen informiert worden, die einer Schweigepflicht unterlägen, noch von dem Mann selbst. "Deswegen war uns das nicht bekannt", so der Sprecher.

Auch von Augenproblemen, über die mehrere Zeitungen berichteten, wisse die Lufthansa nichts. "Nein, das kann ich nicht bestätigen", sagte der Sprecher. Grundsätzlich werde die Sehfähigkeit beim jährlichen Medizintest der Piloten geprüft. Wenn dabei festgestellt werde, dass die Sehkraft nicht mehr ausreiche, könnte das zur Aberkennung der Flugtauglichkeit führen. Bei dem Germanwings-Piloten sei aber offenbar beim letzten Check nichts festgestellt worden, sonst hätte er den Flugtauglichkeitsvermerk nicht bekommen.

Keine Kenntnis hatte die Lufthansa darüber hinaus von einem etwaigen massiven Medikamentengebrauch des Mannes. Generell müssten die Betreffenden Informationen dazu beim turnusmäßigen Medizincheck angeben, hieß es.

Dementi: Noch keine Leichenteile vom Co-Piloten am Absturzort entdeckt
Berichte wonach am Absturzort der Germanwings-Maschine Leichenteile des Co-Piloten entdeckt worden seien, wurden indes vom zuständigen Staatsanwalt Brice Robin dementiert. "Wir haben noch keine Opfer identifiziert, sondern DNA-Spuren von insgesamt 78 Menschen", sagte Robin am Sonntagnachmittag. Diese sollen nun zur Identifizierung der Toten mit DNA-Proben von Familienangehörigen abgeglichen werden.

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