Fr, 15. Dezember 2017

Varoufakis-Video

19.03.2015 12:28

Wie ZDF-Satireshow allen den Mittelfinger zeigte

Die Kontroverse um den Stinkefinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis ist um eine Facette reicher: Nachdem ZDF-Moderator Jan Böhmermann am Mittwochabend die Urheberschaft des umstrittenen Videos für sich beansprucht und erklärt hat, die Redaktion seines satirischen Magazins "Neo Magazin Royale" habe die Mittelfinger-Sequenz manipuliert, reagierte das ZDF am Donnerstag und teilte mit, die Aktion des Magazins sei Satire. Gefälscht oder nicht, Böhmermanns "geniale Mediensatire" sorgte jedenfalls für Heiterkeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

"Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe 'Bild'-Redaktion, einmal bitte tief durchatmen, vielleicht nehmen Sie sich mal einen Stuhl und setzen sich hin. Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein", heizte Böhmermann in einem von ihm am Mittwochabend verbreiteten YouTube-Video die Stinkefinger-Causa weiter an. In dem Clip erklärte der Moderator, seine Redaktion habe die umstrittene Varoufakis-Sequenz manipuliert, weil Material für einen Spott-Song über den griechischen Finanzminister gefehlt habe.

Das Satiremagazin habe nach eigener Darstellung die Szene in Zusammenarbeit mit Organisatoren der kroatischen Veranstaltung, bei der die verfänglichen Aufnahmen Varoufakis' im Mai 2013 entstanden sind, verändert. Abgespielt wurde auch das angeblich echte Video, in dem Varoufakis zwar sagt, man sollte Deutschland den Finger zeigen, aber eben keinen Stinkefinger zeigt.

Heftige Debatte um "Varoufake"
Nach dem Böhmermann-Video vom Mittwochabend begann in den sozialen Netzwerken umgehend eine Diskussion über die Echtheit der Fälschungs-Behauptung Böhmermanns. Auf Twitter entstand unter dem Hashtag #Varoufake eine heftige Debatte darüber, was denn nun Sache sei. Auch Varoufakis selbst schaltete sich ein: Er ist sich offenbar sicher, den Mittelfinger nicht gezeigt zu haben. Bei Talkmaster Günther Jauch erkundigte er sich, ob sich eine Entschuldigung anbahne.

Am angeblich echten Video - also ohne Stinkefinger - gab es aber unterdessen bald Zweifel. So prüfte ein Spezialist das Video Bild für Bild und erklärte, Fehler entdeckt zu haben. Einzelne Frames tauchten demnach zweimal auf. Auf der Website massengeschmack.tv zeigte sich der Experte überzeugt, dass die Version ohne Stinkefinger gefälscht ist: "Netter Versuch, Herr Böhmermann!"

ZDF: "Böhmermann-Sendung ist Satire"
Nach mehr als fünfzehn Stunden heftiger Debatte im Internet gab dann auch das ZDF am Donnerstagvormittag eine Stellungnahme in der Causa ab und betonte, die Böhmermann-Sendung sei Satire. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler ironisch zum "Spiegel": "Wir sehen uns gezwungen, das 'Neo Magazin Royale' zukünftig als Satiresendung zu kennzeichnen." Für die Moderation des "heute journals" werde Jan Böhmermann "sicherheitshalber vorerst ausgeschlossen."

Böhmermann selbst wiederum hatte noch kurz vor dem ZDF-Statement in einer weiteren Videobotschaft die Echtheit seiner Fälschung unterstrichen: "Unser Video ist zu 100 Prozent echt. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Lügner. Als Entschuldigung und Zeichen des guten Willens gegenüber unseren europäischen Freunden sollten Günther Jauch und die Redaktion der 'Bild'-Zeitung umgehend die Euro-Zone freiwillig verlassen. Die Unterstellung, dass das Video ein von uns manipulierter Fakefake-Fakefakefake sei, ist absolut haltlos."

Moderator schaffte "geniale Mediensatire"
In den sozialen Netzwerken stößt Böhmermanns Aktion - unabhängig von dessen Echtheit - dennoch auf große Zustimmung. Fazit: Eine "geniale Mediensatire". Das Satire-Team der ZDF-Sendung scherzte abschließend in einer Twitter-Nachricht: "+++ EIL +++ Das @NeoMagazin Royale ist eine Satiresendung! +++ #varoufake +++ Wer hätte das gedacht?"

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