Do, 24. Mai 2018

Hilferuf an die Welt

23.01.2014 09:36

Klitschko: "An seinen Händen klebt jetzt Blut"

Der ukrainische Oppositionsführer Vitali Klitschko schlägt jetzt ungewöhnliche Wege ein, um den bei vielen seiner Landsleute ungeliebten Präsidenten Viktor Janukowitsch (Bild unten) in die Knie zu zwingen: Nach der Eskalation der Proteste in der Hauptstadt Kiew mit bis zu sieben Toten in den vergangenen Tagen richtet der frühere Box-Champion via "Bild"-Zeitung einen Hilferuf an die Weltöffentlichkeit: "Was wird der Diktator den Müttern der Toten sagen?", heißt der am Donnerstag erschienene Gastbeitrag. "An seinen Händen klebt jetzt Blut", so das Urteil Klitschkos.

Der Oppositionsführer schildert in dem Text seine Sicht der vergangenen blutigen Protestnächte rund um den Kiewer Maidan-Platz. "Ich habe gebetet. Zusammen mit einem Priester und Hunderten Menschen stand ich noch in der Nacht in einer Reihe am Maidan, wir haben uns alle an den Händen gehalten und an Frieden und Freiheit gedacht. Für einen Moment lang, für ein paar Stunden, hatten wir so etwas wie Hoffnung. Aber am frühen Morgen bracht die Hölle los: fünf Tote, 300 Verletzte!

Es war kurz vor sechs, als ich gestern den Anruf bekam: Die Polizei hat Demonstranten erschossen! Als ich am Maidan ankam bei eisigen Minustemperaturen, hörte ich schon, wie wütende Menschen 'Mörder' in Richtung der Polizisten und der Regierung brüllten, die weiterhin versuchten, den Unabhängigkeitsplatz zu räumen."

"Regierung tat Opfer als Terroristen ab"
"Die Regierung wollte den Einsatz von Waffen verschleiern, tat die Opfer als Terroristen und Provokateure ab", heißt es in Klitschkos Schreiben weiter. "Ich habe die Bilder gesehen - und sie lassen keinen Zweifel: Mindestens zwei unserer Anhänger sind vermutlich von Scharfschützen kaltblütig erschossen worden.

Janukowitsch hat damit die größtmögliche Schande über die Ukraine gebracht. An seinen Händen klebt jetzt Blut. Noch nie seit dem Ende der Sowjetunion wurden bisher Schusswaffen gegen Demonstranten eingesetzt. Und Janukowitsch sollte von allen Staaten dieser Welt zur Persona non grata erklärt werden. Wir haben dennoch stundenlang versucht, mit ihm zu verhandeln. Aber die Gespräche waren wieder einmal ergebnislos."

"Was sagt er den Müttern, die ihre Söhne verloren haben?"
In jener Passage, in der es um die Todesopfer von Mittwoch früh geht, wird Klitschko emotional: "Ich frage mich, was er (Janukowitsch) den Müttern sagen würde, die ihre Söhne verloren haben? Dass sie selbst schuld sind an ihrem Tod, weil sie seit zwei Monaten für eine bessere Ukraine auf die Straße gehen? Dass es nicht gerechtfertigt sein soll, sich gegen ein Demonstrationsverbot aufzulehnen?

Janukowitsch rechtfertigt mit Gesetzen, die schlimmer sind als in Weißrussland, sein brutales Vorgehen. Er lässt Mobiltelefone von Demonstranten orten, Oppositionelle werden sogar aus Krankenhäusern entführt. Er lässt Polizisten auf Demonstranten schießen!"

"Wer Beiträge von mir verlinkt, kann ins Gefängnis kommen"
"Wer in diesen Stunden zum Schutz gegen Steine einen Helm trägt, kann sofort verhaftet werden", warnt Klitschko seine Landsleute. "Auch wer auf Facebook politische Beiträge von mir verlinkt, kann direkt ins Gefängnis kommen. Die Regierung glaubt, dass ihnen die Gewalt hilft, dass sich der Maidan selbst zerstört, weil am Ende das Volk die Opposition für das Chaos verantwortlich macht.

Janukowitsch irrt sich gewaltig! Das Volk weiß genau, dass nur er dafür verantwortlich ist, dass er selbst diese unglaublichen Gesetze erlassen hat. Wir werden Janukowitsch zeigen, dass unser Freiheitsdrang größer ist als die Angst vor seinen Scharfschützen!"

Bitte um EU-Sanktionen gegen Janukowitsch-Regime
Klitschko schließt mit einem Appell an die internationale Gemeinschaft, das verhasste Regime in Kiew zu boykottieren: "Ich hoffe, dass wir aus der EU jetzt nicht weiter die immer gleichen Töne hören. Genau wie die USA jetzt ukrainischen Behördenvertretern Visa verweigern, muss endlich auch die EU Sanktionen umsetzen. Es darf nicht länger gewartet werden."

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