So, 18. Februar 2018

Epidemie in Liberia

02.09.2014 14:00

Rappen über Ebola: Songs sollen Menschen aufklären

Musik dröhnt aus einem Transistorradio in einem Eckcafé in Monrovia, der Hauptstadt Liberias. Der Song hat einen gefälligen Dance-Beat, die Melodie geht ins Ohr. Aber die Botschaft ist ernst: "Lass' die Angst los, versteck' Dich nicht. Menschen können Ebola überleben", rappt Charles Yegba. Der junge Mann will den Menschen in Liberia Hoffnung machen. In anderen Songs wird über den sicheren Umgang mit der Seuche gesungen. Hunderte Menschen sind in dem Land bereits an Ebola gestorben.

Der "Ebola Rap" ist ein Beispiel für Hipco, eine Mischung aus Hip-Hop, Rap und traditionellen Rhythmen, kombiniert mit Umgangssprache und politischen Botschaften. Dieser in Afrika einzigartige Musikstil wurde in Liberia während des blutigen Bürgerkriegs in den 1990er-Jahren populär.

Yegba und andere Musiker nutzen Hipco, um vor den Gefahren von Ebola zu warnen. Es gibt Lieder über vorbeugende Maßnahmen, Liedtexte, die gegen den Mythos angehen, dass es Ebola gar nicht wirklich gebe, und solche, die darüber informieren, wie man traditionelle Verhaltensweisen so verändern kann, dass das Ansteckungsrisiko minimiert wird.

"Hilf ihr, und wir sterben alle"
"State of Emergency" (Notstand) von den Rappern Tan Tan B und Quincy B klärt darüber auf, wie ansteckend Ebola ist. "Ich habe eine Mutter weinen sehen, sie hat gerade ihren Sohn verloren. Ich glaube, ich kann ihr helfen, denn sie möchte mitfahren. Aber dann warnt mich mein Baby: 'Hilf ihr, und wir sterben alle.'"

"Die Lieder sind gut. Sie steigern das Bewusstsein für Ebola", sagt der Journalist Calvin Brooks. Es sei eine gute Idee, Hipco zu nutzen, denn Musik sei aus dem täglichen Leben in Liberia nicht wegzudenken. Die Menschen hören Hipco im Radio oder Fernsehen, die Musik läuft zu Hause, im Laden und beim Friseur. Hits werden zu Handy-Klingeltönen, Kinder singen sie in den Straßen.

UNO und Regierung arbeiten mit Musikern zusammen
"Hipco ist ein wichtiger Teil der Kultur", erklärt Adolphus Scott vom UNO-Kinderhilfswerk UNICEF Liberia. "Hipco gibt den Menschen eine Stimme und lässt sie Themen ansprechen, die ihnen wichtig sind." UNICEF und das Gesundheitsministerium arbeiten mit einigen Musikern und einer Radiostation zusammen, um Informationen über Ebola zu verbreiten.

So sponsert die UNO die Hipco-Sänger Deng, SoulFresh und FA. Sie haben das Lied "Ebola is Real" (Ebola gibt es wirklich) produziert. Damit die Nachricht auch älteres Publikum erreicht, half UNICEF der Gruppe Crusaders for Peace, ein Ebola-Lied mit traditioneller Musik aufzunehmen. Die Songs laufen auf Dutzenden Radiosendern rauf und runter.

Lieder für den Kampf gegen Gerüchte und Mythen
Ziel sei es, die Verleugnung der Gefahr in den Griff zu bekommen, sagt Scott. Gerüchte, Schauermärchen und ein Nicht-Wahrhaben-Wollen sind in Liberia weit verbreitet. Die Infektionszahlen steigen dort weiter rasant, warnt die WHO. Manche glauben, die Regierung bringe Berichte über Ebola in Umlauf, um an Spendengelder zu kommen. Andere vermuten, dass ausländische Helfer das Virus nach Afrika gebracht haben.

Die Ebola-Songs müssen sich allerdings gegen düstere Konkurrenz durchsetzen: Lieder in Weltuntergangsstimmung wie "Ebola in Town" (Ebola ist in der Stadt) von den Rappern Shadow und D-12 liegen ebenfalls im Trend. Texte wie "Ebola ist sehr böse, es killt dich superschnell" könnten einigen Schaden anrichten, fürchten Experten. "Ich fühle mich schlecht, wenn ich diese negativen Songs höre", sagt etwa die 28-jährige Studentin Comfort Johnson. "Ebola hat das Land in Angst gestürzt, und diese Songs erinnern mich an die Menschenleben, die Ebola kostet."

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