Mi, 13. Dezember 2017

Angst vor Völkermord

20.12.2013 17:21

Kämpfe im Südsudan: USA schicken Truppen

Afrika droht ein neuer Bürgerkrieg: Angesichts der anhaltenden Kämpfe mit Hunderten Toten im Südsudan forderte US-Präsident Barack Obama die Konfliktparteien zu Verhandlungen und einem Ende der Kampfhandlungen auf. "Südsudan steht am Abgrund", heißt es in einer Stellungnahme des Weißen Hauses, das bereits US-Soldaten ins Krisengebiet entsandt hat. Zahlreiche Ausländer - darunter auch zwei Österreicher - haben unterdessen das Land verlassen.

Täglich dreht sich die Gewaltspirale im jungen Staat weiter, der erst 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan erlangte. Hintergrund der vergangenes Wochenende erneut ausgebrochenen Gefechte ist ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem im Juli entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Die größte Gefahr besteht darin, dass sich die Kämpfe zu einem Bürgerkrieg zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen ausweiten.

Kiir gehört der Volksgruppe der Dinka an, die die Regierungspartei und frühere Rebellentruppe SPLM (Sudanesische Volksbefreiungsbewegung) dominieren. Machar ist ein Lou Nuer.

Bei einem Angriff auf einen UNO-Stützpunkt am Donnerstag in Akobo in der Provinz Jonglei waren zwei indische Soldaten der UNO-Friedenstruppe getötet worden. Zudem kamen laut der UNO dabei zumindest 36 Zivilisten ums Leben. In dem Stützpunkt haben mehr als 10.000 Menschen Zuflucht gesucht. Nach UNO-Angaben haben in Südsudan bereits 35.000 Menschen im Land Schutz vor den Kämpfen in UNO-Einrichtungen gesucht.

Hunderte Tote in der Hauptstadt Juba
Ein Sprecher der südsudanesischen Streitkräfte bezifferte nach einem Bericht der "Sudan Tribune" die Zahl der Toten in der Hauptstadt Juba mit bisher 450, darunter 100 Soldaten. Da die Kämpfer unterschiedlichen Volksgruppen angehören, befürchtet Außenminister Barnaba Marial Benjamin einen Völkermord. Es dürfe nicht zu einer Eskalation des Konflikts kommen, sagte Benjamin am Freitag.

Die Angreifer auf den UNO-Stützpunkt sollen Lou Nuer gewesen sein, die Lage war aber unübersichtlich. "Die Situation ist sehr verworren und verändert sich fast stündlich", zeigte sich ein UNO-Sprecher in New York besorgt über die Lage im Südsudan. Die Vereinten Nationen zogen unbewaffnetes Personal aus Akobo ab, für Samstag wurde eine Verstärkung von 60 Blauhelmen erwartet.

Ausländer über Luftbrücke evakuiert
Indes liefen Evakuierungsaktionen für westliche Bürger an. Die deutsche Bundeswehr brachte mit einem Flugzeug 55 Menschen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden in Sicherheit. Auch zwei österreichische Staatsbürger wurden evakuiert. Wie Außenministeriumssprecher Martin Weiss bestätigte, wurde eine Frau mit einer britischen Militärmaschine nach Uganda gebracht, ein Mann mit einer Maschine der italienischen Luftwaffe nach Rom. Das Außenministerium in Wien hatte allen im Südsudan befindlichen Staatsbürgern bereits am Vortag "dringend zur Ausreise" geraten.

US-Soldaten ins Krisengebiet entsandt
US-Präsident Obama hatte am Donnerstag in einem Brief an die Spitzen des Kongresses die Entsendung von etwa 45 Soldaten in den Südsudan mitgeteilt. Diese seien bereits am Mittwoch aufgebrochen, um die US-Bürger und die Botschaft im Südsudan zu schützen. Sie sollten so lange wie nötig dort bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden